VORWORT
Schlachten üben auf historisch Interessierte einen besonderen Reiz aus. Der Grund mag in der Dramatik dieser Ereignisse liegen, aber auch in ihrer Schicksalhaftigkeit. In der Regel gibt es einen Sieger und einen Besiegten, und aus dem Ergebnis der Schlachten - jedenfalls der Schlachten, derer man sich noch lange erinnert - erwachsen weitreichende politische Konsequenzen. So liegt der Fall auch bei jenen Gefechten, in denen Einheiten nordwestgermanischer Stämme unter dem cheruskischen Adeligen Arminius drei Legionen unter dem römischen Statthalter Publius Quinctilius Varus im Jahre 9 nach Christus aufrieben. Damit war das römische Vordringen nach Germanien gestoppt. Der Rhein wurde zu einem Grenzfluss des Römischen Reiches. Soweit die Fakten, auf die sich die Historiker einigen können. Im Detail sind die Kenntnisse über diese von den Römern sogenannte "Niederlage des Varus" weit weniger gesichert, als uns zum Beispiel ein Monument wie das Hermannsdenkmal bei Detmold glauben machen möchte. Schon die Berichte der römischen Schriftsteller zeigen in ihrer Darstellung des Geschehens oft erhebliche Abweichungen, die moderne Historiker in mühsamer Kleinarbeit versucht haben, miteinander in Einklang zu bringen. Von germanischer Seite gibt es überhaupt keine unmittelbaren Zeugnisse dieser Ereignisse. Die schriftliche Überlieferung war den Germanen fremd. Archäologische Funde der neueren Zeit geben weitere Hinweise auf das Gefecht. Möglicherweise hat man bei Kalkriese an einem Ausläufer des westfälischen Wiehengebirges das Schlachtfeld entdeckt. Anhand dieser Erkenntnisse versuchen Historiker neue Rekonstruktionen der Schlacht, die im Einzelnen aber oft mindestens ebenso weit auseinander liegen wie die antiken Berichte. Wenn es der Geschichtswissenschaft um so etwas wie das Herausfinden von historischer Wahrheit geht, dann haben die Historiker mit der Varusschlacht noch allerhand zu tun. Viele Publikationen, die unter "Schlacht im Teutoburger Wald" oder ähnlichem firmieren, räumen daher der Darstellung des eigentlichen Schlachtgeschehens nur geringen Raum ein. In dieser vermutetes Gelände der Varusschlacht bei Kalkriese Darstellung möchte ich es mit dem Würzburger Althistoriker Dieter Timpe halten, der empfahl, bei einer Schilderung des Ereignisses "der Phantasie die Zügel schießen" zu lassen, weil man sonst schwer zu einer lesbaren und verständlichen Darstellung kommt. Hier soll der derzeitige Forschungsstand dargestellt, gleichzeitig aber auch der Versuch unternommen werden, die Geschehnisse möglichst plastisch darzustellen. Vielleicht mehr als andere Autoren bin ich dabei geneigt, den Berichten der antiken Chronisten Glauben zu schenken. Die Schilderungen von Cassius Dio, Tacitus, Sueton und Velleius Paterculus bleiben für mich die wichtigsten Referenzquellen.