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Die Fabrikation globaler Vielfalt
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Vorwort

Das vorliegende Buch bilanziert nicht nur die mehr als hundertjährige Geschichte einer Industrie, der das ursprüngliche Produkt - die Schallplatte - abhanden zu kommen scheint. Es stellt auch ein persönliches Resümee über beinahe zehn Jahre Forschung zu den Bedingungen musikalischer Vielfalt in einem industriellen Umfeld dar. Im Jahr 1998 wurde ich von den Leitern des Instituts Mediacult, Alfred Smudits und Robert Harauer eingeladen, an einem vom österreichischen Wissenschaftsministerium finanzierten Projekt zur Globalisierung von Musik teilzunehmen. Seit diesem Zeitpunkt ließ mich das Thema nicht mehr los. Vor allem die industriellen Grundlagen der globalen Verbreitung von Kultur im Allgemeinen und Musik im Speziellen rückten immer mehr ins Zentrum meiner Forschung und mit ihnen auch jene Disziplinen, die sich mit diesen befassen, insbesondere die Organisationssoziologie und die Ökonomie. Der Bericht an das Wissenschaftsministerium im Jahr 2000 (Gebesmair 2000) war von den kultursoziologischen Arbeiten Richard A. Petersons inspiriert. Im Rahmen meines von der österreichischen Akademie der Wissenschaften finanzierten Habilitationsprojekts konnte ich dann mein Wissen über die Musikindustrie vertiefen, wobei vor allem die neoinstitutionalistische Organisationsforschung wie auch netzwerkanalytische Ansätze hilfreiche Instrumentarien der Analyse an die Hand gaben. Dazu kam die intensive Beschäftigung mit den Grundlagen der Volkswirtschaftslehre und ihrer Anwendung auf Fragen der Kultur. Schließlich aber begannen Erinnerungen an die Kulturindustriekritik der Frankfurter Schule wach zu werden, da mir sowohl die ökonomische als auch die organisationssoziologische Sicht für eine grundlegende Bewertung der Kulturindustrie nicht ausreichend erschienen. Beiden gilt der souveräne Medienkonsument als Maßstab der Beurteilung. Zum Verständnis der Musikindustrie ist es aber unerlässlich, die Präferenzen der Hörer und Hörerinnen selbst zum Gegenstand einer kritischen Analyse zu machen. Denn letztlich sind diese nicht nur unhinterfragbare Umwelt industrieller Produktion, sondern auch deren Konsequenz. Vom Wandel, den mein Denken in den Jahren der Beschäftigung mit der Musikindustrie in dieser Hinsicht vollzog, zeugt auch dieses Buch - ich hoffe, nicht zum Missvergnügen der Leser und Leserinnen.

Einschlägige Studien, Strukturdaten, Industriestatistiken und Hitparaden verschiedener Länder bilden die empirische Basis für die Arbeit. Darüber hinaus konnte ich aber in einer Reihe von mehr oder wenige strukturierten Gesprächen mit Experten aus der Industrie und dessen Umfeld wichtige Informationen gewinnen. In diesem Zusammenhang seien erwähnt Thomas Böhm und Günter Resch (ifpi Austria), Mario Rossori (amadeus award), Ingrid Waldingbrett (AKM), Helmut Steinmetz (austromechana), Thomas Büchel (BMG Austria), Rainer Krispel (chelsea chronicle), Jörg Eiben (Musica), Sylvia Schauer (Zomba Austria), Kathrin Hughes und Nicola Graven (ifpi London), Martin Kretschmer (School of Finance & Law, Bournmouth UK), Peter Rantasa (mica), Horst Unterholzner (EMI Austria), Johnny Dibbon (SRA), Don Cusic, (Curb School of Music, Nashville), William Ivey (Center for the Art, Enterprise, and Public Policy, Nashville), Daniel Glass (Artemis Records New York), Tony Ward (BMG International), Tuma Basa und Alan Swarts (MTV). Was in der einschlägigen Literatur und den Statistiken und Daten zuweilen abstrakt blieb, wurde durch ihre Schilderungen aus der Alltagspraxis des Musikgeschäfts erst fassbar.

Wien, April 2007


 
   


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