Vorwort
Als Legenden - lateinisch: das zu Lesende - galten früher oft Lebensbeschreibungen von Heiligen. Legenden im heutigen Sprachgebrauch bezeichnen zumeist Persönlichkeiten, die es aufgrund besonderer Leistungen zu außergewöhnlich hoher Berühmtheit gebracht haben. Genauso gut aber können auch Orte, Ereignisse oder bestimmte Zeitabschnitte als Legenden in die Geschichte eingehen.
Ein Fall für die Galerie der FUSSBALLLEGENDEN in Deutschland ist zweifellos die "goldene" Ära des Hamburger SV. Die Zeit also zwischen 1947 und 1963, in der die damals noch "Rothosen" und "Löwen vom Rothenbaum" genannten HSV-Kicker Titel sammelten wie sonst nie in ihrer Vereinsgeschichte. Allein 15 Mal dominierten sie in diesen 16 Jahren die ebenfalls legendäre Oberliga Nord. 1960 erfüllten sie sich - im dritten Final-Anlauf - den Traum vom Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Und 1963 rundeten sie ihr gut eineinhalb Jahrzehnte währendes Erfolgskapitel mit einem Sieg im DFB-Pokalfinale ab.
Doch nicht nur Titelgewinne begründeten den offenbar unverwelkbaren Ruhm jener Zeit, sondern ebenso legendäre Spiele und Spieler. So erwiesen sich allein die dramatischen Europapokalkämpfe gegen Burnley und Barcelona als Geburtsstunden einer ganzen Generation von HSV-Fans. Und so erstrahlt der Glanz von Jahrhundertfußballern wie Uwe Seeler, Charly Dörfel und Jupp Posipal noch heute über dem Vereinswappen, der blau-weiß-schwarzen Raute.
Der HSV in der Nachkriegszeit bis 1963, das ist aber auch die Geschichte von so genannten Kartoffelspielen, Zonenmeisterschaften und "britischen" Verhältnissen am Rothenbaum. Von klassischen Torjägern wie Alfred Boller und Herbert Wojtkowiak, Torwart-Phänomenen wie Horst Schnoor, unverwechselbaren Spielertypen wie "Eddie" Adamkiewicz, grundsoliden Recken wie Jochen Meinke und Fußballgenies wie Heinz Spundflasche und Klaus Stürmer. Und von einem HSV, der den deutschen Sport nach dem 2. Weltkrieg wieder im Ausland salonfähig machte, und der bei Freundschaftsspielen auf internationaler Bühne so begehrt war wie kein anderer deutscher Klub.
Dieses Buch soll die Erinnerung an jene Epoche, von der noch die heutige Spielergeneration des HSV profitiert, auffrischen. Im Mittelpunkt stehen dabei ausfuhrliche Texte und zahlreiche, im wahrsten Wortsinn historische Fotos, die auch eingefleischte HSVAnhänger bislang selten oder noch nie zu Gesicht bekommen haben. Viel Vergnügen!
Hans Vinke, im März 2008