Vorwort zur deutschen Ausgabe
Seit Ende der achtziger Jahre verfolge ich mit wachsendem Interesse die Arbeiten, die Paolo Crimaldi für die italienische Astro-Fachzeitschrift »Linguaggio astrale« schreibt. Stets handelte es sich um Artikel über psychologische Astrologie und ihre Verbindung zur Traumdeutung und zur Psychosynthese. Crimaldis Arbeiten waren außerordentlich gelehrt. Sie verrieten profunde Kenntnisse, und ich hegte keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem Autor um einen alten Mann, einen Professor handeln müsse, der an Jahren so reich wie an Erfahrung war. Nun, beim Internationalen Astrologenkongress 1994 in Venedig hatte ich das Vergnügen, Paolo Crimaldi persönlich kennen zu lernen. Wer beschreibt mein Erstaunen, als ich mich einem 27-jährigen Mann gegenüber sah. Ein italienischer Kollege, der mit dabei war, bemerkte mein Erstaunen und sagte: »Paolo ist eine alte Seele.« Und so erfuhr ich, dass viele Menschen in der italienischen Astro-Szene, die Paolo Crimaldi über seine Artikel kannten, dasselbe Empfinden hatten. In der Zwischenzeit hat Paolo Crimaldi seinen Zugang zur Astrologie noch einmal gewandelt. Zur psychologischen Orientierung ist jetzt die spirituelle getreten, und auf seine Arbeiten zur psychologischen Astrologie folgen jetzt solche über karmische Astrologie.
Wenn ich ein Buch über Astrologie und Karma zur Hand nehme, bin ich durchweg ziemlich voreingenommen. Das liegt daran, dass ich die Behauptungen, die ich manchen dieser Bücher entnommen habe, mehr als Spekulationen des Geistes denn als annehmbare Deutungen des persönlichen Schicksals begreife. Andere Bücher zum selben Thema führen eher Angst machende, fatalistische Deutungen an: Bestimmte negative Erfahrungen, die wir im gegenwärtigen Leben gemacht haben, gelten als gerechte Strafe für die Missetaten eines früheren Lebens. Derartige Behauptungen sind geeignet, den Entwicklungsweg des Ratsuchenden zu hemmen. Sie vermitteln Schuldgefühle, sie verursachen lediglich Schaden. Dabei wissen wir doch, dass eine behutsam angewandte Astrologie eigentlich eine große Hilfe für die persönliche Entwicklung sein soll. Sie kann uns von vergangenen Konditionierungen befreien und zahlreiche Möglichkeiten für unsere Weiterentwicklung aufzeigen. Sie zwingt uns nicht zu diesem oder jenem Weg, sie zeigt uns vielmehr Wege, ohne uns zu nötigen.
Das Buch von Paolo hat mir sofort gefallen. Sein Ansatz, die Geschichte von Beziehungen unter karmisch-astrologischer Perspektive zu betrachten, hat mich sehr angesprochen. Aus seinem Ansatz resultiert eine Deutung, die Schuldgefühle oder gar die Haltung des »armen Opfers« angesichts des unausweichlichen Schicksals vermeidet. Wir können vielmehr die vielen Wege erkennen, die zwei Seelen miteinander gehen, um sich gemeinsam zu entwickeln. Paolo schreibt von der Liebe, die als ein »karmisches Wiederfinden« begriffen wird, Liebe, die den Weg fortsetzt, den sie schon in vergangenen Leben begonnen hat, Liebe, die sich entfaltet und den Stillstand überwindet, durch den sie in vergangenen Existenzen auf eine harte Probe gestellt wurde.
Crimaldi teilt mit dem Leser seine profunde Kenntnis der astrologischen Materie. Um die Dynamik und die Entwicklung zu verstehen, auf die zwei Partner sich auf karmischer Ebene einlassen, greift er nicht nur auf die Deutung der Mondknoten, des Saturn und der sonstigen Planeten zurück, sondern benutzt auch den so genannten Ehepunkt und den Vertex. Diese beiden Rechenpunkte im Horoskop, die in der gegenwärtigen Astrologie eher selten Verwendung finden, sind für die karmische Horoskopanalyse und Synastrie ein außerordentlich effizientes Instrument. Ich glaube, nach eigenen Untersuchungen im Anschluss an die Lektüre des vorliegenden Buches, dass diese Punkte zusammen mit den Mondknoten die wichtigsten Punkte für eine karmabezogene Analyse sind. Vor allem der Vertex des einen Partners in Konjunktion mit einem oder mehreren Planeten des anderen Partners deutet auf die Ausdrucksmöglichkeiten der Partnerschaft hin, wenn es zu einer Beziehung kommt. Dabei verwirklicht sich die Qualität der beteiligten Planeten stärker auf der Ebene der Paarbeziehung: Beide Partner profitieren von dem Einfluss dieser Planeten auf ihr gemeinsames Leben. Der Ehepunkt im Einzelhoroskop gibt uns Hinweise darauf, wie der betreffende Horoskopeigner sein Ideal von Beziehung sieht. Es ist diejenige Beziehung, die Einfluss auf die Entfaltung unserer Seele ausübt. In der Synastrie ist der Ehepunkt der Indikator für gemeinsame Themen und Projekte. Beide Horoskopfaktoren müssen in der Astrologie der Gegenwart noch stärker untersucht und erprobt werden. Deshalb sei das vorliegende Buch wärmstens zur eigenen Arbeit und Forschung empfohlen!
Lianella Livaldi-Laun Lörrach, im August 2002
Vorwort zur deutschen Ausgabe
Ich freue mich wirklich sehr, dass von meinen Büchern nun auch dieses auf Deutsch vorliegt. Ich habe in der Schule lange Jahre Deutsch gelernt. Aber ich spreche es nicht sehr gut. Freilich liebe ich die deutsche Sprache wegen ihres poetischen Ausdrucks. Ganz offensichtlich bindet mich ein Karma an die deutschsprachigen Länder. So ist mir dieser wunderbare Teil der Welt auch eine zweite Heimat geworden. Asien und natürlich Italien sind mir ebenfalls Heimat. Ich bin Lianella Livaldi Laun und meinem deutschen Verleger Reinhardt Stiehle zutiefst dankbar für das Vertrauen, das sie mir schon in der Vergangenheit entgegen gebracht haben und das sie nun aufs neue bei diesem Buch unter Beweis stellen. Meine Thesen werden sicher, wie schon in Italien, zu einigen Kontroversen führen.
Es ist schon in sich selbst schwierig, über Liebe zu sprechen. Nehmen wir die Reinkarnation noch mit dazu, wird alles noch problematischer. Freilich, ich bin Krebs mit Fische-Aszendent und Skorpion-Mond. Ein Leben ohne Gefühle und ohne Geheimnisse könnte ich nicht ertragen. In dem vorliegenden Buch ist viel von mir selbst und von meinen ganz persönlichen Erfahrungen enthalten. Ich freue mich, diese Erfahrungen vertrauensvoll mit all denen teilen zu dürfen, die die Welt nicht nur unter den Kategorien von Erfolg, Macht, Ehrgeiz und dem Recht des Stärkeren anschauen.
Märchen haben die Kraft, uns als Kinder zu bewahren und zu Kindern reifen zu lassen. Dies wünsche ich auch dem deutschen Leser: dass es ihm immer wieder gelingt, sich dem Leben und den Gefühlen, die das Leben tragen, mit dem Geist des Heranwachsenden anzunähern.
Paolo Crimaldi Rom, Dezember 2002