Vorwort
Jede Person hat mindestens zwei Seiten ihrer Lebensgeschichte. Die eine, die offizielle, die alle kennen, ist durch Schulzeugnisse, Universitätsabschlüsse, Heirats-, eventuell Scheidungsurkunde und Stempel im Pass bekannt. Die andere summiert sich aus den Ereignissen, die sie als Kind und als Erwachsene erlebte, und die dazu führen, dass sie auf eine bestimmte Weise denkt, fühlt und handelt.
Als ich mich am Ende meines letzten Schuljahres entscheiden musste, für welches Fach ich mich an der Universität Kapstadt einschreiben wollte, stand ich zwischen Psychologie und Englischer Literatur. Schließlich habe ich mich für Literatur entschieden, weil damals das Psychologie-Studium mehr mit Tierversuchen und Statistiken zu tun hatte als mit menschlichen Beziehungen und ich vermutete, mehr über das menschliche Wesen von den großen Literaten lernen zu können als im Labor. Als zweites Hauptfach wählte ich Drama, eine Kombination aus Theaterwissenschaft und praktischer Theaterkunst. Das Interesse an der menschlichen Psyche und wie sie sich in der Kommunikation mit anderen Menschen äußert, sowie die Möglichkeit, in andere Rollen zu schlüpfen, hat mich mein ganzes Leben begleitet.
1971 in London angekommen, arbeitete ich eine Zeitlang als so genannte "Drama-Therapeutin". Damals war dieser Beruf ganz neu und noch nicht anerkannt. Sue Jennings, jetzt eine Koryphäe auf diesem Gebiet, hat eine Ausbildung angeboten, an der ich mit Begeisterung teilnahm, um kurz danach mein erobertes "Wissen" in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen auszuprobieren! Damals schon hat es mich fasziniert, wie man durch künstlerische Übungen Emotionen wecken kann, und zwar so, dass man sich dadurch psychisch stärker und selbstbewusster fühlt.
Die 1970er Jahre in London waren die Zeit der "Encounter Groups", in denen Hunderte junger Menschen unter der Leitung frisch gebackener, selbst ernannter "Therapeutinnen" schrien, schimpften und über den täglichen Frust ihres Daseins weinten. Obwohl ich eine Zeitlang in dieser Bewegung leidenschaftlich mitmachte, hat mich der ernste Ansatz von Anfang an gestört. Es muss doch einen Weg geben, zu Selbsterkenntnissen zu kommen, ohne sich so todernst zu nehmen, dachte ich! Diese Frage bewegt mich bis heute: Wie kann ich Kenntnisse über mich selbst und über Kommunikationsprozesse erwerben und vertiefen, und dabei lachen statt weinen?
Ich habe immer viel mit Rollenspielen und anderen künstlerischen Übungen gearbeitet. Der Wendepunkt kam aber 1998, als ich Keith Johnstone kennen lernte. Die Arbeit mit ihm im Improvisationstheater hat zu einer rasanten Entwicklung in meiner Arbeit geführt. Durch spontane, aber geregelte Improvisations-Übungen lernen wir, Hemmungen und Ängsten zu überwinden, damit die Kreativität in Fluss kommt. Durch diese Übungen können wir unsere Emotionen so intensiv ausdrücken, dass sie klar, ehrlich und gleichzeitig absolut unpathetisch sind. Die philosophischen Ansichten, die dahinterstehen, - nicht immer versuchen, perfekt zu sein, sich aufeinander verlassen, Handlungen bejahen, weil man sonst blockiert ist, - sind eine Bereicherung für jede menschliche Kommunikation, sowohl im Berufsleben, als auch in unseren persönlichen Begegnungen. In den letzten zehn Jahren habe ich Übungen und Spiele entwickelt, die die Aneignung von Wissen über Kommunikationsprozesse einfacher und spaßiger machen. Ich habe diese Spiele in zahlreichen Seminaren benutzt, die unter dem Begriff "Kommunikationstraining" laufen und ein breites Spektrum behandeln: Telefontraining, Verkaufstraining, Teambildung und Motivation sowie Train-the-Trainer und Schulung von Führungskräften. Für jedes Thema (z. B. Wahrnehmung, Körpersprache, Status usw.) wähle ich Spiele aus oder erfinde neue, welche die Kenntnisse über dieses Thema erweitern. So ist im Laufe der Jahre eine Sammlung entstanden, die Trainerinnen, Projektleiterinnen und Firmenleiterinnen darin unterstützen, Menschen zu Kreativität und harmonischer Kommunikation zu verhelfen.
Dankeschön
Wie immer, wenn jemand ein Buch schreibt, gibt es mehrere Menschen, die mitbeteiligt sind und ohne die das Fertigstellen nicht möglich gewesen wäre. An erster Stelle steht auf jeden Fall mein Lebensgefährte Herbert Stumpfl, dessen Fingerspitzengefühl für Sprache, tiefgehendes psychologisches Wissen und Geduld, mir den Mut gaben, diese Sammlung zu schreiben und zu veröffentlichen. Ich danke auch meinem Freund Franz Hautzinger und meinem Sohn Andy für ihre künstlerischen Inspirationen und den selbstverständlichen Glauben in meine Fähigkeiten; meinen Trainer-Kolleginnen Ingrid-Mylena Kösten, Christina Bauer-Jelinek und Petra Luckey-Schär für ihren Rat und ihre Anregungen, sowie meinem langjährigen, sehr talentierten Bühnenpartner Guy Barriere für seine ständige Unterstützung. Ich stehe auch meinen zwei Lektorinnen Sylvia Zotl und Barbro Garenfeld gegenüber in Schuld, der ersten für ihre mühsame Korrektur und Umformulierung meines "verenglischten Deutsch", der zweiten für ihre Begeisterung und ihre Überzeugung, dass wir zusammen einen wertvollen Beitrag zum Trainingsmarkt leisten werden.
Und nicht zuletzt danke ich den Tausenden Menschen, die an meinen Seminaren und Auftritten teilgenommen haben und mir genug Vertrauen schenkten, um die Übungen mitzumachen.