Vorwort
Die Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes in die Betriebe zeigt, dass von ergonomisch und arbeitsorganisatorisch optimierten Arbeitssystemen und -prozessen keineswegs immer ausgegangen werden kann. Es fehlt nicht nur häufig an Zeit im Tagesgeschäft, es fehlen auch die Grundkenntnisse von Planern, Konstrukteuren, Sicherheitsfachkräften und Werksärzten in der Prozessanalyse, -gestaltung und im Produktivitätsmanagement.
Seit vielen Jahren vorhandene gesicherte Erkenntnisse erfahrener Planer und Gestalter drohen verloren zu gehen, da dieses Wissen in den Köpfen einzelner Betriebspraktiker, Trainer und Berater zwar noch vorhanden, aber keineswegs für Dritte recherchefähig aufbereitet ist.
Dies war der Grund für Verlag und Herausgeber, das Lexikon Arbeitsgestaltung zu konzipieren. Es enthält Kenntnisse, Definitionen, Werkzeuge und Erfahrungswissen der Arbeitsgestaltung in prägnant geschriebenen und gut aufbereiteten Lexikonbeiträgen. Im Vordergrund steht das schnelle Nachschlagen von häufig in der Gestaltungspraxis vorkommenden Stichwörtern, der Abriss der damit verbundenen betrieblichen Fragestellungen, der Gestaltungswerkzeuge, Lösungen im Sinne von Good Practice, zukünftige Weiterentwicklungen sowie die wichtigsten Literaturhinweise.
Das Lexikon soll daher für Planer und Arbeitsgestalter im Betrieb, für Personalfachkräfte, für Linienmanager, aber auch für Sicherheitsfachkräfte und Werksärzte eine fachlich fundierte Entscheidungshilfe darstellen. Ebenso angesprochen werden Trainer und Dozenten, Institutsmitarbeiter und Hersteller von Betriebsmitteln und Vorrichtungen.
Der Spannungsbogen der Themen reicht von den Eigenschaften, Fertigkeiten und Fähigkeiten des Menschen über die Einflüsse des Arbeitsgegenstands, die Arbeitsplatzausrüstung, den technischen und organisatorischen Bedingungen des Arbeitsprozesses, den Kenntnissen zur räumlichen und informatorischen Arbeitsgestaltung bis hin zur Gestaltung von Teilefertigung, Montage, Logistik aber auch von Büro und Verwaltung. In der Tat ein beachtliches Themenspektrum des gesamten Industrial Engineering, das naturgemäß auch Selektion und Beschränkung auf wesentliche Tatbestände erfordert, um als Herausgeber, Autor und Leser nicht von der fachlichen Breite überfordert zu werden.
Das Lexikon kann und soll kein Lehrbuch oder wissenschaftliche Veröffentlichung ersetzen; deshalb sind in jedem Themenbeitrag Hinweise auf weiterführende Literatur aufgenommen. Ein ausführliches Register erleichtert das Auffinden der gewünschten Informationen.
An diesem Buch haben über 200 Autoren mitgewirkt, die auf den Fachgebieten besonders kompetent sind. Der Herausgeber möchte sich in diesem Zusammenhang für deren außergewöhnliches Engagement herzlich bedanken.
Besonderen Dank gebührt auch dem Gentner Verlag, insbesondere Herrn Gernot Keuchen, sowie der Deutschen MTM-Vereinigung (Methods Time Measurment) für die unermüdliche und begeisterte Unterstützung dieses Vorhabens.
Herr Priv.-Doz. Dr. med. Gerhard Pressel hat mich bei einer Reihe von Stichwörtern bei der Akquisition von Autoren und der redaktionellen Textbearbeitung unterstützt. Ohne ihn und ohne mein Redaktionsteam, das aus Frau Dr. rer. nat. Yvonne Ferreira, Herrn Dr.-Ing. Helmut Peters, Frau Dr. oec. Margit Weißert-Horn und Herrn Dr.-Ing. Jurij Wakula sowie Herrn Dipl.-Ing. Michael Hagemann bestand, wäre dieses Werk nicht möglich gewesen. Ihnen allen gebührt mein herzlicher Dank.
Prof. Dr.-Ing. Kurt Landau
Geleitwort
Die Arbeitswelt verändert sich mit rasantem Tempo. Das betrifft in erster Linie Arbeitsplätze und Arbeitsaufgaben. Der Mensch mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten ist flexibel und nimmt ständig die neuen Herausforderungen an. Zunehmend mehr Wissen versetzt ihn aber auch in die Lage, die Arbeit an seine Fähigkeiten besser als bisher anzupassen.
Die Bauten der Antike und der folgender Epochen lassen uns noch heute staunen, was die Menschen praktisch ohne technische Unterstützung schaffen und leisten können. Geprägt waren diese Zeiten von dem Ziel, ein Werk - teilweise über mehrere Generationen hinweg - zu vollenden. Die beteiligten Menschen, häufig Sklaven und Leibeigene, zählten nichts. Aus den Geschichtsbüchern haben wir Bilder von Arbeitssituationen aus dieser Zeit, wie den Bau der Pyramiden, die Ruderer auf Galeeren oder später die Männer auf Tretmühlen in Indien, vor Augen. Nur sehr langsam entwickelte sich die Einsicht, dass die Wirksamkeit menschlicher Arbeit durch die Gestaltung der Werkzeuge aber auch der Abläufe erheblich verbessert werden kann.
Die gesellschaftliche, besonders die industrielle Entwicklung in den letzten beiden Jahrhunderten zeigt, dass modern organisierte und effizient durchgeführte Arbeit den Wohlstand erheblich mehren kann. Insbesondere die auf den ersten Blick sehr einfach erscheinenden Grundsätze von F. W. Taylor und die praktische Umsetzung bei der Automobilproduktion durch Henry Ford waren dafür entscheidende Impulse. Die Beobachtung der Arbeitsaufgabe und die Analyse der Arbeitsabläufe sind der erste Schritt zur Steigerung der Produktivität. Logischerweise gehören dazu auch, die Abläufe zu protokollieren sowie den physischen Arbeitseinsatz und den Zeitaufwand aufzuzeigen. So wurde die Struktur der Tätigkeit sichtbar gemacht. Überflüssige oder wenig produktive Teile des Arbeitsablaufs wurden erkannt und durch veränderte Arbeitsorganisation reduziert.
Sehr tiefgründig befasste sich später Frank B. Gilbreth, bekannt als der Vater des Bewegungsstudiums, mit dem Gesamtthema Arbeitsgestaltung. In seinem Grundlagenwerk stellte er die Anlagen der Beschäftigten, wie körperliche Voraussetzungen und Geschicklichkeit sowie Arbeitsfreude, Gesundheit, Lebenshaltung, Ernährung und die Arbeitsbedingungen, wie Werkzeuge, Klima, Beleuchtung, Farbwirkungen, Kleidung, Unterhaltung, Musik, Belohnung und Strafe vollkommen gleichwertig neben das Bewegungsstudium.
Im Zuge des technischen Fortschritts ist das Spektrum der Tätigkeiten des Menschen breiter geworden. Aus den Megatrends wie Globalisierung, Flexibilisierung und Vernetzung entstehen fortwährend neue Arbeitsaufgaben. Umso wichtiger ist es, die wesentlichen Kenntnisse menschengerechter und wirtschaftlicher Arbeitsgestaltung lexikalisch zu bündeln. Damit wird es möglich, die wichtigen Begriffe zu benennen und durch kompetente Autoren beschreiben zu lassen. Die schwierige Arbeit, aus einer heterogenen Menge an Erkenntnissen und Auffassungen ein homogenes Gesamtwerk zu formen, ist gelungen. Erstmals liegt für einen großen Nutzerkreis, für Führungskräfte, Konstrukteure, Arbeitsplaner, Industrial Engineers, Prozessoptimierer, Arbeitsschutzexperten und Betriebsärzte eine gemeinsam nutzbare Wissensbasis vor. Dies ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Wertvorstellungen, Vorgehensweisen und Methoden kompatibler werden und die Zusammenarbeit besser gedeihen kann.
Das Verständnis der Notwendigkeit durchgängiger Planungs-, Gestaltungs- und Datenkonzepte für die Entwicklung von Arbeitsaufgaben und Arbeitssystemen über die gesamte Prozesskette wird durch dieses Lexikon vorangetrieben. Es ist besonders dem Herausgeber, Prof. Dr. Kurt Landau, zu danken, dass die Herkulesaufgabe eines solchen Projektes angefasst und gelöst worden ist.
In ihrer Verantwortung für das Produktivitätsmanagement von Arbeitssystemen und damit für niveauvoll gestaltete Arbeitsplätze in allen Bereichen von Industrie, Verwaltung und Dienstleistung begrüßt die Deutsche MTM-Vereinigung e.V. die Herausgabe dieses Werkes und wünscht ihm schnelle Verbreitung und eine große Leserschaft.
Dr.-Ing. Hans Fischer
Geschäftsführer der
Deutschen MTM-Vereinigung e.V.;
Präsident des International MTM-Directorate