Ein persönliches Vorwort
Die aufrüttelnden Berichte über die weltweiten Ungerechtigkeiten, menschliches Elend und zunehmende Umweltvernichtung im Zuge der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 waren der Auslöser meines Engagements für nachhaltige Entwicklungen; die Hälfte der seitdem vergangenen Zeit, also die letzten acht Jahre im Rahmen des Instituts für Umwelt - Friede - Entwicklung (IUFE). Als (Öko)Sozialwirtin lernt man, möglichst in Zusammenhängen zu denken; Grundlage ist ein tieferes Wissenschaftsverständnis: rationale Analyse mit Emotionen verbinden und verantwortlich Handeln. Gerade auch durch die Arbeit am IUFE, an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik versteht sich meine Hinführung als politisches Plädoyer, zumal die vorliegende Publikation in einer von Krisen geprägten Zeit erscheint, die das Scheitern des herrschenden (Land-)Wirtschaftssystems offenbart, unter dessen Wachstumsdogma die negativen ökologischen, kulturellen, sozioökonomischen und gesundheitlichen Auswirkungen vernachlässigt wurden und werden. Da in der Landwirtschaft, der Grundlage jeder Gesellschaft, die Konsequenzen dieser nicht nachhaltigen Entwicklungen besonders drastisch sind, hat das IUFE seinen Fokus zunehmend auf diesen Themenkomplex gerichtet.
Die industrielle Landwirtschaft basiert auf dem Mythos, mehr und billiger zu produzieren. Die Zusammenhänge zwischen Produktionsmethode, Umwelt-, Produkt- und Lebensqualität bzw. Existenzbedrohung werden ignoriert und die wahren Kosten verschleiert. Unter Einsatz enormer Mengen an Wasser, fossiler Energieträger und giftiger Chemikalien werden die lebenserhaltenden Ökosysteme zerstört. Der gewalttätige Zugang spiegelt sich auch in der intensiven Massentierhaltung wider. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) macht auf prekäre Arbeitsbedingungen insbesondere der Landarbeiter/innen aufmerksam. Die subventionierten Exporte der europäischen und US-amerikanischen Überschussproduktion zerstören seit Jahrzehnten die lokale Wirtschaft, kleinbäuerlichen Strukturen und damit den Lebensunterhalt der Menschen in den Ländern der südlichen Hemisphäre. Die strukturellen Ursachen von Hunger werden kaum angegangen, stattdessen wird eine Lösung des "Welthungerproblems" durch Produktionssteigerungen mittels einer neuen Grünen Revolution und Gentechnik versprochen.
Dies ist nicht nur keine zukunftsfähige Option, wie zahlreiche internationale Studien bestätigen - umweltzerstörende Inputs und Risikotechnologien sind unnötig. Seit Jahrtausenden konnten die Bäuerinnen und Bauern ihre Erträge kontinuierlich steigern, in dem sie im Einklang mit der Natur und nicht gegen sie arbeiteten. In Verbindung mit dem heutigen Kenntnisstand, beispielsweise hinsichtlich der Bedeutung der Bodenfruchtbarkeit, ist die biologische Landwirtschaft - in vielfältigsten Ausprägungen im jeweiligen spezifischen Kontext - ein Weg, wie sich die Weltbevölkerung gesund ernähren kann. Zudem kann die biologische Landwirtschaft sowohl einen Beitrag zur Entschärfung des Klimawandels als auch zu vielen weiteren positiven Entwicklungen, etwa hinsichtlich kultureller und biologischer Vielfalt, Selbstbestimmung und Problemlösungskapazität, leisten.
"Die Zukunft der Landwirtschaft ist biologisch! " präsentiert eine alternative, systemische Weltanschauung und plädiert für eine tiefgreifende, nachhaltige Veränderung unseres Bewusstseins und Verhaltens. Zentral sind dabei die Beachtung der Menschenrechte, Empowerment und Kooperation als auch ein anderer, respektvoller Umgang mit der Natur, unserer Mitwelt.
Nun soll hier weder eine neue Ideologie verbreitet werden, noch den konventionellen Bauern und Bäuerinnen der "schwarze Peter" zugeschoben werden. Vielmehr ist dies ein Angebot zum Dialog, der über die häufig emotional und eindimensional geführte, auf mangelnden bzw. falschen Informationen beruhende Diskussion hinausgeht. Durch die Erörterung des Potentials biologischer Landwirtschaft über den Produktionsaspekt hinaus, inklusive einer nüchternen Betrachtung der Schwierigkeiten und Hemmnisse in der Umsetzung, will dieses Buch den (potentiellen) Biobäuerinnen und -bauern und anderen systemischen Denker/innen und Engagierten in Sachen Nachhaltigkeit Mut machen, ihren Weg (weiter) zu gehen und ihre alternativen, zukunftsfähigen Ansätze zu leben.
Freilich konnten in der vorliegenden Publikation nicht alle Aspekte erschöpfend behandelt werden, viele wichtige Fragestellungen, etwa zu den Agrartreibstoffen, der Landfrage oder den Geschlechterverhältnissen wurden nur unbefriedigend angerissen; möge dies einen Impuls zur vertieften Auseinandersetzung liefern.
Danksagung
Zuallererst möchte ich mich bei allen Autor/innen für Ihre Beiträge bedanken - die Erstellung dieses Buches hat mir, bei aller Kraftanstrengung, große Freude bereitet! Die Publikation bietet u.a. eine Nachlese zu den Veranstaltungen des Instituts für Umwelt - Friede - Entwicklung, die wir 2008 in Kooperation mit ÖBV-Via Campesina Austria, FIAN, der KOO, BioAustria sowie Slow Food Linz und mit Unterstützung der Politischen Akademie durchgeführt haben und die durch unsere Fördergeber, das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten/OEZA und das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, ermöglicht wurden - ihnen sei an dieser Stelle gedankt; ebenso dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung für seinen finanziellen Beitrag zur Umsetzung dieses Buchprojekts. Dank gebührt auch dem Vorstandsvorsitzenden unseres Institutes, Franz Glaser, der die offene, kritische Auseinandersetzung mit politisch "heiklen Themen" am Institut mitträgt. Sehr dankbar bin ich Florian Huber für seine tatkräftige Unterstützung, insbesondere beim Redigieren der Texte und Transkribieren des Interviews mit Vandana Shiva. Nicht zuletzt möchte ich auch dem Barbara Budrich Verlag für die gute Zusammenarbeit danken.
Der Rückhalt in meiner Familie, mein Liebster Philipp sowie die Ermunterung von Freunden und die Zusammenarbeit mit "Gleichgesinnten" geben mir immer wieder die nötige Energie, auch bei Gegenwind weiter zu machen - herzlichen Dank für Eure Unterstützung!
Abschließend möchte ich mich besonders bei den Biobauern Franziska und Sepp Ortner bedanken. Das Praktikum am Schaberlhof im Sommer 2007 zählt für mich neben meinen Aufenthalten in fremden Kulturen zu den wertvollsten, persönlichkeitsbildenden Lebenserfahrungen.
Ihnen liebe Leserin, lieber Leser sei nun eine interessante Lektüre gewünscht. Petra C. Gruber