Vorwort
Eine kurze Geschichte des Patchworks
Von jeher haben Menschen die Möglichkeit genutzt, kleine Stoffstücke zu größeren zusammenzusetzen und die verschiedensten Stoffreste weiterzuverarbeiten, um wiederverwendbare Stoffteile daraus zu schaffen. Die unterschiedlichen Stoffe ergaben dabei oft äußerst attraktive Muster. Aus Gründen des Designs machten Patchworker sich diesen Effekt zunutze, zerschnitten absichtlich größere Stoffteile und nähten diese nach Plan zu individuellen Mustern zusammen.
In den USA führte diese Vorgehensweise schließlich zu den traditionellen Patchworkblöcken, deren Entwurf für gewöhnlich auf geometrischen Strukturen basiert. Im weiteren Verlauf übten die Quilter nicht nur ihre Kunst aus, sondern brachten das Kunsthandwerk des Patchens oder Piecings durch ihr Bedürfnis, immer raffiniertere oder kreativere Quilts zusammenzusetzen, ständig weiter voran.
Mich fasziniert Patchen schon seit fünfundzwanzig Jahren. Patchwork ermöglicht es mir, meine künstlerische Ader zu pflegen: zu Hause mit einer Haushaltsnähmaschine Stoffreste zusammenzusetzen und diese anschließend zu quilten, um der Oberfläche ihre endgültige plastische Form zu verleihen, ist für mich Ausdruck von Kunst. Damit es mir gelingt, die Bilder in meinem Kopf umzusetzen, bin ich dazu übergegangen, meine Grenzen beim Patchwork auszuloten und diese Grenzen beim Entwickeln meiner Arbeiten Schritt für Schritt zu überschreiten. Dabei habe ich mich intensiv mit dem Entstehungsprozeß gepiecter Entwürfe auseinandergesetzt. Bestimmte Entscheidungen bei der Anordnung des Nähdiagramms haben Einfluß auf die optische Wirkung des Quilts, und geringe Abweichungen vom Konstruktionsschema der meisten traditionellen Blöcke können beträchtliche Auswirkungen auf das endgültige Design mit sich bringen. Trotzdem ist der Entwurf des Nähdiagramms nur ein erster Schritt. Auf ihn folgt die viel schwierigere Aufgabe, den Stoff für die einzelnen Teile auszuwählen. Schließlich, wenn das Top fertiggepatcht ist, halten Quiltmuster und Quiltstiche die Lagen zusammen und modellieren die Oberfläche. In diesem Buch konzentriere ich mich auf den Aspekt des Patchens und versuche dabei, sowohl die Nähtechniken für das Piecing, die sich für mich bewährt haben, als auch die Wahlmöglichkeiten beim Entwurf sowie deren Auswirkungen vorzustellen, die Quilter bei der Gestaltung ihrer eigenen individuellen Designs in Betracht ziehen können.
Das Buch wendet sich an alle, die das Nähen von Patchworkblöcken im wesentlichen beherrschen und daran interessiert sind, eigenständige Entwürfe zu entwickeln. Ich gehe davon aus, daß die Leser dieses Buchs mit der Nähmaschine umgehen können und über Grundkenntnisse im Patchen verfügen. Es gibt genügend Quellen, die die Grundlagen des Patchworks vermitteln, denn Kursangebote, Fachgeschäfte und entsprechende Literatur sind weltweit verfügbar. Es gibt jedoch, wenn überhaupt, nur wenig Fachliteratur, die sich mit den Wahlmöglichkeiten beim Piecing und deren Auswirkungen auf das Design befaßt.