Vorwort
"Das Unglück der Menschheit rührt daher, dass die Menschen nicht in ihren Zimmern bleiben können." Vermutlich hat Blaise Pascal es ganz anders gemeint, doch wir geben ihm Recht: Im Freien, und beim Laufen zumal, denkt es sich - neutral gesagt - anders. Auch wir haben uns für dieses Buch viel in Zimmern aufgehalten, zu Hause am Schreibtisch, in Bibliotheken, aber so oft wie möglich auch draußen. Bald war die laufende Redaktionssitzung kreiert - die "Sitzungen" fanden mal in Bonn, mal in Berlin und in Hamburg statt. Kapitel wurden dabei ersonnen und wieder verworfen, Argumentationslinien entwickelt und diskutiert, Überschriften getextet. Schritt für Schritt.
Wie gewaltig hat sich der Marathon in den letzten Jahren verändert! Was vor 30 Jahren in kleinen, verschworenen Laufzirkeln begann, rückte 15 Jahre später allmählich ins Zentrum der Aufmerksamkeit, um heute weltweit eine der Sport- und städtischen Großveranstaltungen zu sein, die wie kaum eine andere im Trend liegt bzw. diesen selbst erzeugt hat. Schon möchte man sich manchmal ein wenig an den Rand stellen, um das Eigene, das Eigentliche am Laufen nicht ganz aus den Augen zu verlieren.
Denn an der Herausforderung, die diese Extremdisziplin darstellt, hat sich nichts geändert, wie jeder Läufer feststellen wird, der die 42,195 Kilometer für sich allein bewältigen muss. Dass es aber deutlich leichter fallen kann, wenn man Lauffreunde an der Seite hat, haben viele schon erfahren. Das Gleiche gilt für dieses Buch. Wir, die wir uns (auch) übers Laufen kennen gelernt haben und darüber zu Freunden geworden sind, haben die alte Idee vom kreativen Kollektiv neu aufleben lassen. Obwohl die meisten Kapitel nur einen Verfasser haben, tragen sie doch die Ideen der anderen in sich.
Mit dem Buch wollen wir die individuelle Lust auf das lange Laufen schüren. Lesend kann man über 42 Kapitel und einer Extraschleife von Sempé diese faszinierende lange Distanz kennen lernen, und über viele kleine Geschichten möglicherweise zum eigenen großen Abenteuer gelangen.
Den "Gastautoren" Reinhard Dölle, Lucie Sommer, Werner Sonntag und Klaus Stenzel danken wir für ihre Beiträge, unserem Lektor Wolfgang Hertling für die guten Trainingsbedingungen.
Für die Herausgeber:
Harald Krämer