Der Ruf der Freiheit...
Leben braucht Raum, um sich entfalten zu können - das weiß instinktiv jedes Kind, wenn es im Kinderzimmer eine Wohnhöhle aus Tüchern baut oder im Garten ein Baumhaus, und sich so eine eigene abgegrenzte kleine Welt erschafft. Wenn Erwachsene Lauben und Hütten, Baumhäuser oder naiv-phantastische Bauwerke in ihrem Garten errichten, mit Material, Werkzeug, Konstruktionen und Formen experimentieren, gewinnen sie ein Stück Kindheit zurück. Lauben und Hütten werden so zu gebauten Träumen, Frei-Räumen für Körper und Seele.
Die Behausung, oftmals als dritte Haut des Menschen bezeichnet, hat in erster Linie Schutzfunktion. Bei selbstgebauten Lauben und Hütten ist diese Schutzfunktion meist auf das Wesentlichste vereinfacht. Und doch wird so viel mehr erfüllt! Denn ganz von selbst fängt man wieder an, sich auf seine Sinnesorgane einzustellen, mit Pflanzen und Tieren zu leben, zu schauen, zu hören, zu riechen und zu schmecken.
Wenn David und Jeanie Stiles im ersten Kapitel davon berichten, "tief in den Wäldern zu bauen und das Baumaterial dahin per Hubschrauber oder auf dem Wasserweg zu befördern, dann entsteht vor dem inneren Auge die scheinbar unendliche Weite des amerikanischen Kontinents. So viel unberührte Natur ist in unserem dichtbesiedelten Deutschland sicherlich nicht zu finden. Eher schon rigide Baunormen, die eingehalten werden sollen, kontrollierende Nachbarn, handtuchschmale Grundstücke und dergleichen mehr. Doch für den, der will, ist auch hierzulande ein Leben möglich, das die Natur stärker einbezieht und ein Stück Traum vom freien Leben zur Wirklichkeit macht. Ein Leben, in dem die Erde trägt und die Sterne leiten...
Im zweiten Kapitel beschreiben Kurt Kretschmann und Burkhard Niepelt, wie sie preisgünstigst ihr kleines Haus aus Holz, Stroh und Lehm gebaut haben, der eine 1938, der andere 60 Jahre später. Außerdem werden einige bemerkenswerte amerikanische Entwürfe vorgestellt, die vielleicht Anregung für eigenes Planen geben können. Kleingartenlauben erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Welche baulichen und gestalterischen Möglichkeiten es gibt, und wie sich die Laube am besten in ihre Umgebung einbinden lässt, wird ausführlich im dritten Kapitel beschrieben, herausgegeben vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt in Düsseldorf in Zusammenarbeit mit dem Presseamt Düsseldorf.
Lauben und Hütten sind auf besondere Weise mit der Natur verbunden und so liegt der Gedanke nahe, auch die Sonne, den Wind, das (Regen-)wasser und andere ökologische Kreisläufe zu nutzen. So entstand 1987 die erste Öko-Musterlaube in Berlin als Projekt der Stiftung Naturschutz Berlin. Im vierten Kapitel wird die Musterlaube vorgestellt, die in den vergangenen Jahren oftmals nachgebaut wurde. Wie unterschiedlich und vielfältig die Gestaltung bei gleicher Grundkonzeption sein kann, zeigt der erste Nachbau der Musterlaube in Norddeutschland (auf dem Gelände der Firma re natur in Ruhwinkel) und die im Sommer 2001 erstellte Ökolaube in Cham, realisiert von der Kreisgruppe Cham des Bund Naturschutz (BN) im Rahmen der Chamer Gartenschau.
Ob Tipi, Baumhaus, Floß oder Ökolaube - viel Freude beim Bauen wünscht Ihnen,
Claudia Lorenz-Ladener, Herausgeberin