Vorwort
Als einer der durchaus vorhandenen positiven Aspekte der viel gescholtenen Globalisierung fanden in den letzen Jahrzehnten auch immer mehr bis dahin bei uns unbekannte Kleinsäuger den Weg in unsere Gehege. Nur wenige von ihnen werden wohl eine ähnliche Heimtierkarriere starten wie früher einmal die (Haus-)Meerschweinchen (Cavia porcellus) oder im letzten Jahrhundert der Goldhamster (Mesocricetus auratus). Dennoch haben schon einige Arten bewiesen, dass hier noch ungeahnte Möglichkeiten schlummern. Als Beispiele mögen hier nur die Bestandsentwicklungen der verschiedenen Zwerghamsterarten (Cricetulus und Phodopus) und der Mongolischen Rennmaus (Meriones unguiculatus) in menschlicher Obhut dienen. Auch einem der interessantesten Neuzugänge der letzten Zeit, dem Kurzkopf-Gleitbeutler (Petaurus breviceps), wäre theoretisch eine ähnliche Heimtierkarriere möglich. In anderen Ländern, wie zum Beispiel den USA, sind sie auch schon länger bekannt als in Europa oder speziell im in mancher Hinsicht doch etwas konservativen Deutschland. Im englischen Sprachraum wird dieses Tier wegen seiner besonderen Vorliebe für süße Nahrung als "Sugar Glider" oder einfach als "Glider" bezeichnet. Manchmal nennt man sie dort wegen ihrer Zugehörigkeit zu den Beuteltieren auch "Possums". Sie stellen zwar etwas höhere, aber durchaus erfüllbare Ansprüche an die Pflege als die oben genannten Nagetiere. Doch gerade das macht sie für den engagierten und informierten Halter so reizvoll.
Dieses Büchlein soll dazu dienen, grundlegende Informationen zu ihrer Lebensweise und artgerechten Haltung zu vermitteln. Darunter sind auch meine eigenen Erfahrungen aus mittlerweile über zehn Jahren Haltung und Zucht - oder besser gesagt: der gezielten Vermehrung - der Gleitbeutler. Die Arbeit an diesem Buch ist für mich persönlich nämlich sozusagen ein kleines Jubiläum: Den Stammbestand meiner Tiere erhielt ich im Oktober 1995 aus dem "Randers Regnskov", einem Regenwaldzoo in Dänemark. Dazu kam dann 2002 ein unverwandtes junges Weibchen aus dem Besitz von Christian Ehrlich, dem damaligen Chefredakteur der RODENTIA. Während dieser gesamten Zeit gaben mir die Gleitbeutler die Möglichkeit zu vielen interessanten Beobachtungen. Immer wieder spielten sich viele lustige, nur in einigen wenigen Fällen nervenaufreibende Situationen ab. Ich will aber nicht verschweigen, dass es auch Rückschläge gab, die bei ausreichender Information vielleicht hätten vermieden werden können.
Peter Puschmann,
Senden, im Sommer 2008