VORWORT
Kaum ein anderes Land der Welt kann von sich behaupten, so viele verschiedene Sprachen zu beheimaten, wie Indien. Über 400 Sprachen werden in Indien gesprochen, die zu vier verschiedenen Sprachfamilien gehören. 18 Sprachen, darunter indoarische, dravidische und eine tibetoburmanische, sind als Amtssprachen anerkannt. Sie werden mit unterschiedlichen Schriften geschrieben, die auf einen gemeinsamen Ahn, die Brāhmī, zurückzuführen sind. Der vorliegende Band will dem Leser dabei helfen, die Schriften der indoarischen Sprachen Gujarātī, Pañjābī, Bengālī und Oriā lesen und schreiben zu lernen. Der erste Teil der "Einführung in die indischen Schriften" war der Devanāgarī gewidmet, in der das altindische Sanskrit, die Landessprache Hindī und die offiziellen Regionalsprachen Marāthī und Nepālī geschrieben werden. Im zweiten Teil werden nun die Schriften Gujarātī für die gleichnamige Sprache, Gurmukhī für die Sprache Pañjābī, Bengālī für die Sprachen Bengālī und Assamesisch und Oriā für die ebenfalls gleichnamige Sprache vorgestellt. Somit sind alle nordindischen Schriften behandelt, die auf die Brāhmī zurückgehen.
Jede Schrift wird in einem eigenen Kapitel behandelt, wobei die Kapitel nach dem gleichen Schema angelegt sind: Zunächst wird das gesamte Inventar der Schrift dargestellt. Im anschließenden Teil wird jedes Zeichen vorgeführt mit seiner Lautschrift und Transliteration, bevor die Schreibanleitung mit Hinweisen zur Aussprache folgt. Pfeile zeigen die Federführung, außerdem ist jedes Zeichen in seine Bestandteile zerlegt, um die Strichfolge zu verdeutlichen. Die nachfolgenden Wortbeispiele sollen im Lesen der Zeichen üben. Anfangs ist es dem Leser möglich, die eben erlernten Zeichen in einem Wort nur wiederzuerkennen, nicht jedoch das ganze Wort zu lesen, weil er noch nicht genügend Zeichen kennt. Die Beispiele sind aber so gewählt, daß die Worte schon nach wenigen vorgestellten Zeichen möglichst nur aus solchen bestehen, die zuvor auch behandelt wurden.
Die Schriften Gujarātī, Bengālī und Oriā benutzen Ligaturen, die dem Leser zunächst Schwierigkeiten bereiten können. Wenn er jedoch die einzelnen Zeichen lesen kann, wird er bald in der Lage sein, auch die meisten Ligaturen in ihre Bestandteile zu zerlegen. Weil einige Zeichen in einer Ligatur ihre Form verändern (dies gilt vor allem für die Bengālī und Oriā), ist es wichtig, daß der Lernende die Liste der Ligaturen durchsieht, und sich die einprägt, die er nur schwer erkennen kann.
Nach der Schreibanleitung jeder Schrift schließlich sind ihre Zeichen auf Hilfslinien dargestellt, so daß der Übende eine zusätzliche Hilfe dafür hat, auf welcher Höhe er die Striche führen muß.
Eine Übersicht aller Zeichen jeder Schrift finden sich am Ende des Bandes.