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Meeresaquaristik und Umweltschutz - ein Gegensatz?

Wenn man die Meinung einiger Verbände und Organisationen, ja sogar ganzer Parteien oder deren Vertreter zu diesem Thema richtig versteht, schließt das eine das andere aus. Aus der Sicht des engagierten Aquarianers, der sowohl Süßwasser wie Meerwassertiere pflegt und züchtet, kann das so nicht akzeptiert werden. Von 1987 bis 1997 war die Einfuhr von Halfter-(Zanclus comutus), Falter(Fam. Chaetodontidae) und Kaiserfischen (Farn. Pomacanthidae) nach Deutschland untersagt: Der Fang und der Handel von Tridacna-Muscheln und vielen Blumentieren (Korallen, Dörnchenkoralle, Edelkoralle) unterliegt jedoch nach wie vor Beschränkungen (Citespflicht). 1997 wurde das Bundesartenschutzgesetz dem Europäischen Recht angepaßt, und da Falter- und Kaiserfische nicht auf dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen aufgelistet sind, mußten sie für den Handel wieder freigegeben werden. Für die Pflege im Riffaquarium eignen sich nur einige wenige Fischarten aus diesen Familien, ganz besonders wenn darin kleinpolypige Steinkorallen (z.B. Acropora) und Tridacna-Muscheln gepflegt werden. Das Handelsverbot dieser Korallenfische war ohnehin wirkungslos, weil in allen anderen Ländern nach wie vor Falter- und Kaiserfische im Angebot waren. In den Heimatländern werden einige Arten auch gegessen, gehören aber nicht zu den begehrten Speisefischen. Nur sehr wenige Korallenriffe sind für den Fang von Fischen und das Sammeln von Wirbellosen Tieren für die Meerwasseraquaristik erschlossen. Die teilweise rapide fortschreitende Zerstörung vieler Korallenriffe wird in erster Linie durch eine zunehmende Wasserverschmutzung, Dynamitfischerei (eine extreme Methode des Fischfangs für Nahrungszwecke), Massentourismus, Kalkbrennen aus Korallenskeletten, Landgewinnungsmaßnahmen und auch durch wahrscheinlich vom Menschen beeinflußte oder forcierte Krankheiten der Korallen (Bleaching, White and Black-Banded Desease) verursacht. Der 1997/1998 ungewöhnlich stark auftretende El Nino (Verschiebung der Wassertemperaturzonen im Pazifik) hat ein Massensterben von Korallen nach sich gezogen. Gemessen an diesen teilweise globalen Katastrophen ist die Entnahme von Tieren für die Meeresaquaristik zweitrangig, wenngleich weltweit die Anzahl gefangener Tiere zunimmt. Besonders in den USA, aber auch in Europa und Deutschland werden immer mehr Salzwasseraquarien betrieben. In den meisten Ländern dürfen nur eng eingegrenzte Riffe für die Aquaristik befischt werden und so sind die Auswirkungen auf die Populationen geringer als man meinen möchte. Steinkorallen werden nur von zwei, drei Ländern zur Entnahme freigegeben. Trotzdem sollte der Zucht von Meerestieren für die Aquaristik noch viel mehr Bedeutung beigemessen werden. Erste Ansätze gibt es bereits, und besonders der Tausch von Korallenablegern gewinnt stetig an Bedeutung.

Aquaristik und Tierschutz?

Wer auf dem Standpunkt steht, daß Tiere nur in freier Natur leben dürfen, weil jegliche Pflege in menschlicher Obhut Tierquälerei ist, der darf sich nur vegetarisch ernähren. Bleiben wir einmal bei den Fischen: Fressen und gefressen werden, unter Wasser ein allgegenwärtiger Grundsatz!

Wer weiß, wie große Raubfische ihre Beute fressen, wird vielleicht noch einmal darüber nachdenken, ob es einem Fisch im Aquarium schlecht geht. Fische, die ihr Opfer zerreißen, sind beinahe schon »human«, weil die Beutetiere schnell sterben, aber viele große Jäger saugen ihre Beute ein. Das Opfer wird bei lebendigem Leib verdaut.

Während der Regenzeit kommt es zu einer drastischen Verschlechterung der Lebensbedingungen im Riff. Die Dichte verringert sich, und die Temperatur fällt bis auf 20 °C ab.

Die ausbrechenden Stürme tun ein übriges. Auf die Fische hat das katastrophale Auswirkungen, viele werden von Cryptocarion und anderen Parasiten befallen und sterben.

Oberster Grundsatz in der Aquaristik ist selbstverständlich (und muß es auch sein): Jegliches vermeidbare Sterben ist zu verhindern.

Für jeden Aquarianer ist es eine Ehrensache, seine Tiere so gut wie möglich zu pflegen. Tierschutz ist solange notwendig, wie es Menschen gibt, denen das Wohlergehen ihrer Tiere nicht vorrangig ist. Das neue erweiterte Tierschutzgesetz, das die Einfuhr von Korallenfischen verbietet, und vor allem auch die Meinung einiger Verbände und einzelner Politiker, lassen für den Liebhaber den Schluß zu, daß man der Meinung ist, die Aquaristik sei eine Tierquälerei. Das kann nicht stimmen. Uns allen bleibt nur zu hoffen, daß die Fänger so sorgfältig wie möglich vorgehen und ohne Betäubungsgifte fischen, daß der Importeur oder Großhändler so sorgfältig wie möglich auspackt und anpaßt, daß der Einzelhändler so sorgfältig wie möglich eingewöhnt, und daß der Liebhaber so gut wie nur irgendwie möglich seine Tiere pflegt und züchtet. Schon heute sind die Transportverluste unter 10%, aber Auswüchse, wie das Fischen mit Betäubungsgiften müssen aufhören. Besser sollte ein Fisch das Doppelte oder das Dreifache kosten. Jeder Aquarianer, Händler, Großhändler und Fänger sollte es den Tieren so leicht wie möglich machen und auch Selbstkritik nicht scheuen. Es kann noch einiges verbessert werden, packen wir es alle an, damit wir guten Gewissens unser schönes Hobby gegen seine oft nicht fachkundigen Kritiker verteidigen können.

Meeresaquaristik und Wissenschaft

Die Meeresaquaristik ist mittlerweile in Grenzbereiche der wissenschaftlichen Forschung vorgestoßen. Besonders schwierige Themen sind die Artbestimmung der wirbellosen Tiere, die Ökologie im Riff und das Brut- und Zuchtverhalten der Riffbewohner.

Meeresaquarianer können gerade zu diesen Themen wertvolle Hinweise beisteuern. Viele Tierarten werden in Aquarien gepflegt, die wissenschaftlich noch unbekannt sind. Leider ist es wegen der oft unklaren geographischen Herkunft und der meist schwierigen Gesamtübersicht nicht möglich, aquaristisch durchaus bekannte Tiere genau zu bestimmen. Wertvolle Erkenntnisse gehen so verloren, weil nur Beobachtungen an wissenschaftlich bestimmten Tieren anerkannt werden. Wenn es die allgemeine Übersicht zuläßt, ist es jedoch möglich, neue Arten anhand von Aquarien-exemplaren zu beschreiben. Ein Beispiel dafür ist die seltene Gelbe Marmorgarnele, Saron inermis Hayashi, die nach Tieren beschrieben wurde, die ich von verschiedenen Zoohändlern bekommen habe; oft sind das aber nur glückliche Zufälle.

Beobachtungen über die Vermehrung der Riffbewohner in freier Natur sind meistens nur zufällig, im Aquarium sind gezieltere und vielleicht auch genauere Forschungen möglich, die durch die neuerliche Importbeschränkung auch für die Aquaristik sehr wichtig sind. In Zukunft muß es gelingen, mehr Korallenfische, Krebse und Stachelhäuter nachzuzüchten. Bisher war der Liebhaber dabei auf sich allein gestellt, allenfalls Zoologische Gärten hatten Erfahrungen und haben sie auch weitergegeben. Das entscheidende Problem bei der Zucht ist das fehlende Aufzuchtfutter für die freischwimmenden Larven. Eine Lösung dieses Problems ist nur dann möglich, wenn wissenschaftliche Forschungen eine Grundlage für den Liebhaber schaffen, damit ihm verschiedene Futterzuchten zur Verfügung stehen. Tauchende Meeresaquarianer geben wertvolle Hinweise über die Ökologie der Riffbewohner. Ein tauchender Aquarianer entwickelt sicherlich ein anderes Gespür dafür, was wesentlich ist. Der Liebhaber ist auch tiefer in die Materie eingearbeitet, er kann Unbekanntes anders anpacken. Für den ernsthaften Aquarianer ist das aber auch eine besondere Verantwortung.

Für die Anerkennung unseres Hobbys und seine Zukunft wird das noch von großer Bedeutung sein.


 
   


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