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Eine kulinarische Entdeckungsreise durch das Tessin
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VORWORT

"Das Tessin ist so schön, dass nachts sogar die Sterne zusammenrücken, damit alle Platz finden über dem Paradies", sagen die Einheimischen über ihren Kanton. Er ist der einzige Kanton, der gänzlich südlich der Alpen in der italienischen Schweiz liegt und auch als "Geheimnisvolles Vorzimmer des Südens" bezeichnet wird. Das milde Klima lässt schon Ende Februar Frühlingsblumen und Kamelien erblühen und in den Straßencafes kann man die ersten Sonnenstrahlen genießen. Maler, Dichter, Künstler, Intellektuelle und unzählige Urlauber haben sich seit Öffnung des Gotthardtunnels im Jahre 1882 in den Zauber dieser Landschaft verliebt und das Tessin als Zweitwohnsitz gewählt. Als Transitland ist das Tessin seit jeher auch offen für neue Strömungen und gilt als angenehmes Gastgeberland. Als berühmtester deutscher Einwanderer gilt der Schriftsteller Hermann Hesse, der die letzten 40 Jahre seines Lebens in Montagnola nahe Lugano verbrachte. Im Tessin gedeihen mediterrane Pflanzen wie Palmen, Zitronen- und Orangenbäume, Kamelien, Magnolien, Bananenstauden und uralte Kastanienbäume und wenn man die grün schillernden Eidechsen flink über die Steine huschen sieht, fühlt man sich endgültig im Süden angekommen. Mit dem Hochgebirge der Alpen, den oftmals fast senkrecht abfallenden Hängen, den verträumten Seen und urwüchsigen Tälern entfaltet sich hier eine ausgesprochen reizvolle Landschaft mit geheimnisvollem Licht. Wie in keiner Region der Erde gelangt man binnen weniger Kilometer vom ewigen Eis in wildromantische Täler mit reißenden Wasserfällen bis zur sonnenüberfluteten Piazza am Lago Maggiore, und Weihnachten bei 20 Grad auf der windgeschützten Terrasse sind gar nicht so selten. Tessiner Magie - das bedeutet aber auch die gelungene Symbiose aus südländischer Lebensweise und Schweizer Perfektion, was den Tourismus angenehm und leicht macht.

Aus gastronomischer Sicht ist das Tessin eine äußerst privilegierte Region mit erstklassigen Hotels und Restaurants. Die Tradition der großen Köche geht bis ins Mittel alter zurück. Bereits um 1400 gab es Meisterköche für adlige Familien in Mailand. Das Geheimnis der Tessiner ist die Verbindung der traditionellen italienischen Küche mit internationalen Einflüssen. Zu diesen Traditionen gehören vor allem die Grotti. Das sind rustikale Lokale, die rückwandig im Felsen liegen. Sie befinden sich an stillen, schattigen Orten, von den Luftkanälen der Felsen bei etwa 12 Grad gehalten. Hier genießt man im Sommer an Granittischen unter schattigen Bäumen Einheimisches wie Salami und Mortadella, Minestrone, Risotto und Polenta. Aus dem Boccalino, dem typischen Tessiner Krug, trinkt man Merlot oder auch Barbera, gespritzt mit Gazosa, der berühmten Limonade in den kleinen Glasfläschchen mit dem Bügelverschluss.

Das Tessin besitzt die viertgrößte Weinanbaufläche der Schweiz. Rund 98 Prozent der Weinproduktion stammen von Rotweingewächsen und werden vorwiegend aus Merlot hergestellt. Seit den 1980er Jahren wurde der "Merlot" weit über den Gotthard hinaus bekannt.

War das Tessin bis zum 15. Jahrhundert eine reiche Region, die abwechselnd von Mailändern, Franzosen und Schweizern regiert wurde und durch ihre Lage am Ausgang der Alpenpässe vom Wegezoll profitierte, änderte sich dies drastisch nach dem katastrophalen Bergsturz in Biasca, der die Alpen nahezu unpassierbar machte. Das Tessin verarmte.

Viele Ansässige wanderten aus oder verkauften ihre Kinder als Kaminfeger in andere Regionen Europas. Der Kanton wurde erst nach Eröffnung des Gotthardtunnels im Jahre 1882 von Nordeuropa aus für den Tourismus passierbar. Nach dem Bau des Autotunnels und im Zuge des deutschen Wirtschaftswunders kamen immer mehr deutsche und auch schweizerische Touristen ins Tessin und verwandelten die Region zum angesagten Ferienparadies. Auch die Zuwanderung von Andersdenkenden oder Emigranten während der zwei Weltkriege bereicherten und entwickelten die Kultur. Aus diesem Zusammenhang heraus erklären sich auch die spektakulären Ereignisse auf dem Monte Verità in Ascona um 1900. Dort wohnten bereits Persönlichkeiten wie die Maler Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, die als Begründer des "Blauen Reiters" gelten. Auch Trotzki, der Anarchist, der bereits vor 1900 nach Ascona flüchtete, gilt als Vorläufer oder einer der Auslöser der Bewegung auf dem Monte Verità. Diese stellt eine der wichtigsten Avantgarde-Bewegungen der europäischen Intellektuellen und Künstler Anfang des 20. Jahrhunderts dar, der eine Vielzahl geistiger und künstlerischer Strömungen entsprangen. Sie galt als dritter Weg und Alternative zum Kommunismus und Kapitalismus und war ein Vorläufer der Grünen. Ihre Mitglieder lebten in einer Kommune in luftigen Holzhäusern, ernährten sich vegetarisch, huldigten der Freikörperkultur und der wilden Ehe. Fast alle intellektuellen Persönlichkeiten von Rang jener Zeit haben den Monte Verità zwischen 1900 und 1940 besucht, darunter Lenin und Leoncavallo, C. G. Jung und Else Lasker-Schüler und viele mehr. Hier trafen viele günstige Faktoren aufeinander, wozu das milde Klima, die große Schönheit der Landschaft, die Ansiedlung von Adligen und Intellektuellen, aber auch die Neutralität und Gastfreundschaft der Schweiz zählten. Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Hermann Hesse blieb im Tessin und wurde hier auch zum Maler. Er lebte von 1919 bis 1963 in Montagnola, nahe Lugano. Der Kanton erstreckt sich über 2812 Quadratkilometer zwischen dem Sankt-Gotthard-Massiv und dem Rand der Poebene und unterteilt sich in zwei große Regionen: das Sottoceneri - das südliche Tessin - um Lugano, Malcantone, Mendrisiotto und den Luganer See und Sopraceneri - das nördliche Tessin - um Bellinzona, Locarno, Ascona und den Lago Maggiore. Dieser Teil steht im Mittelpunkt dieses Buches, das auf eine wunderbare Reise für alle Sinne einlädt.


 
   


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