Mit dem Begriff "Südsee" verbindet sich noch immer die Vorstellung von einer exotischen Kultur im tropischen Inselparadies des Pazifischen Ozeans, fernab und unberührt von der "zivilisierten" Welt. Diese Kultur ist jedoch im Aussterben begriffen, und wird in wenigen Jahrzehnten jenen undifferenzierten "internationalen" Charakter angenommen haben, der sich durch den massiven Einfluß von Fremdenverkehr und Wirtschaft auch auf viele andere sogenannte Entwicklungsländer ausgedehnt hat. Unserer Zeit bleibt es vorbehalten, die Rudimente dieser vergehenden Kultur aufzuzeichnen und zu interpretieren. Auf vielen Gebieten hat die Ethnologie hier bereits wertvolle Arbeit geleistet; der Bereich der Architektur wurde dabei jedoch nur am Rande oder im eng begrenzten Rahmen spezieller regionaler Prägungen behandelt. Mit dieser Publikation wird erstmals versucht, die Bautypen eines größeren Gebietes Ozeaniens im Zusammenhang zu sehen. Es handelt sich um die Inselgruppen an der Westflanke des "Polynesischen Dreiecks": Tonga und Samoa als die frühesten besiedelten Gebiete Polynesiens, Hawaii und Neuseeland, erst am Ende der polynesischen Völkerwanderung besiedelt, und das melanesische Fidschi, dessen Kultur weitgehend von Polynesien beeinflußt wurde. Vor dem Hintergrund der spezifischen Umweltbedingungen und gesellschaftlichen Zusammenhänge wird die Entwicklung der Architektur auf diesen Inselgruppen im komplexen Zusammenhang von Form, Funktion, Konstruktion und Symbolik betrachtet.
Der Autor, Assistent am Institut für Baukunst und Bauaufnahmen der Technischen Universität Wien, befaßte sich während seiner Studienaufenthalte in Asien, Amerika und Ozeanien eingehend mit der Architekturgeschichte außereuropäischer Kulturen. Den Schwerpunkt seiner Forschungen bildet die Entwicklung elementarer Formen der Architektur im Rahmen der kulturellen Evolution der Gesellschaft.
| Phoibos Verlag, Wien | ISBN 3-901232-12-5 |