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Die Alten Tänze
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Vorbemerkung

Die Faszination, die von dem Thema "Tanz" ausgeht, ist ungebrochen groß, das Wissen über Tänze, vor allem über solche der Vergangenheit, jedoch allgemein recht lückenhaft.

Was bekannt ist über Tanzformen, ist nicht nur spärlich, es ist auch außerordentlich widersprüchlich. Zu kaum einem anderen Gebiet der Musikgeschichte gibt es so divergierende Aussagen, so viele ungesicherte und einander nicht entsprechende Behauptungen. Das hängt einmal damit zusammen, daß Bewegungen sich noch nie leicht in Worten beschreiben ließen, zum anderen damit, daß sich trotz einer Reihe von Ansätzen eine der Notenschrift vergleichbare Tanzschrift bis heute nicht entwickelt hat. Die Unbestimmtheit aller Aussagen über Tanzbewegungen ist damit durch die Jahrhunderte quasi vorprogrammiert.

In den 60er und 70er Jahren unserer Zeit beschäftigten sich in Deutschland drei Zentren mit Historischen Tänzen, deren Arbeiten dann die wenigen der folgenden Jahre nicht im gleichen Tempo fortgesetzt haben: Es waren die Hochschule der Künste in Berlin mit Karl Heinz Taubert (Höfische Tänze, 1968), Fritz Feldmann, vormals Universität Hamburg (Historische Tänze, 1960/73) und die Sporthochschule Köln mit den Internationalen Sommerakademien des Tanzes. Alle drei konnten sich auf die schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts erschienenen Standardwerke über Tanz stützen, auf Albert Czerwinski, Franz M. Böhme, Oskar Bie, Curt Sachs, Paul Nettl, Helmut Günther u.a.; desgleichen auf die allmählich bekannter werdenden Quellen: Arbeau, Mersenne, Caroso, Praetorius, Mattheson, Pasch, Behr, Trichter, G. Taubert, Bonin, Noverre, Walther, Tomlinson, Bonnet, Rameau, Feuillet u.a. Nur eine der vielfältigen Tanzgattungen, die sich im Lauf der Geschichte herausgebildet haben - Volks- und Bauerntänze, Bürgertänze, Zunfttänze, Höfische Tänze, religiöse und kultische Tänze, Kampf- und Waffentänze u.a. - zeichnet sich durch erhebliche Exaktheit der Beschreibung aus. Es ist das Ballett, dessen Positionen und Schritte am Hofe Ludwigs XIV. von seinem Tanzmeister Beauchamps festgelegt und die bis heute tradiert wurden. Das Ballett hat den Gesellschaftstanz der Zeit beeinflußt - wie auch umgekehrt -, war aber von Anfang an Schau und Theatertanz und wurde zunehmend professionalisiert.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich jedoch nicht mit dem Ballett und der Ballettmusik, sondern mit Tänzen, die während eines Zeitraumes von über 800 Jahren von denen getanzt wurden, die bei Hofe zugelassen waren. Es werden dabei alle wichtigen Tänze geschildert und vor dem Hintergrund ihrer Zeitgeschichte dargestellt.

Der Lesbarkeit des Textes wegen wurden Schrittbeschreibungen jeweils auf die der Grundschritte beschränkt; auf Vorschläge zur Choreographie wurde ganz verzichtet. Dennoch wird der Musiker, der Musikliebhaber, der Regisseur, der Lehrer und sein Schüler, wenn er zwar Allemanden und Couranten kennt, aber, wie üblich, nicht weiß, auf welche Weise man sich zu ihrer Musik bewegt hat, eine deutliche Vorstellung von der damaligen Tanzpraxis bekommen.

Die Musik Höfischer Tänze berührt uns heute noch. Sie ist lebhaft und heiter, und sie gewinnt eine neue Frische, wenn sie zu der Tanzbewegung in Beziehung gesetzt wird - Frische, dazu Farbigkeit, Sinnlichkeit, Elan und Genauigkeit. Gewonnen wird mit der Bewegungsvorstellung somit letztlich eine tiefere Musikalität.

A.S.


 
   


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