Vorwort
Seit dieses Buch vor rund 13 Jahren das erste Mal aufgelegt wurde, hat sich die Sammlergemeinde von Meißener Porzellan und die Strukturen, die sie heute vorfindet, stark verändert. Und damit auch die Preise, die heute für das "Weiße Gold" aus Sachsen zu bezahlen sind. Vergleicht man die Marktpreise der in diesem Buch vorgestellten Porzellane von damals zu heute, wird schnell deutlich, dass einzelne Stücke um mehr als hundert Prozent im Wert zulegen konnten, andere eine weniger starke oder gar keine Wertsteigerung erfahren haben und wieder andere, die sich im Vergleich zu ihrem früheren Marktpreis sogar verbilligten. Wie ist dies zu erklären? Etwa seit Beginn dieses Jahrhunderts erfreut sich Meißener Porzellan einer wachsenden Fangemeinde in den ehemaligen Ostblockstaaten, vorzugsweise in Polen, Tschechien und Russland. Waren hier betuchte Sammler davor eher am Kauf nationaler Kunst interessiert, öffnete man sich später - nicht zuletzt durch die neuen Möglichkeiten des Internets - zunehmend dem westeuropäischen, dem weltweiten Markt. Dieser Trend ist einer genauen Beobachtung des Kunstmarktes geschuldet: seit Jahren erzielen vor allem die gut erhaltenen alten Stücke aus Meißen immer neue Höchstpreise. So ist ein Schwanenservice-Teller in der Vitrine eben nicht nur ein ästhetischer Genuss, sondern nebenbei auch noch eine vergleichsweise sichere Geldanlage. Dazu ein konkretes Beispiel: Vor zehn Jahren erstand ein Sammler im Kunstauktionshaus Metz, Heidelberg, einen Schwanenservice-Teller für 8500 DM. Kürzlich wechselte dieser Teller im selben Auktionshaus den Besitzer für 18 000 Euro. Eine noch weitergehende Preissteigerung ist derzeit gut denkbar. Solche Wertsteigerungen sind fast ausschließlich für das alte Meißener Porzellan des frühen 18. Jahrhunderts möglich, die meist nur in überschaubaren Stückzahlen gefertigt wurden. Ein anderer Grund für das Anziehen der Preise für Stücke dieser Kategorie ist eine veränderte Bietergewohnheit im Rahmen von Kunstauktionen. Früher kauften Sammler vor allem aus den ehemaligen Ostblockstaaten wertvolle Porzellane vorzugsweise von Händlern, die diese bei internationalen Kunstauktionen ersteigert hatten. Da diese Händler ihre Stücke aber mit 100 Prozent Gewinn- und Provisionsaufschlag weiterverkauften, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Sammler - meist vertreten durch das unbekannte Gesicht eines Assistenten - selbst an den Auktionen beteiligten. So umgingen diese Sammler bzw. deren Vertreter bei der Ersteigerung eines Stückes den 100-Prozent-Aufschlag des Händlers, konnten also mit gutem Gewissen den mitsteigernden Händlern Bietergefechte liefern, an deren Ende oft astronomische Preise zu bezahlen waren. Natürlich gehen auch Sammler aus anderen Ländern diesen Weg, um ihre Kollektionen zu ergänzen. Erleichtert wird das Sammeln Meißener Porzellans heute ganz sicher durch eine im Vergleich zu früher wesentlich erhöhte Markttransparenz. So ist das Angebot von Händlern und Auktionshäusern heute nicht nur wie einst in Katalogen nachzusehen, sondern meist einfach über das Internet zu begutachten. Internetauktionen und das Mitsteigern via Telefon ermöglichen Kauf oder Verkauf bequem von zuhause aus, erhöhen dabei aber gleichzeitig auch die Anzahl der Interessierten um einen Marktplatz herum.
Für das mittlere bzw. untere Preissegment Meißener Porzellane gelten solch vergleichsweise einfache Regeln nicht. Gerade das Auktionsgeschäft ist hier immer für eine Überraschung gut. Jede Auktion - so kann man sagen - hat ihre eigene, manchmal spannende Geschichte. Treffen nämlich zufällig Liebhaber einer ganz speziellen Kategorie im Rahmen einer Versteigerung aufeinander, kann es zu hohen Zuschlägen kommen, die kein Mensch davor für möglich gehalten hätte. Im Übrigen können manche Mittelklasse-Porzellane durch die Seltenheit der Top-Stücke mit hochgezogen werden und so ebenfalls überdurchschnittliche Wertsteigerungen erfahren.
Wer heute eine Sammlung mit Meißener Porzellan aufbauen oder eine bestehende ergänzen möchte, sollte gewappnet sein mit allen Tugenden eines Kunstsammlers: viel Wissen, Geduld und gute Ratgeber. Dies können Fachhändler sein, aber auch die Porzellanexperten in Kunstauktionshäusern, die sich einen Namen in dieser Sparte erworben haben. Als Ratgeber versteht sich auch dieses Buch, in dem für Hunderte von Meißener Geschirr-Porzellane Bewertungsorientierungen zusammengestellt wurden. Berücksichtigung fanden dabei sowohl preiswertere "bürgerliche" Geschirre wie auch solche für gekrönte Häupter.
Für die generöse Zurverfügungstellung von Bildmaterial möchte ich danken den Kunst- und Auktionshäusern Schloß Ahlden, Ahlden, Lempertz in Köln sowie dem Hause Metz in Heidelberg. Zu besonderem Dank verpflichtet bin ich Frau Petra Alexandra Schaper, Köln, die die Neuauflage stets hilfreich begleitete.
Schwenningen, Frühjahr 2009