Vorwort
Oft wird sie angeprangert, die fehlende Qualität beim journalistischen Fernsehen. Langweilig, unverständlich und immer das Gleiche. So lauten häufig die Vorwürfe. Und in der Tat: Bei unseren Recherchen für dieses Buch stießen wir neben vielen guten Beiträgen auch immer wieder auf Beispiele, die den Kritikern Recht geben. Dabei geht es nicht nur um die Inhalte, sondern auch um die Art und Weise, wie sie den Zuschauern präsentiert werden. Dabei spielt eine Gestaltungsebene des Berichtens fürs Fernsehen eine entscheidende Rolle: Der Text.
Verworrene Sätze, Ausdrücke, die nur Fachleute verstehen oder Text- und Bildaussagen, die auseinanderklaffen: Das sind nur einige Belege für formal schlechten Fernsehjournalismus, der uns in vielen TV-Texten immer wieder begegnete. Oft stießen wir auf journalistische Stilformen, die für das Fernsehen nicht geeignet sind. Zu lange Sätze etwa erschweren das Verstehen von Fernsehbeiträgen, auch wenn sie in Zeitungsartikeln durchaus üblich sind. Immer wieder trafen wir zudem auf die Sprache des Radios, die Vorgänge und Ereignisse exakt beschreibt und deshalb für das Bildmedium Fernsehen nur bedingt brauchbar ist. Plattitüden, Klischees oder ausgetretene Wendungen wie - »im Vorfeld wurde abgeklärt« oder - »in Zukunft bleibt zu hoffen« - kamen oft hinzu. Auch das mangelhafte Zusammenspiel von Text und Bild erwies sich häufig als problematisch: »Hinzu kommt, dass Fernsehen halt wesentlich mit Sehen zu tun hat und die Bilder, die es da zu sehen gibt, in ständiger Konkurrenz zum Wort stehen. Sind es starke Bilder, so lösen sie Emotionen beim Betrachter aus und übertönen die Wortbotschaft so laut, bis sie kaum noch zu vernehmen ist. Sind es, wie oft, Verlegenheitsbilder, so lenken sie immerhin vom Wort ab, indem sie dem Betrachter das Kunststück abverlangen, sich alle paar Sekunden auf einen neuen Raum, auf einen neuen Menschen, auf eine neue Szene einstellen zu müssen, während ihm zusätzlich Worte ins Ohr tropfen.«1
Um die Verständlichkeit von Fernsehbeiträgen steht es schlecht. Das belegen mehrere Untersuchungen in der Medienwirkungsforschung. Selbst ausgewählte Probanden konnten in wissenschaftlichen Tests nur selten mehr als zehn Prozent der Inhalte einer Nachrichtensendung behalten.2 Auch Peter Sicking kommt in seiner Studie »Leben ohne Fernsehen«, in der er die Motive von Fernsehverweigerern untersuchte, zu einem Ergebnis, das die Qualität der Berichterstattung infrage stellt: »Bei den weiteren Gründen für eine Ablehnung für die fernsehlose Lebensgestaltung der aktiven Nichtseher steht die überaus kritische Bewertung des Fernsehprogramms an erster Stelle. Sowohl die Machart des Fernsehprogramms als auch die inhaltlichen Programmangebote werden durchgehend als minderwertig empfunden.«3
Wir glauben, dass die schlechte Verständlichkeit von Fernsehbeiträgen nicht den Zuschauern angelastet werden kann. Die Ursache ist zumeist in den oben genannten Gründen zu suchen. Es gilt, Fernsehbeiträge so verständlich wie möglich zu machen, ohne dass sie dabei an Attraktivität oder Spannung verlieren.
»Texten für TV« hat sich als zeitloses Buch erwiesen. Zugunsten einer leichten Lesbarkeit verzichten wir auf detaillierte Literaturverweise im Text. Nicht nachgewiesene Zitate stammen aus Gesprächen, die wir mit Reportern und Filmemachern führten.
Das Buch enthält Tipps für die Praxis und macht Vorschläge zum verständlichen Texten. Einen wissenschaftlichen Anspruch erhebt es nicht. Im zweiten Teil geben wir spezielle Empfehlungen für die verschiedenen Fernsehgenres. Die Beispiele basieren auf leicht veränderten Originaltexten. Autoren und Sendedaten geben wir nicht an. Es kommt uns nicht darauf an, die Urheber der Beiträge hervorzuheben oder zu diskreditieren. Wir leiten aus den Beispielen lediglich unsere Vorschläge ab.
Wir danken Joachim Filliés, Hans-Dieter Grabe, Halim Hosny, Harald Jung, Christian Kirsch, Klaus M. Klose, Jens Monath, Ulli Rothaus, Rüdiger Steiner und Bodo Witzke.
Frankfurt/M. und Mainz, Martin Ordolff
Januar 2009 Stefan Wachtel