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Rating
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Vorwort


Der Grundgedanke eines Ratings ist so einfach, dass jedes Schulkind das Prinzip verstehen kann: Wie Schulnoten sind Ratings Zensuren für die Bonität von Schuldnern. Durch ein Rating wird in einem einzigen Symbol oder in einer Kombination von Symbolen die Quintessenz verschiedenster Beurteilungskriterien zum Ausdruck gebracht, die über die Zukunftsfähigkeit Auskunft geben. Dabei geht es um die wirtschaftliche Fähigkeit, rechtliche Bindung und Willigkeit eines Zahlungsverpflichteten, seinen zwingend falligen Zahlungsverpflichtungen stets vollständig und rechtzeitig nachzukommen.

Während sich im letzten Jahrhundert praktisch nur international tätige Banken, Versicherungsgesellschaften und Großkonzerne dem Ratingverfahren unabhängiger Agenturen unterzogen, gewinnt das Thema in den letzten Jahren für kleine und mittlere Unternehmen an Relevanz. Unternehmensinsolvenzen haben in Deutschland, aber zum Teil auch in anderen Ländern Europas ein Ausmaß angenommen, dass Unternehmen, Haushalte usw. das Ausfallrisiko durch abzuschreibende Forderungen, durch den Wegfall oder die dramatische Veränderung von Kunden- und Lieferantenbeziehungen zu spüren bekommen. Ein entgeltliches Rating einer unabhängigen Agentur kann hier helfen, sich eine allgemein akzeptierte "Visitenkarte" zu verschaffen, um Geschäftspartner, aber auch Aktionäre bzw. Mitgesellschafter oder sonstige "Stakeholder" eines Unternehmens, bis hin zu den eigenen Mitarbeitern, von der gesicherten Bestandskraft zu überzeugen. Nutzen und Funktionen von Ratings werden daher in immer mehr wirtschaftlichen Zusammenhängen gesehen.

Für praktisch jeden Kreditnehmer werden künftig die Veränderungen spürbar, die sich aus der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung des aus internationalen Bankenaufsehern zusammengesetzten Basler Ausschusses für Bankenaufsicht ergeben. Seit Dezember 2002 schreibt darüber hinaus die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in ihren Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute vor, dass jedem Kreditgeschäft eine Risikoklassifizierung vorausgehen muss. Die Koppelung der Eigenmittelunterlegung im Kreditgeschäft der Banken an das dem Kreditnehmer erteilte Rating kann von den betroffenen Banken kalkulatorisch nicht ignoriert werden: Die - gemessen am Rating - höheren Risiken sowie die bei den Banken anfallenden, ratingabhängigen Eigenmittelkosten müssen durch einen Zinsaufschlag entgolten werden. Rating wird zum Schlüssel für die Bestimmung der Zins- und Konditionengestaltung, für die Bemessung des Kreditvolumens sowie für die Beantwortung der Frage nach der Sicherheitenbestellung. Sogar aufbau- und ablauforganisatorische Regelungen in Banken müssen vom Rating abhängig gemacht werden, so wollen es die Bankenaufseher.

Rating darf dabei nicht als eine bestimmte Methode oder als Resultat eines theoretischen Modells missverstanden werden. Im Kern ist Rating zunächst nur eine Sprachregelung zur Beschreibung existenzieller Risiken. In mehr als 110 Ländern der Welt haben sich die von führenden internationalen Agenturen bekannten Ratingsymbole und -Skalen von AAA, AA, A, BBB usw. bis C oder D durchgesetzt. Ein AAA-Rating steht dabei für die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass ein so beurteilter Schuldner langfristig in der Lage sein wird, seinen zwingend fälligen Zahlungsverpflichtungen vollständig und rechtzeitig nachzukommen. Umgekehrt steht ein D für die bereits eingetretene Insolvenz. Alle anderen Ratingkategorien beschreiben Ausfallwahrscheinlichkeiten zwischen diesen beiden Extremen. Banken in Deutschland bevorzugen es, jeweils ihre institutsspezifischen Notenskalen festzulegen. Dies ändert allerdings nichts an den Grundtatbeständen, wie auch der Wechsel zwischen Fahrenheit oder Grad Celsius am Thermometer nichts an der Tatsache eines Siede- und eines Gefrierpunktes ändert.

Jede Herabstufung im Rating bringt ein Unternehmen dem endgültigen Erlahmen der Geschäftsmöglichkeiten näher. Keiner Unternehmensleitung kann es daher egal sein, wie sich das Rating entwickelt. Wie die Wettervorhersage gibt das Rating Auskunft über die Bedingungen, unter denen das Unternehmen zu agieren vermag. Die Ausrichtung der Unternehmensführung auf ein gutes Rating wirkt wie ein Fitnessprogramm. Die Ratingkriterien geben die Prüfsteine vor, an denen die Bestandskraft eines Unternehmens zu messen ist.

Den Autoren des vorliegenden Buches ist eine praxisnahe Einführung in das Thema zu verdanken. Obwohl das Ergebnis des Ratings, die erteilte "Note", recht einfach erscheint, so sind doch die zum Rating führenden Methoden und Kriteriensysteme von großer Komplexität und Verschiedenartigkeit. Da sich aber jedes Unternehmen, gerade auch kleine und mittlere Firmen, mit Ratings befassen muss, liegt eine besondere Aufgabe darin, die Materie übersichtlich und leicht verständlich zu präsentieren. Dieser Herausforderung hat sich das Autorenteam erfolgreich angenommen. Dem Buch ist daher insbesondere im Mittelstand eine gute Aufnahme zu wünschen.


Dr. Oliver Everling

Geschäftsinhaber der Everling Advisory Services


Frankfurt am Main, im Juli 2003



 
   


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