Vorwort
Der in der Nähe von Hasselt, in Limburg im heutigen Belgien, geborene Heinric van Veldeken so die Namengebung in der ältesten erhaltenen Handschrift -, deutsch Heinrich von Veldeke, steht am Anfang der Blütezeit der höfischen Dichtung im nordwestlichen Europa. Von seinen unmittelbaren Nachfahren Gottfried von Straßburg und Rudolf von Ems wurde er als Begründer der höfischen Dichtkunst im deutschen Sprachgebiet, der Epik wie der Lyrik, gefeiert.
Sein umfangreichstes Werk, die Eneide, liegt in einer zweisprachigen Ausgabe vor und auch seine Minnelieder, die nur in deutschsprachigen Sammelhandschriften überliefert sind, sind leicht zugänglich. Sein Sente Servas jedoch, die Legende über den "Eisheiligen" Servatius, das einzige in seiner maasländischen Mundart überlieferte Werk, ist in einer leicht zugänglichen Ausgabe in Deutschland wie in den Niederlanden seit Jahrzehnten nicht mehr verfügbar. Die Bedeutung Heinrics für die deutsche Literatur hat die Herausgeber der BIMILI-Reihe veranlasst, das Werk in ihr Programm aufzunehmen. Eine deutsche Übersetzung von Heinrics Sente Servas gibt es bisher nicht. Die neue hier vorgelegte kommentierte Ausgabe und Übersetzung möge somit auch dazu beitragen, dass das gesamte dichterische Werk des Autors mehr als bislang in Forschung und Lehre, in der Germanistik wie der Niederlandistik, im Zusammenhang gewürdigt werden kann.
Diese Edition und Ausgabe entstand als Gemeinschaftswerk innerhalb mehrerer Jahre und wurde 2003 bis 2007 durch Drittmittel an der Universität Leipzig von der Nederlandse Taahmie (Niederländische Sprachunion) gefördert, nachdem bereits in Jahren zuvor an der Universität Groningen, auch in Lehrveranstaltungen, erste deutsche Teilübersetzungen erstellt worden waren. Zu danken haben wir im besonderen Luise Czajkowski, Susan Fittkau, Tanja Hofmann und Ulrike Wuttke, die während verschiedener Arbeitsphasen zu Teilaspekten des Projekts beitrugen. In verschiedenen Seminaren an der Universität Leipzig konnten Studenten der Germanistik und Niederlandistik als Repräsentanten der zukünftigen Leser Vorschläge zur Verbesserung einbringen, die in manchen Details zu Modifizierungen Anlass gaben. Herzlich danken möchten wir ferner Gunter Mühl für seine Korrekturarbeiten sowie Gregor Seferens für die zuverlässige und gewohnt zügige Durchsicht der Übersetzung.