Vorwort
Ein Buch zur astrologischen Prognose beinhaltet immer auch die zentrale Frage nach der Rolle der Vorausschau in der Astrologie. Bedeutet ein Ja zur Verwendung prognostischer Verfahren zugleich auch eine Bejahung der Zukunftsvorhersage?
Oftmals gerade nicht - darin sind sich viele Astrologinnen und Astrologen einig. Es handelt sich bei der astrologischen Prognose vielmehr um dynamische Verfahren, die nicht selten ihre Anwendung zunächst in Bezug auf die Vergangenheit finden - im Sinne einer Metagnose. Man will die Vergangenheit besser in ihrem Verlauf verstehen, um daraus für die Zukunft zu lernen, um Ideen zur Bewältigung von Problemen zu kreieren, um Themenstellungen, welche die Zukunft bringt, kreativ mit Leben zu erfüllen.
Daher ist der Begriff der "prognostischen" Verfahren häufig gar nicht zutreffend, vielleicht sollte man besser von "zeitdynamischen" Verfahren sprechen. Dieser Begriff lässt offen, ob man mit Direktionen, Transiten, Solaren usw. nun die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft betrachtet.
Aber auch bei der Rückschau geht es im Grunde um die Zukunft und ihre Bewältigung - aber mit welchen Mitteln? Viele Fragen schließen sich an:
Sind die kommenden Lebensthemen determiniert, bzw. wie viel freien Willen hat der Mensch? In welcher Form können astrologische Prinzipien konkrete Lebensgebiete bestimmen? Beinhaltet nicht bereits eine Aussage über vermutete Charaktereigenschaften auch schon Zukunft, denn damit wird ja angenommen, dass ein Mensch in einer entsprechenden Situation mit einer gewissen Eigenart agieren oder reagieren wird?
Die heutigen Astrologinnen und Astrologen sehen den Menschen meist nicht als ein determiniertes Wesen an. Die einen sprechen davon, nur Motivationen beschreiben zu können und reden von Entwicklungspotenzial und Transformation. Sie orientieren sich an der psychologischen Astrologie und der damit verbundenen Biografiearbeit. Andere richten ihren Blick mehr darauf, wie das Individuum m ein Kollektiv eingebunden ist und verstehen astrologisch-prognostische Verfahren im Sinne der Mundanastrologie: Sie versuchen, mit astrologischen Mitteln große allgemeine Zyklen zu beschreiben, in die der Einzelmensch mehr oder weniger eingebunden ist. Wann wird ein Mensch im Sinne eines Kollektivs wirksam, wie zeigen sich im individuellen Leben Merkmale des Saros-Zyklus oder des platonischen Jahrs? Wie reagieren die Natur und das Leben auf kosmische Rhythmen, ob dies nun das Wetter oder die Politik betrifft?
In diesem Kompendium zur Prognose, zu der brennenden Frage nach der Qualität der Zeit, sind viele Stimmen namhafter Astrologen und Astrologinnen zusammen getragen. Ihnen allen danken wir als Herausgeber für ihre Bereitschaft, ihre Überlegungen und Erfahrungen zu dem menschlichen Bemühen um eine gelingende Zukunft für dieses Buch niedergeschrieben zu haben. Es kommen verschiedene Stimmen zu Wort. Nicht jeder teilt die Auffassung seiner Kollegen - dies etwa in Bezug auf die Methode oder Anwendung - und doch wird bei allen Autoren und Autorinnen eine gewisse Zuversicht dahingehend deutlich, die Zukunft aktiv beeinflussen und gestalten zu können. Astrologie dient ihnen meist als ein Erkenntnismittel oder Werkzeug dazu, persönliche Gestaltungsmöglichkeiten offen zu legen, zu suchen und zu finden.
In diesem Sinne wünschen wir allen Leserinnen und Lesern, dass sie viele Anregungen aus diesem Werk für sich selbst und ihr Leben ziehen können. Unser Dank geht an Anne Schneider für die redaktionelle Mitarbeit. Ebenso danken wir dem Chiron Verlag, dass er dem Deutschen Astrologen-Verband mit dieser Publikationsreihe ein Forum gegeben hat, unterschiedliche Ansatzpunkte zu diesem Thema zu Wort kommen zu lassen.
| Heidelberg, Januar 2001 | Detlef Hover und Ulrike Voltmer |