Vorwort
Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD und studierter Politikwissenschaftler sah mich entgeistert an: »Das ist ein schwerwiegender Vorwurf«, sagte er, als ich ihm kürzlich in Frankfurt meine Thesen vortrug.
In der Tat, die hier aufgestellten Thesen sind starker Tobak für all jene, die bisher glaubten, Deutschland sei nur ein Opfer einer Bande von gewissenlosen internationalen Heuschrecken-Bankern, den Verursachern der sogenannten Weltfinanzkrise. Was wird dagegen hier behauptet?
Die Verluste der deutschen Banken sind völlig hausgemacht und das Resultat eines strukturellen Misstrauens des deutschen Beamtenstaates gegen den eigenen Mittelstand. Fast alle Verantwortlichen für die Milliardenverluste sind Funktionäre der drei Regierungsparteien SPD, CDU und CSU.
Die Zahlung von 480 Milliarden Euro aus Steuermitteln zur Deckung der Spekulationsverluste ist der Höhepunkt eines jahrzehntelang währenden Raubzuges, der der deutschen Staatskasse gilt.
Diese ist nur deshalb notleidend, weil ein Großteil der öffentlichen Mittel dazu verwendet wird, eine große Gruppe von Marktfreien (Bürger, die weder Sozialabgaben leisten müssen noch den Widrigkeiten des Marktes ausgeliefert sind, insbesondere Beamte und Erben) auf Kosten der Marktteilnehmer abzusichern und von Steuern und Sozialabgaben freizustellen.
3. Damit hat sich die soziale Marktwirtschaft in eine Feudalgesellschaft verwandelt, in der der Großteil der Arbeitenden für die Marktfreien und deren Altersversorgung sowie für die daraus resultierenden Staatsschulden arbeiten muss. Diese Form der dauerhaften Umverteilung von unten nach oben unter dem Schutz des Gesetzes verdient die Bezeichnung korrupt.
Zum Beleg dieser Thesen werden zahlreiche Äußerungen und Dokumente der Beteiligten zitiert. Damit sich der Leser und Kritiker ein eigenes Bild von den Hintergründen der deutschen Finanzkrise machen kann, werden alle Dokumente als PDF im Internet zum Download bereitgestellt (). So wird es möglich, sich ein umfassendes eigenes Bild davon zu machen, wie deutsche Beamtenbanker als Big Player auf den internationalen Finanzmärkten mitspielen wollten und als die Lachnummer Stupid German Money endeten.
Man mag meine kritischen Interpretationen vielleicht nicht immer teilen, aber das Archiv gibt die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von den Quellen zu machen.
Schließlich geht es mir nicht nur um die Aufdeckung der Missstände und die Benennung der Verantwortlichen, sondern darum, deutlich zu machen, dass nur eine grundlegende Änderung unseres Steuer- und Sozialsystems wieder eine Rückkehr zu den Wurzeln des demokratischen Bürgerstaates ermöglicht.
Einen solchen Vorschlag unterbreite ich hier.
Nur wenn alle Bürger, Arme wie Reiche, wieder Vertrauen in den Staat haben können, wird Deutschland den Staatsbankrott vermeiden können und mit der Besinnung auf die bescheidenen Tugenden des Mittelstandes auch größere Finanz- und Exportkrisen meistern können.
Dr. Alexander Dill im Februar 2009