Vorwort zur achten Auflage
Die vorliegende überarbeitete und erweiterte Auflage erscheint in einer Zeit des Umbruchs, der durch die Neubesetzung aller anatomisch orientierten Lehrstühle im deutschsprachigen Raum geprägt ist. Seit längerer Zeit besteht schon die Tendenz zur Kürzung des Anatomie-Unterrichts, die im moderaten Ausmaß zur Schaffung von Freiräumen für neue Unterrichtsfächer vertretbar und unvermeidlich erscheint. Da dieser Trend nun exzessive Ausmaße anzunehmen scheint, besteht die Gefahr, des partiellen oder gar totalen Verzichts auf die Präparation des Tierkörpers, die seit Leonardo da Vinci als sehr effiziente und essentielle Methode der Wissensvertiefung gilt. Der Mangel an praktischen Übungen kann durch unser Angebot an naturgetreuen Abbildungstafeln nicht kompensiert, wohl aber in seiner negativen Auswirkung abgeschwächt werden. Unsere realistischen Abbildungen im Atlasteil unseres Lehrbuches haben besonders im Anfangsstadium des Studiums den unbestreitbaren Wert, dass sie die notwendige Grundlage zum Verstehen der viel genutzten Skizzen und schematischen Darstellungen bieten. Darüber hinaus fördern sie als illustrierte Präparieranleitung die Eigeninitiative zur selbstständigen Präparation und tragen damit zur Erlangung eines fundierten Wissens bei. Das topographisch anatomische Vorgehen bietet für die Präparation und die bildliche Widergabe den enormen Vorteil, dass umfangreiche Stoffgebiete in natürlicher Realität und in der gebotenen Kürze vermittelbar sind. Für den praktizierenden Tierarzt eignen sich die topographischen Bildtafeln für die Orientierung bei Operationen.
Die Berücksichtigung der Computertomographie, die in dankenswerter Weise von Frau Dr. Nöller in die vorliegende achte Auflage integriert wurde, verfolgt den Zweck, der Anatomie ein attraktives Aufgabengebiet zu sichern. Die Vermittlung der computertomographisch erfassbaren Normalstruktur, ergänzt durch die Darbietung klinischfunktioneller Fälle schafft die solide Basis für die Weiterentwicklung und Anwendung bildgebender Verfahren im klinischen Studium und später im tierärztlichen Beruf.
Berlin im Sommer 2007
Die Verfasser
Vorwort zur ersten Auflage (gekürzt)
Der Atlas der Anatomie des Hundes wurde als Kompendium und zugleich als Anleitung für die topographisch-anatomische Präparation sowie für den Situs-Unterricht konzipiert.
Vom Gesamtstoff der Anatomie bleiben das Zentralnervensystem mit Sinnesorganen sowie die spezielle Gelenklehre einer späteren Auflage vorbehalten.
Die anatomischen Sachverhalte wurden nach topographischen Gesichtspunkten bei systematischer Gliederung wiedergegeben. Dazu wurden in den verschiedenen Körperabschnitten schichtweise die Osteologie, Myologie, Angiologie, Neurologie und Splanchnologie in ihrem wechselseitigen Zusammenhang nacheinander abgehandelt und durch topographische Farbtafeln mit ergänzenden schematischen Darstellungen veranschaulicht. Die Darstellungsmethoden betonen die wechselseitigen Lagebeziehungen der berücksichtigten Leitungsstrukturen unter Heraushebung nomenklatorischer Übereinstimmungen. Dadurch soll der Schrecken vor der Vielfalt, dem Umfang und der Kompliziertheit der Materie gemindert werden. Das hier gewählte Konzept hat bei engem inhaltlichem Bezug und räumlicher Gegenüberstellung von Abbildung und zugehöriger Beschreibung den Vorteil, das Wesentliche auf engstem Raum abhandeln zu können.
Das vorliegende Buch soll dem Studenten ein übersichtliches Anschauungsmaterial und eine kurzgefaßte Zusatzlektüre zum Lehrbuchstudium und zum Vorlesungsstoff sowie eine Hilfe beim Repetieren, besonders für die Examensvorbereitung, bieten. Die Abbildungen sind auch als Anregung zum Nachzeichnen gedacht, wodurch in einer eigenen Arbeitskontrolle das Verständnis für die anatomischen Gegebenheiten überprüft und die Einprägung in das Gedächtnis vertieft werden. Für den praktischen Tierarzt ist es als Quelle zur raschen Information und zur Auffrischung und Vertiefung des ehemals Gelernten abgefaßt. Umfang, Einteilung und Abfolge des Stoffgebietes sind nach dem Vorgehen bei der topographischen Präparation ausgerichtet, die den Studenten an der Freien Universität Berlin als Unterrichtsprogramm im ersten Studiensemester geboten wird. Auf der erarbeiteten Grundlage setzt sich später das aufbauende Studium der vergleichenden und klinisch-angewandten Anatomie fort. Die topographische Anatomie ist die Grundlage und der Schlüssel für das Verständnis medizinischer Zusammenhänge. Sie ist für die Chirurgie und Pathologie von besonderem Wert.
Herr Professor Dr. Fritz Preuß führte die topographische Ganztierpräparation in Berlin ein, und seine Präparieranleitungen waren bis zur drastischen Kürzung und Umstellung der Präparierübungen richtungweisend für den Unterricht. Die erfolgreiche und anspruchsvolle Methode der Präparation stellt in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit hohe Anforderungen an die Studenten und verlangt vielseitige Unterstützung durch die Lehrenden. Auch diesem Zweck soll der vorliegende Atlas durch seine naturgetreue Wiedergabe von Präparationsfeldern mit begleitendem Text dienen. Der gebotene Gesamtstoff wurde in Kapitel (K) und noch enger in Themen (T) gegliedert, die von Teilnehmern an Präparierübungen als Tagespensum (T) für die Erstellung eines Präparates aufzufassen sind. Dem beschreibenden Teil wurden Angaben zur präparatorischen Vorbehandlung des abgebildeten Präparats und Anweisungen zu dessen Erstellung durch den Übungsteilnehmer vorangestellt. Präparatorisch darzustellende Strukturen werden im Text durch Fettdruck besonders hervorgehoben. Um den vorgegebenen Rahmen einzuhalten, blieben anatomische Variationen unberücksichtigt. Die geltenden Nomina Anatomica Veterinaria (HOLZHAUSEN, Wien 1973) fanden Anwendung, was prinzipiell auch für verwendete Abkürzungen gilt. Darüber hinaus wurden im beschreibenden Teil nur Wirbel und Nervenäste abgekürzt (z. B.: vL 1 für die erste Vertebra lumbalis; nL 1vl für den Ventrolateralast des ersten Nervus lumbalis). In den Abbildungsbeschriftungen und tabellarischen Zusammenstellungen mußten aus Platzgründen auch weitergehende, sonst ungebräuchliche Abkürzungen verwandt werden. Anregungen und Wünsche der Studenten, beispielsweise nach Erstellung von Tabellen zur speziellen Myologie und des anatomischen Wortschatzes, wurden weitgehend berücksichtigt.
Als Vorlagen für die Abbildungen dienten Präparate der Anatomischen Sammlung aus dem Institut für Veterinär-Anatomie, -Histologie und -Embryologie der Freien Universität Berlin, die von den Präparatoren des Instituts Herrn Seifert, Herrn Dressel und Herrn Schneider angefertigt wurden.
Berlin, im Sommer 1983
Die Verfasser