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Umgang mit Wissen. Recherchen zur Empirie des Pädagogischen
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Vorwort



Die vorliegende Studie ist das Ergebnis von zehn Jahren Projektarbeit. Im Wissenschaftsbetrieb ist eine derart kontinuierliche Zusammenarbeit im Rahmen eines Projektzusammenhangs eher die Ausnahme, die für alle Projektteilnehmer eine Herausforderung sowohl in theoretischer und empirischer als auch in sozialer Hinsicht bedeutete. In theoretischer Hinsicht lag die Herausforderung in der zunehmenden erziehungswissenschaftlichen Fokussierung des Projekts mit Blick auf eine Theorie pädagogischer Kommunikation und pädagogischen Wissens. In empirischer Hinsicht bestand die Herausforderung in der Handhabung des komplexen Untersuchungsdesigns mit seiner Vielfalt von methodischen Zugängen und Feldmaterialien. In sozialer Hinsicht schließlich erwies sich der Aufbau einer stabilen, kommunikativ geformten, nach innen wie nach außen agierenden Gruppe als besondere Herausforderung. In der wechselnden Kombination von Dauermitarbeitern und Zeitmitarbeitern, Freiwilligen und Aussteigern bildete sich über die Zeit hinweg eine spezifische Form der institutionellen Einbettung, bei der Phasen der internen Abschottung - oder überspitzt formuliert: eines projektbezogenen Autismus - und Phasen der verstärkten Kommunikation nach außen - im Rahmen von Vorträgen, Diskussionen und Veröffentlichungen - einander abwechselten. Die kontinuierliche kommunikative Bearbeitung innerhalb und außerhalb des Projektes trug so zum Aufbau eines sozialen Zusammenhangs bei, der - bis heute - weit über den engeren Projektzirkel hinausreicht.

Wollte man den inhaltlichen Ertrag des Projektes zusammenfassen, so ließe sich das Ergebnis thesenförmig wie folgt verdichten: Unsere Studie untersucht den Umgang mit Wissen in modernen Gesellschaften am Fall eines Unternehmens und eines Vereins der Sozialarbeit. Sie zeigt auf der Grundlage differenzierter Fallanalysen und theoretischer Systematisierungen, dass der Umgang mit Wissen auch jenseits der bekannten Bildungs- und Erziehungsinstitutionen in hohem Maße pädagogisch strukturiert ist und den "Regeln" pädagogischer Kommunikation folgt. Das Wissen, das dabei von den in unterschiedlicher Weise qualifizierten Akteuren eingesetzt wird, reicht vom pädagogischen Wissen im engeren Sinne bis zu einem lebensweltlich und beruflich entgrenzten Kommunikationswissen. Der Grund für diese Universalisierung des Pädagogischen liegt darin, dass es Erwachsenen in dynamischen Wissensgesellschaften mit ungewissen Zukünften in gesteigertem Maße zugemutet wird, ihr Wissen kontinuierlich zu erneuern und sich als Person zu verändern. Es wäre zu riskant, wenn solche Veränderungserwartungen in Zeiten tiefgreifender sozialer, kultureller und biographischer Umbruchprozesse dem Zufall individueller Entscheidungen überlassen würden. Was die kommunikative (pädagogische) Bearbeitung dieser Veränderungserwartungen mit Blick auf Erwachsene jedoch besonders auszeichnet, ist ihr Bestreben, die pädagogische Adressierung möglichst unsichtbar zu gestalten bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Möglichkeitshorizonts von pädagogischer Kommunikation.

Jedes empirische Forschungsprojekt lebt von der Bereitschaft vieler Menschen, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen. Dies gilt in besonderem Maße für all diejenigen Personen, die uns an ihrem beruflich-sozialen Alltag über einen langen Zeitraum haben teilnehmen lassen. Ihnen sei an dieser Stelle herzlich für ihre Offenheit und Unerschrockenheit gedankt. Gedankt sei an dieser Stelle auch dem Herz des Projektes, den Mitarbeiterinnen Axel Bohmeyer, Deike Brinkmann, Marc Dembach, Jörg Dinkelaker, Birte Egloff, Monika Fischer, Matthias Herrle, Manu Kembter, Manfred Kroschel, Regine Mohr und Alexander Scheid, die in unterschiedlichen Entwicklungsphasen mit großem Engagement und Arbeitseinsatz, mit Neugierde und Offenheit den immer ungewissen Fort- und Ausgang des Projektes wesentlich getragen und mitgesteuert haben. Auch ohne die wiederholt kritischen Anfragen, die anregenden Diskussionen und konstruktiv ermunternden Anmerkungen zahlreicher Kolleginnen und Kollegen hätte unser Projekt sicher nicht zu diesem Ende geführt. Besonders erwähnen möchten wir Rainer Brodel, Klaus Harney, Christiane Hof, Sylvia Kade, Edwin Keiner, Fritz-Ulrich Kolbe, Harm Kuper, Christian Lüders, Wolfgang Meseth, Gerd Mutz, Dieter Nittel, Sigrid Nolda, Matthias Proske, Frank-Olaf Radtke, Dirk Rustemeyer, Sylvia Rahn, Burkhard Schäffer, Susanne Weber und Jürgen Wittpoth, die auf verschiedenen Kolloquien aus ihren eigenen Arbeitszusammenhängen heraus das Projekt kritischer Erörterung unterzogen und uns konstruktive Anregungen mit auf den Weg gegeben haben. Danken möchten wir auch Barbara Budrich und Susanne Rosenkranz, die uns bei der Bearbeitung der Studie für die Veröffentlichung noch einmal mit wertvollen Ratschlägen zur Seite standen. Dass die Studie schließlich unter großem Zeitdruck eine druckfähige Form bekommen hat, dafür gilt unser besonderer Dank Ilonca Merte und Evelyn Stettner. Und nicht zuletzt geht unser Dank an die Deutsche Forschungsgemeinschaft und ihren Gutachtern, die mit ihren positiven Voten das Projekt in dieser Form und über einen längeren Zeitraum erst ermöglicht haben.


Frankfurt am Main, im Juli 2006


Jochen Kade
Wolfgang Seitter




 
   


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