VORWORT
Das Leben ist eine Reise, und jede Reise beginnt im Kopf. Die Idee, mit einem Fahrrad durch die Anden zu radeln hatte ich schon lange - so lange, dass aus der konkreten Idee von einst längst ein Traum geworden war.
Viele hielten mich für ein wenig verrückt, wenn ich ihnen von diesem Traum erzählte. Andere bewunderten die Idee, aber sie glaubten nicht, dass ich sie verwirklichen würde. Nur "Emma" - ich hatte mein Fahrrad so getauft wie es "Lukas, der Lokomotivführer" mit seiner treuen Gefährtin getan hatte - hielt sich wie immer mit Kommentaren zurück. Allerdings konnte ich an ihrem glitzernden Antlitz erkennen, dass sie zu allem bereit war. So las ich ihr aus Büchern vor und breitete im Wohnzimmer Atlanten vor ihr aus: "Sieh nur Emma, das ist die längste Gebirgskette der Welt. Wenn wir da hinwollen, müssen wir uns warm anziehen, und alles mitnehmen, was wir zum Leben brauchen. Das wird kein kurzer Ausflug - das wird eine lange Reise."
Emma und ich waren schon einige Male auf Tour gewesen. Aber wir wussten, dass diesmal alles ein bisschen anders werden würde. Es ging nicht um einen drei- bis sechswöchigen Urlaub, nein, diese Reise durch Südamerika sollte weder zeitlich befristet noch räumlich begrenzt sein. Wir wollten die Freiheit, uns an jeder Weggabelung für eine neue Richtung entscheiden zu können. Nun mussten wir nur noch die Angst vor einer ungewissen Zukunft überwinden und einen Traum ins Leben zurückrufen, dessen Ausgang nicht vorherzusehen war. Ich würde also zu meinem Chef beim Hörfunk gehen und ihm mitteilen: "Hey Boss, ich bin mal eben auf nicht absehbare Zeit mit dem Fahrrad in den Anden unterwegs." Er wird mich ansehen und sagen: "Tolle Idee. Machen Sie nur. Ich finde schon jemanden für Sie." Eine Job-Zurück-Garantie würde er mir jedenfalls nicht geben.
Freiheit ist, sich für einen Weg entscheiden zu können. Aber es gibt keine Entscheidung ohne Risiko. Keine Freiheit ohne Verzicht. Keine Reise ohne Veränderung.