Vorwort zu dem Nachdruck
Selbst in der heutigen schnelllebigen Zeit ist das Interesse an der Geschichte der Ornithologie ungebrochen. Zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften und verschiedene neuere Buchtitel belegen diese erfreuliche Entwicklung. Kaum eine dieser Veröffentlichungen kam dabei ohne das bedeutende Quellenwerk GEBHARDTS "Die Ornithologen Mitteleuropas" aus. Seit Jahrzehnten ist dieser Klassiker zur Geschichte der Ornithologie, der 1964 in Gießen und als Nachträge 2-4 im Journal für Ornithologie" erschien, vergriffen. Das Werk wurde zu einem begehrten und teuren Titel des Antiquariathandels - wobei dort meist auch nur der Hauptband von 1964 ohne die Folgebände angeboten wurde. Diese Lücke schließt jetzt der vorliegende Neudruck, bei dem erstmals die Bände 1-4 zusammengefasst wurden, ergänzt um ein alle Bände abdeckendes Gesamtregister. Das Werk erschließt die Geschichte der Ornithologie über die Biographien und die wichtigsten Werke von mehr als 1700 Ornithologen vom 13. Jahrhundert bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
In diesem Zusammenhang soll daran erinnert werden, dass GEBHARDTS "Ornithologen Mitteleuropas" ein echtes Gemeinschaftswerk ist. Ornithologen aus allen Regionen Mitteleuropas lieferten dazu Beiträge, die von vielen namhaften Wissenschaftlern gesichtet, ergänzt und gewertet wurden. Enge Mitarbeiter GEBHARDTS waren FRIEDRICH GOETHE, RICHARD HEYDER, RUDOLF KUHK, HERBERT RINGLEBEN, ERNST SCHÜZ, JOACHIM STEINBACHER und ERWIN STRESEMANN - von denen keiner mehr unter uns weilt.
LUDWIG GEBHARDT verarbeitete das zusammengetragene Material auf bewundernswert feinfühlige Art zu Lebensbildern, die auch heute noch lesenswert sind und über die ein Einblick in das Wirken zahlreicher Vogelkundler über eine lange Epoche gewonnen werden kann.
Die Korrespondenz GEBHARDTS mit seinen Mitarbeitern sowie zahlreiche Entwürfe und Manuskriptteile befinden sich im Archiv der DEUTSCHEN ORNITHOLOGEN-GESELLSCHAFT - historische Dokumente von unschätzbarem Wert. Wie viel davon würde in der heutigen Zeit der elektronischen Korrespondenz über e-mails noch dokumentiert und der Nachwelt erhalten bleiben?
| Möggingen im März 2006 | Rolf Schlenker |
Vorwort
Diese Sammlung ist nicht gedacht als ein Lesebuch für beschauliche Stunden, sondern als Nachschlagewerk für eine schnelle, kurze Orientierung.
Sie befaßt sich nur mit Persönlichkeiten, die vor dem 1. Januar 1964 gestorben sind. Die Frage, warum nicht Lebende in den Kreis der Betrachtung aufgenommen wurden, beantwortet sich allein durch einen Blick auf Zahl und Raum. Zudem verbietet der Mangel an zeitlichem Abstand einen solchen Versuch; er könnte nur zu unbefriedigenden Ergebnissen oder gar polemischen Erörterungen führen. Solange der Mensch atmet, ist sein Werk nicht abgeschlossen und daher höchstens reif zur Registrierung von Daten und Fakten, aber nicht zu historisch-biographischer Beleuchtung, wie sie mir vorschwebte.
Ursprünglich beabsichtigte ich, nur meine deutschen Landsleute zu erfassen. Da aber die Wissenschaft über Staats- und Volksgrenzen von jeher Brücken schlägt, wurde der engere Rahmen wie von selbst gesprengt. Mitteleuropa bot sich an als ein vom einzelnen noch überschaubarer, wenn auch schwer zu begrenzender Raum. Er umschließt hier in etwa Deutschland, Osterreich, die Schweiz, Ungarn, Polen, die baltischen Staaten, die Tschechoslowakei, Rumänien, Jugoslawien.
Soweit es über die behandelten Namen literarische Nachweise gibt und mir diese Quellen bekannt wurden, sind sie am Ende jeder Bearbeitung zusammengestellt. Den Leser, der mehr wissen will, als ich im Einzelfalle bringen konnte, glaube ich dadurch mit nützlichem Material für weitere Studien versehen und von zeitraubender, lästiger Sucharbeit befreit zu haben.
Die Rücksicht auf den Umfang des Buches zwang zu Wortkürzungen. Da die Lesbarkeit unter diesen Eingriffen leidet, nahm ich sie nur mit Widerstreben vor. In einer besonderen Liste sind die Kürzungen aufgeschlüsselt.