Vorwort
Die Sprache ist die Mutter, nicht die Magd des Gedankens.
Karl Kraus
Haben Sie sich heute schon selbst zugehört?
Zugegeben, eine etwas ungewöhnliche Übung, aber sehr lohnend. Und wenn Sie gerade dabei sind, hören Sie auch gleich einigen Männern zu, am besten am Arbeitsplatz. Der Unterschied springt förmlich ins Ohr: Frauen reden anders als Männer. Sie werden jetzt sagen: Das ist doch klar! Mag sein, aber die bitteren Folgen sind uns leider nicht ganz so klar.
Wir alle wissen, dass Männer anders reden - immerhin regen wir uns fast täglich über diverse Macho-Sprüche, verbale Muskelspielchen, das typische mangelnde männliche Verständnis und das Sprachimponiergehabe vieler Männer auf. Gleichzeitig wissen wir nur zu gut, dass Frauen für dieselbe Arbeit immer noch deutlich weniger Gehalt, weniger Anerkennung, Unterstützung, Aufstiegschancen und Privilegien bekommen. Aber: Wir setzen beide Phänomene meist nicht in den direkten Zusammenhang. Wir tun so, als ob beide nicht wirklich etwas miteinander zu tun hätten. Dabei ist der Zusammenhang klar wie Kloßbrühe: Das eine ist die Ursache des anderen. Frauen sprechen anders als Männer - deshalb haben sie es schwerer in Beruf und Gesellschaft (und nicht selten sogar in der Beziehung). Eben weil Frauen eine andere Sprache sprechen, bekommen sie nicht die Anerkennung und das Gehalt, das sie verdient haben und das ihnen zusteht. Frauen reden sich beruflich täglich, wenn auch unbewusst, um Kopf und Kragen. Wenn beispielsweise der Toner vom Kopierer leer ist, sagt der Abteilungsleiter: "Meier, füllen Sie endlich das verdammte Ding nach!" Die Abteilungsleiterin dagegen sagt: "Beim Kopierer sollte gelegentlich mal jemand den Toner auffüllen." Und nun raten Sie mal, auf welche Bitte hin der Toner (schneller) nachgefüllt wird, wer bei der Geschäftsführung im Ruf steht, seine Abteilung "voll im Griff" zu haben, und deshalb eher befördert wird, welche der beiden Führungskräfte manchmal das Gefühl hat, sich nicht durchsetzen zu können, und wer von beiden Probleme hat, von seinen Mitarbeitern vorbehaltlos als Vorgesetzter anerkannt zu werden. Eine rhetorische Frage? Buchstäblich. Die weibliche Rhetorik - und nicht so sehr die bösen Männer! - hält Frauen im Beruf und anderswo davon ab, das zu bekommen, was ihnen zusteht. Frauen sabotieren sich mit ihrem typisch weiblichen Sprachstil selbst - oft besser, als das selbst der schlimmste Chauvi könnte. Heißt das, dass Sie ab sofort so grob, direkt und aggressiv reden müssen wie ein Kerl, um es zu was zu bringen? Das ist leider die verführerischste Schlussfolgerung, der Frauen im Beruf auf den Leim gehen. Zwar gibt es Frauen, die Sprüche klopfen wie ein Mann. Wem das liegt - nur zu! Doch die meisten Frauen möchten sich nicht derart verbiegen, sich und anderen Sprachgewalt antun. Und Sie brauchen das auch gar nicht: Es gibt eine Rhetorik, die weiblich und trotzdem - nein, gerade deshalb - durchsetzungsstark, authentisch und beziehungsfreundlich ist. Diese Rhetorik entdecken und erwerben Sie auf den folgenden Seiten. Die angenehmen Auswirkungen werden Sie sofort spüren: Oft genügen schon wenige veränderte Worte, um sich durchzusetzen, um endlich das zu bekommen, was Sie sich wünschen und was Ihnen zusteht, und trotzdem - nein, gerade deshalb - von allen gemocht und respektiert zu werden. Denn frau muss nicht grob werden, um sich durchzusetzen. Wer rhetorisch beschlagen ist, kann auf Grobheiten gut und gerne verzichten. Gute weibliche Rhetorik ist sanft und wirkungsvoll zugleich.
Die Sprache ist die Mutter des Erfolgs. Sind Sie bereit für Mutterfreuden?