Vorwort
"Die Jugend will angeregt und nicht belehrt werden." - Harald Lesch
Im Sinne eines erforschenden Lernens, welches neugierig macht und dadurch motiviert, möchte ich den Lernenden auf eine Entdeckungsreise entführen und ihm die vielseitigen Möglichkeiten des Gitarrenspiels von klassischen Stücken hin zu Begleittechniken, Improvisation, Folkpicking, Powerchords, Flamenco und Blues aufzeigen. Dabei habe ich versucht, in der Tradition klassischer Unterrichtswerke des 19. Jahrhunderts zu bleiben, die uns demonstrieren, wie der volle Klang der Gitarre von Anfang an zum Tragen gebracht wird, statt das Instrument wie eine Blockflöte für das Melodiespiel zu benutzen.
Nach einigen elementaren Übungen, wie Fingergymnastik für die linke Hand und Anschlagsübungen für die rechte Hand, gehe ich daher von einem offenen E-Moll-Akkord in Verbindung mit kleinen Bassmelodien aus. Durch sukzessives Hinzunehmen der Stammtöne in der I. Lage, können nach und nach alle Grundakkorde eingeführt werden. So lassen sich in kleinen Lernschritten immer mehr Spieltechniken für ein solistisches Spiel oder Begleitung spielerisch einführen. Dafür war es wichtig, die kleinen Stücke wie kleine Songs zu konzipieren. Denn jede Übung soll Lust auf mehr machen. Übungen, die nach dem Motto geschrieben sind: "Das ist ja nur eine Übung, mach das nur erst mal, irgendwann kannst du dann Gitarre spielen!", sind dem Lernen nicht zuträglich. Die Reaktionen meiner Schüler zeigen mir, dass dies ein Weg ist, der von Anfang an Spaß macht und zum Üben motiviert.
Da solistisches Gitarrenspiel - auch Melodien mit begleitenden Basstönen - letztlich auf Akkorden beruht, liegt es eigentlich auf der Hand, dass sich seriös erlerntes Akkord- bzw. Begleitspiel und solistisches Spiel ergänzen. Dafür ist es natürlich von Bedeutung, den Schülern die verschiedenen Erscheinungsformen der Akkorde nahe zu bringen. Schüler sind immer wieder verwundert, wenn man ihnen aufzeigt, dass ein "klassisches" Spielstück praktisch aus Akkorden besteht, die sie schon kennen.
So richtet sich das Buch an alle, die das Instrument Gitarre lernen wollen. Durch die zahlreichen Spielstücke und Stilistiken ist diese Schule auch für Quereinsteiger und als Folgeband von Kindergitarrenschulen interessant. Gute Erfahrungen habe ich bereits mit diesem Konzept in großen Gruppen gemacht.
Ebenso war es mir ein Anliegen, zahlreiche Duostücke für die tägliche Musikschularbeit zur Verfügung zu stellen.
Ich wünsche allen, die bereit sind, sich auf ein interessantes Abenteuer einzulassen, viel Spaß.
Jens Kienbaum