VORWORT
Kürzlich erlebte ich, wie ein Trainer seiner Trainingsgruppe die Schwimmtechnik erklärte. Da war von Ellbogenvorhalte, Drehmoment und Winkelgeschwindigkeit die Rede. Die Kleinen reckten die Hälse und verdrehten die Augen ob des unerschöpflichen Wissens ihres Trainers und - verstanden nichts. Eine Bahn weiter stand sein Kollege ganze 60 Minuten am Startblock und achtete darauf, dass der Plan "abgearbeitet" wurde. Er "trainierte" die Kinder nicht, er beaufsichtigte sie.
Gut zwei Drittel der Mitglieder im Deutschen Schwimmverband sind Kinder. Um ihnen die Technik der vier Schwimmarten zu vermitteln und sie zu sportlichen Erfolgen zu führen, wurden viele Bücher geschrieben - für die Trainer. Deshalb ist es zu begrüßen, wenn die eigentliche Zielgruppe, die Kinder, mit den beiden Bänden "Ich lerne Schwimmen" und "Ich trainiere Schwimmen" direkt angesprochen wird. Dabei gelang es dem Autorengespann Katrin Barth und Prof. Dr. Berndt Barth, erfahrene Koautoren zu gewinnen. So mit Dr. Jürgen Dietze, einem unserer profiliertesten Hochschullehrer "in Sachen Schwimmen" und ehemaligem Leistungsschwimmer, bei den ersten beiden Bänden und nun Dr. Roland Baartz, der vor allem praktische Erfahrung aus seiner Trainertätigkeit im Verein, aber auch in der Ausbildung von Sportlehreranwärtern und jungen Trainern mit einbringt.
Das Grundkonzept und die darauf basierenden Lehr- und Lernmethoden zur Wirkung zu bringen, dazu wurde - als Pendant gewissermaßen - "Schwimmen - Modernes Nachwuchstraining" geschrieben, das sich vorrangig auf die Praxis des Trainers bezieht. Damit ist der vorliegende Band als Begleitbuch zu den beiden Kinderbüchern zu verstehen und füllt eine seit Jahren bestehende Lücke in der Ausbildung unserer Schwimmtrainer. Denn in den deutschsprachigen Fachbüchern zum Schwimmtraining (Schramm ausgenommen) spielen, im Gegensatz z. B. zu Councilmans "Handbuch Sportschwimmen", pädagogische und psychologische Fragen eine untergeordnete Rolle. Nimmt dies doch nicht wunder, wenn hierzulande noch vor wenigen Jahren Erziehungswissenschaftler die Verträglichkeit von Leistungssport und Pädagogik bezweifelten.
Losgelöst von einer Daseinsweise in Elfenbeintürmen weiß jeder, der am Beckenrand steht, dass er zuallererst Pädagoge sein muss, wenn er Kinder zu sportlichen Erfolgen führen möchte. Aus diesem Grund haben wir verstärkt pädagogische und psychologische Themen in die Trainerausbildung aufgenommen. "Schwimmen - Modernes Nachwuchstraining" sollte deshalb besonders in der Ausbildung der ersten Lizenzstufe zur Pflichtliteratur gehören.
Ihr Dr. Klaus Rudolph - Lehrreferent Schwimmen im DSV - | |