Vorwort des Herausgebers
Das vorliegende Buch verdankt sich einer unvergeßlichen, dreitägigen Konferenz, die im Oktober 1989 im kalifornischen Newport Beach stattfand. Auslöser war der Wünsch des Dalai Lama, mehr über das westliche Denken und die Beziehung zwischen buddhistischer und westlicher Psychologie zu erfahren.
In Gesprächen zwischen Lobsang Rapgay, dem an westlicher Psychologie interessierten, früheren Stellvertretenden Sekretär des Privatbüros des Dalai Lama, Ronald Wong Jue, dem ehemaligen Präsidenten der Association for Transpersonal Psychology, und Daniel Goleman, dem Psychologen und Redakteur der New York Times für den Bereich Verhaltensforschung, entstand dann die Idee, ein öffentliches Podiumsgespräch unter der Schirmherrschaft der East West Foundation zu veranstalten, in dessen Verlauf Seine Heiligkeit der Dalai Lama und eine Gruppe ausgewählter Therapeuten und Psychologen, die mit dem Buddhismus vertraut waren, Ideen austauschen und einander Fragen stellen konnten. Als man Seine Heiligkeit bat, die Gesprächsthemen und die Form der Gespräche zu bestimmen, zog er es vor, die Entscheidung darüber den anderen Diskussionsteilnehmern zu überlassen, da diese seiner Meinung nach am besten wußten, was ein amerikanisches Publikum interessieren würde.
In den acht Monaten vor der Konferenz trafen sich die Diskussionsteilnehmer mindestens einmal im Monat mit Ronald Jue, Lobsang Rapgay und Joel Edelman, dem Koordinator der Konferenz, um eine sinnvolle Form für die Gespräche zu schaffen, und wenn man sich nicht persönlich treffen konnte, so telefonierte man miteinander. Man wollte Rahmenbedingungen schaffen, die das Ausloten von Fragen über den Buddhismus, die Psychologie und die Verbindung zwischen persönlichem Bewußtsein und globalen Problemen begünstigten. Um dies erreichen zu können, wurde ein Kriterienkatalog für die Gespräche aufgestellt: Sie sollten freundlich und angenehm verlaufen, trotzdem aber Herausforderungen bieten und auch vor Konfrontationen nicht zurückscheuen; sie sollten kein dreitägiges Spektakel, sondern eine kontinuierliche Diskussion sein; das Publikum sollte mit einbezogen werden und nicht bloß schweigend beobachten; und schließlich sollte ein wirklicher Meinungsaustausch stattfinden, der sich nicht darauf beschränkte, Seiner Heiligkeit Fragen vorzulegen. Außerdem sollten der Entstehungsprozeß und die Handhabung der Konferenz dem Konferenzthema entsprechen. Man beschloß, fünfunddreißig erfahrene Diskussionsleiter für kleinere Gruppen aus dem Publikum einzuladen.
Im Juli 1989, drei Monate vor der Konferenz, trafen sich mehrere Mitglieder des Organisationskomitees mit dem Dalai Lama in Santa Monica, Kalifornien. Seine Heiligkeit war begeistert von der »einzigartigen Gestaltung der Konferenz«, die »in sich die Möglichkeit für Verwandlung« berge. Er fügte hinzu, er glaube, dies werde sich »für die Teilnehmer aber eher durch ihre Teilnahme an den kleinen Gruppen ergeben als durch das öffentliche Gespräch auf dem Podium«.
Während der Konferenz fand jeden Morgen und jeden Nachmittag eine anderthalbstündige Podiumsdiskussion statt. Dann verteilten sich die beinah eintausend Besucher auf kleine Gruppen von rund fünfundzwanzig Personen, um über ihre Reaktionen, Ideen, Gedanken und Fragen zu sprechen. Anschließend versammelten sich die Leiter dieser Diskussionsgruppen und bestimmten, welche Fragen aus dem Publikum bei der nächsten Gesprächsrunde auf dem Podium behandelt werden sollten.
Dieser Austausch zwischen den kleinen Diskussionsgruppen und den Podiumsmitgliedern funktionierte erstaunlich gut. Der Dalai Lama hatte richtig vorausgesehen, daß diese Struktur alle mit einbeziehen und verändern würde. Wie Sie feststellen werden, waren die Gespräche dynamisch und inhaltsreich, und die Fragen aus dem Publikum stellten eine besondere Bereicherung dar.
An zwei Abenden nach den Gesprächen hielt Seine Heiligkeit öffentliche Vorträge zu den behandelten Themen. Sie bilden die Einführung bzw. das Nachwort dieses Buches.
Es war ein großes Vergnügen für mich, bei der Herausgabe der Gespräche mitzuwirken. Ich möchte Miles Vich, Molly Maguire Silverman, Stephen Batchelor, Pat Aiello, Mark Waldman, Surya Das, Alan Wallace, Ronald Jue, Joel Edelman und allen Teilnehmern des Podiumsgesprächs für ihre Hilfe herzlich danken.
Arnold Kotler
Berkeley, Kalifornien
April 1992