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Englands Krieg gegen Deutschland
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Vorwort des Herausgebers

Die Epoche der Belastungsliteratur geht offensichtlich ihrem Ende entgegen. Ihr Ziel, das deutsche Volk vor allen Völkern zum Sühnevolk der Weltgeschichte zu erniedrigen, hat sie nicht erreicht. Da aber die von den ehemaligen Feindmächten favorisierte deutsche Opposition in der Nachkriegszeit den Siegermächten nicht nur keinen Widerstand entgegensetzte, sondern mit ihnen in Schuld- und Sühnefragen übereinstimmte, hat Deutschland nach den schwer Opfern eines sechsjährigen Krieges auch noch den Ausfall einer ganzen von der deutschen Alleinschuld und Sühneverpflichtung überzeugten Generation als Nachkriegsopfer zu beklagen.

Die Schuld- und Sühnepropaganda hat ihr Ziel nicht nur nicht erreicht, sie hat vielmehr das Gegenteil bewirkt. Nach einer Zeit lässiger Skepsis bei Freund und Feind wuchs eine tiefwurzelnde Sehnsucht nach Wahrheit und Gerechtigkeit heran. Ein geradezu leidenschaftlicher Wille zur Wahrheit und Gerechtigkeit hat sich zuerst in der westlichen Welt geregt. Erst von da aus griff er gleichsam im Sinne einer stillen Wiedergutmachung am deutschen Volk auch auf dieses selbst über. Waren doch inzwischen die zahlreichen Fehlgriffe der psychologischen Kriegführung in ihren Maßnahmen gegen das deutsche Volk allzu deutlich zutagegetreten. Statt mit immer neuen Propaganda-Ideen Erfolge zu erzielen, bediente man sich einer plumpen Wiederholungsmechanik und wirklichkeitsfremder Übertreibungen, die namentlich den wissenschaftlich und politisch Geschulten als schlecht verhüllte und tatsachenwidrige Zweckpropaganda auffallen mußten. Auf diese Weise konnte selbst der mit den Methoden der psychologischen Kriegführung weniger Vertraute alsbald erkennen, daß die bedingungslose Verteufelung des Besiegten ohne Rücksicht auf dessen tatsächliche Qualitäten durch die Entwicklung selbst widerlegt und damit der Hetz- und Lügenpropaganda das Fundament entzogen worden war.

Die Lehre aus der seitens der psychologischen Kriegführung angewandten Diffamierungsmethodik ist daher folgende: Die strategische Lüge kann sich nur so lange behaupten, wie sie nicht durchschaut ist. Setzt man ihr die wissenschaftlich erarbeitete historische Wahrheit und das Verlangen nach Gerechtigkeit entschlossen entgegen, so ist sie demaskiert und verläßt mit unflätigen Schimpfreden wie ein aus dem Konzept geratener Schauspieler die Bühne, nicht ohne ein zischendes Publikum zu hinterlassen.

Das Institut für deutsche Nachkriegsgeschichte in Tübingen sieht angesichts dieser Situation seine Aufgabe darin, der mit allen Mitteln der Diffamierungstechnik arbeitenden Belastungsliteratur eine wissenschaftlich erarbeitete Entlastungsliteratur entgegenzusetzen. Die Mitarbeiter dieses Instituts sind zum größten Teil ausländische Forscher und nur zu einem geringen Teil deutsche Historiker. Das hat seinen Grund darin, daß in den Ländern der westlichen Welt von Jahr zu Jahr die Einsicht wächst, daß der Zweite Weltkrieg die schwierigen Probleme der westlichen Völker nicht nur keineswegs gelöst, sondern sogar noch um das nahezu unlösbar gewordene deutsche Problem vermehrt hat. So kommt es, daß die wissenschaftliche Wahrheitsforschung als die einzige legale Gegenwehr dem Besiegten geblieben, aber auch zum einzigen Weg der Siegermächte geworden ist, um aus dem Besiegten für den Ernstfall einen zuverlässigen Verbündeten zu machen.

Daß nicht Schuldbewußtsein, sondern Selbstbewußtsein, nicht Selbstbezichtigung, sondern Selbstwürde, nicht Sühne, sondern schöpferische Leistung ein besiegtes Volk aufrichten, es zuversichtlich, treu und ehrbewugt machen, gehört zum Erfahrungsgut berufener Führungskräfte, die nur die eine Aufgabe vor sich sehen, Hüter des Ganzen, der ganzen Geschichte ihres Volkes mit allen ihren Höhen und Tiefen zu sein. Sein eigenes Volk vor aller Welt zum Sündenbock zu machen dürfte zumindest von dem Augenblick an ein sühnepflichtiges Vergehen sein, da die kritisch denkende Mitwelt, mit Sicherheit jedoch die Nachwelt den Überblick über das historische Gesamtgeschehen zurückgewonnen hat.

Nach dem für alle Wahrheitsgegner deprimierenden Erfolg, den das große Quellenwerk von Prof. Dr. David L. Hoggan Der erzwungene Krieg. Die Ursachen und Urheber des 2. Weltkriegs bereits im ersten Jahr mit vier Auflagen erzielt hat, legt das Institut für deutsche Nachkriegsgeschichte nunmehr einen zweiten Band vor, der ebenfalls aus der Zusammenarbeit angelsächsischer Geschichtsforscher hervorgegangen ist. Er stammt diesmal aus der Feder eines wohlgraduierten schottischen Geistlichen. Aus einer vor zehn Jahren erschienenen Schrift Britain's Blunder hervorgegangen, hat sein Werk nach strenger Prüfung und Ergänzung durch eine Reihe angesehenster amerikanischer Geschichtsforscher dieselbe epochale Bedeutung für das deutsche Volk wie das Werk von Hoggan. Denn hier hat zum ersten Mal ein protestantischer Geistlicher das Wort zur Kriegsschuld- und Kriegszielfrage, aber auch zu den Kriegführungsmethoden und den Nachkriegsmaßnahmen der Siegermächte auf Grund ausgedehnter, sorgfältiger Studien vorurteilsfrei ergriffen.

Daß der von seinen Amtspflichten längst entbundene schottische Emeritus infolge eines kürzlich eingetretenen Herztodes das von ihm mit großer Spannung erwartete erstmalige Erscheinen seines Buches in deutscher Sprache nicht mehr erlebt hat, macht sein Werk zugleich zu einem würdigen Denkmal für ihn selbst. Der vorliegenden deutschen Erstausgabe hat er seine »enthusiastic approval and benediction« gegeben. Nach dem Willen des Autors dürfen zwei Namen seiner englischen Landsleute in ihm nicht fehlen. Ihnen wollte er als »tapferen Kämpfern für die historische Wahrheit« dieses Buch gewidmet wissen: Professor Thomas Callander und Captain B. H. Liddell Hart.

Das diesem Buch beigegebene Bild des Verfassers, das uns die Witwe zusammen mit einem Jugendbild im Ornat und den Bildern seiner beiden im Luftkampf gegen Deutschland gefallenen Söhne in verständnisvoller Weise zur Verfügung gestellt hat, gilt dem Gedenken eines Mannes, der hohen Mut und königlichen Gerechtigkeitssinn verkörperte.

Tübingen, Mai 1963

Institut für deutsche Nachkriegsgeschichte
Dr. habil. Herbert Grabert


Vorwort des Verlags zur zweiten Auflage

Viele Jahre lang war die erste Auflage des vorliegenden Buches vergriffen. Da aus Fach- und Laienkreisen immer wieder Nachfragen nach diesem 1963 erschienenen Standardwerk zur Kriegsschuldfrage ergingen, hat sich der Verlag zu einer durchgesehenen zweiten Auflage der früheren Fassung entschlossen. Eine Überarbeitung oder Aktualisierung erwies sich als überflüssig, da Nicoll schon vor mehr als dreißig Jahren alle wichtigen Argumente und Belege zum Thema angeführt hatte und in seiner umfassenden, sehr genau das Wesentliche treffende Darstellung bisher kaum übertroffen wurde. Auch später erschlossene Quellen, etwa aus Moskauer Archiven, brachten nichts grundsätzlich Neues. Aus der neueren Literatur wurden lediglich einige weiterführende Bücher den vom Verfasser bereits ausgewerteten Werken angefügt.

Bisher erfüllten sich die Hoffnungen des aufrichtig um die historische Wahrheit ringenden schottischen Geistlichen nicht, daß die breite Öffentlichkeit das hinter der Nebelwand alliierter Kriegs- und Nachkriegspropaganda verdeckte Vorkriegs- und Kriegsgeschehen und dessen Hintergründe erkenne. Um so wichtiger erscheint es deswegen für die Zukunft, daß dieses grundlegende Werk weitere Kreise erreicht und in seiner überzeugenden Weise über die historische Wirklichkeit der dreißiger und vierziger Jahre zuverlässige Auskunft gibt. Der Verlag hofft, mit dieser Neuauflage nicht nur den bestehenden Bedarf befriedigt zu haben, sondern dem Buch auch viele neue Leser zu gewinnen. Um durch einen äußerst niedrigen Preis eine weite Verbreitung - vor allem unter der fragenden Jugend - zu ermöglichen, wurde auf einen teuren Einband verzichtet. Auch die Freunde eines guten Buches dürften dafür Verständnis haben.


 
   


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