Vorwort
Nonfiction schreiben ist in den U.S.A. erstmals vor zwanzig Jahren erschienen. Von allen Briefen und Anrufen, die ich seither von Lesern des Buches bekommen habe, ist mir einer besonders in Erinnerung geblieben. Der Anruf kam 1989 von Tom Mclltrot, einem Schildermaler aus Fort Myers in Florida, der mir erzählte, dass er mit seinen Brüdern eine Schildermalerei betreibe und angefangen habe, ein Magazin namens Sign-Craft herauszugeben, weil es »einfach keine Informationsquellen für Schildermaler« gab.
Dazu angeregt hatte ihn eine Zeitschrift, die Der Banjo Newsletter hieß. »Meine Brüder und ich machen alle Bluegrass-Musik«, erzählte er, »und dieser Newsletter von einem Mann, der Hub Nitchie heißt, war in einem sehr persönlichen Stil geschrieben. Die meisten Fachblätter sind voller Branchenjargon und begnügen sich mit der Beschreibung neuer Produkte. Hubs Zeitschrift richtete sich an Menschen. Wenn man seine Interviews las, hatte man das Gefühl, man unterhielte sich mit jemandem draußen auf der Veranda. Die Fragen, die er den Banjospielern stellte, hätten auch von jemandem kommen können, der gerade Banjospielen lernt. Es machte Spaß, das zu lesen. So wollte ich Sign-Craft auch aufziehen. Ich wollte Leben in den Artikeln haben. Aber ich war nie auf einer Uni gewesen und hatte keine Ahnung, was einen guten Text gut macht. Also ging ich mit meinem Problem zu Mona Ives, der der Buchladen hier gehört, und sie erzählte mir von Nonfiction schreiben. Sie sagte: >Nimm's mit nach Hause, lies es und lern's auswendig.< Das Buch war meine Uni und mein Schreibseminar.«
Tom Mclltrot und ich sind seither in Kontakt geblieben, und ich verfolge auch die Entwicklung von Sign-Craft. Ich kaufe es an meinem Zeitungskiosk in New York und schaue zu, wie es immer weiter wächst. Die lebendigen Artikel und Bilder geben mir Einblick in die Welt der Werbeschilder, die überall unsere Straßen säumen, und es macht mir Freude, mehr über diese Welt zu erfahren. Letztens habe ich Tom angerufen, um ihn zu fragen, wie seine Zeitschrift läuft. Er erzählte mir, dass ihre Auflage jetzt bei 20 000 liegt und dass sie in 82 Ländern gelesen wird. Ich fragte ihn, ob er sich noch erinnern könne, warum er mich damals angerufen hatte. Er sagte: »Die Beispiele für gutes Schreiben, die du in deinem Buch anführst, kommen aus den verschiedensten Bereichen. Aber ich habe den roten Faden gesehen, der sich durch alle Texte zog. In jedem erschien die Persönlichkeit und die Wärme des Autors. Und ich rief an, um dich zu fragen, was ich sonst noch lesen könnte.«
Ich möchte nicht die Lorbeeren für Toms Erfolg ernten. Nonfiction schreiben hat ihm lediglich das Gefühl vermittelt: »Ja, es ist vielleicht machbar. Mein Traum muss kein Traum bleiben.« Aber in Toms Geschichte steckt die Kernaussage meines ganzen Buches: dass es für einen Schildermaler ebenso wichtig ist, auf seinem Gebiet gut zu schreiben, wie für einen Berufsschriftsteller, der Bücher oder für Magazine und Tageszeitungen schreibt. Und ebenso lohnend. Viele, die mir schreiben, berichten erfreut von dieser unerwarteten Zugabe.
Wenn mein Buch also inzwischen ein Eigenleben führt, in die Welt hinaus geht und Freundschaften knüpft, liegt das wohl daran, dass es sich nicht nur an Berufsschriftsteller richtet. Es ist ein Buch für jeden, der lernen möchte, wie man gut schreibt, oder der hin und wieder - wie fast jeder von uns - in seinem Alltag etwas schreiben muss. Mit der Fähigkeit zu schreiben wird man nicht geboren, wie mit einem Talent für Musik oder Malerei. Schreiben heißt, jemand anderem auf Papier etwas zu sagen. Wenn Sie klar denken können, dann können Sie das, was Sie denken und wissen, auch in geschriebene Worte fassen.
Dieses Buch entwickelte sich aus einem Nonfiction-Kurs, den ich in den 70er Jahren in Yale ins Leben gerufen hatte. Ich hatte damals bereits dreizehn Jahre als Autor und Redakteur bei der New York Herald Tribüne und viele weitere Jahre als freier Autor von Nonfiction-Artikeln und Sachbüchern hinter mir. Ich sprach also aus Erfahrung. Seither habe ich Nonfiction schreiben viermal überarbeitet, um es auf den neuesten Stand zu bringen. Jeder Ausgabe habe ich das hinzugefügt, was ich inzwischen noch dazugelernt hatte und wovon ich dachte, dass es auch für andere Autoren nützlich sein könnte.
Ich will Ihnen hier weder gute Nonfiction noch guten Journalismus beibringen. Es geht mir um die gute Sprache. Und die kann man zu jedem Zweck gebrauchen. Glauben Sie nicht, dass jemand, der seine Sprache nicht beherrscht, trotzdem gute Geschäftskorrespondenz, gute technische Abhandlungen, gute Reiseberichte, guten Journalismus oder gute Sachbücher schreiben kann. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Guter Sprachgebrauch ist Ihr Passierschein zu allen Zielen, die Sie beim Schreiben, im Job und im sonstigen Leben verfolgen. Die Autoren, die ich in diesem Buch zitiert habe, unterscheiden sich stark im Wesen und im Stil. Aber sie alle beherrschen ihre Sprache gut. Und Sie können das auch.
William Zinsser