Vorwort
Seit bald zwanzig Jahren arbeite ich als Therapeutin und Astrologin. Schon immer standen sich diese beiden Bereiche gleichberechtigt gegenüber. Das Horoskop eines Menschen ist ein genauer Spiegel seiner Lebensgeschichte, seiner Problemfelder, seines Unbewussten und - wie wir aus der Reinkarnationstherapie wissen - sogar seiner Vergangenheit, seines Karmas (zumindest der Bilder, die er darüber in sich trägt). Die einzelnen Faktoren, die Planeten, sind reine Prinzipien, reine Symbolträger mit vielen Facetten und Aspekten. Sie können aus zahlreichen Perspektiven auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft bezogen werden. Sie sind wie ein glühender, sich verströmender Mittelpunkt, von dem aus wir Strahlen in jedes Lebensthema, in jeden Zusammenhang hinein verfolgen können. Um dieses Strahlen wahrnehmen und übersetzen zu können, bedarf es nicht nur großer Erfahrung, sondern auch einer Begabung, die man am besten mit Intuition umschreiben kann. Meine langjährige Arbeit mit Menschen hat mich zu einem guten Beobachter und Übersetzer dieser Prinzipien gemacht. Die unzähligen Horoskope, die durch meine Hände gingen, haben sich mit Fleisch und Blut, mit Geschichte und Geschichten gefüllt. Viele, viele Schicksale waren meine Lehrer, viele »Ungereimtheiten« meine Meister. Heute kann ich sagen, dass es das Einfachste von der Welt ist, in einem Horoskop zu lesen und den wegweisenden Strahlen zu folgen, um mit ihrer Hilfe besonders die tiefen, dunklen Seelenbereiche auszuleuchten. Heute weiß ich allerdings auch, dass es keine schematischen Zuordnungen, keine »Kästchen« geben darf, in denen man das Wissen aufbewahrt, um es bei Bedarf (z. B. über den Klienten) auszuschütten. Obwohl ich mir bewusst bin, dass jedes Buch, jede schriftlich niedergelegte Aussage eine Art »Kästchen« ist, möchte ich es doch wagen, dieses Buch zu schreiben. Es liegt mir am Herzen, die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, auf eine Art und Weise mitzuteilen, dass der Leser ihren Geist, ihren Inhalt versteht. Dass er sie nimmt wie eine Landkarte und sich mit ihrer Hilfe auf die Suche nach seinem verborgenen »Schatz« macht. Der »Schatz«, den ich in den letzten Jahren ausgegraben habe, ist die Familiengeschichte eines Menschen, seine Verwurzelung in seiner Sippe, seiner Herkunft.
Wie schon erwähnt, steht ein Symbol, zum Beispiel der Planet Saturn, im Zentrum einer Analogiekette. Die Kräfte seines Inhalts durchdringen Zeit und Raum. Ich kann ihn wie einen Lichtstrahl auf die verschiedenen Ebenen richten. Zum Beispiel auf den heutigen Arbeitsbereich eines Menschen, seine Berufung, seine Kindheit, die Erziehung, die ihm zuteil wurde, seine Schicksalsumstände, sein mitgebrachtes Karma usw. Oder ich schaue mit seiner Hilfe auf die Fähigkeiten einer Person. Im Falle des Saturns heißt dies, ob er es versteht, eigenverantwortlich zu leben. Egal, auf welchen Bereich ich schaue, es handelt sich immer um die gleiche Saturn-Konstellation. Nur ich, als Beobachter, richte meinen Blick auf ein anderes Thema, einen anderen Lebensbereich. Über die Jahre ist mein Blick weit gewandert: von der psychologischen Astrologie hin zum verborgenen Schatten, zu Reinkarnationsbildern, über die inneren zu den äußeren Personen, bis hin zu Märchengestalten und zum Mythos.
Seit ein paar Jahren ruht mein Blick sowohl in der therapeutischen wie der astrologischen Arbeit immer wieder auf dem Kraftfeld: Familie. Natürlich gibt es all die anderen Themen auch heute noch, ich möchte sie in meiner Arbeit nicht missen. Doch wirklich fasziniert bin ich im Moment vom Aufdecken von Familiengeheimnissen, vom Erkennen von systemischen Strukturen und - das ist das Schöne und Neue daran - von den einfachen und guten Möglichkeiten, ordnend zu wirken. Es ist ungeheuer lohnend, aus dem Horoskop nicht nur die Verstrickungen herauslesen zu können, sondern auch gleichzeitig Lösungswege aufzuzeigen. Teilabschnitte dieser Wege können dann von jedem Menschen ohne weitere Hilfe alleine beschritten werden.
Warum ist die Herkunft so wichtig? Warum besinnen sich in der heutigen Zeit immer mehr Menschen auf ihre Familie, suchen ihren Platz in der Sippe?
Keinen Menschen gibt es alleine, jeder hat Eltern und Großeltern, von denen er abstammt. Von ihnen übernimmt er nicht nur das körperliche, sondern auch das seelengeschichtliche Erbgut. Auch wenn manch einer dies leugnet, so besitzt doch jeder Mensch eine starke innere Zusammengehörigkeit zur Familie. Kinder übernehmen Energien und tragen sie weiter, ob diese »gut« sind und Kraft spenden oder ob sie »schlecht« sind und Unglück bringen. So bringt jeder schon bei der Geburt sein »Päckchen« mit. (Im Reinkarnationsgedanken nennen wir dieses »Päckchen« Karma.) Der Mensch ist also nicht nur ein freies Individuum mit persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten, sondern er hat auch einen unfreien, verstrickten Seelenanteil, der ihn wie eine Marionette an die Geschichte seiner Vorfahren bindet. Die Fäden, die uns zu unseren Eltern führen, können wir recht einfach verfolgen. Schon lange arbeiten wir in der Astrologie mit den Sonne/Mond/Saturn-Aspekten, die das Verhältnis unserer Eltern zueinander und zu uns spiegeln. Dass die Bindungen noch viel tiefer in die Vergangenheit führen, ist uns erst seit einigen Jahren bewusst. Wie generationsübergreifend Verstrickungen wirken, haben wir durch die Aufstellungsarbeit Bert Hellingers gelernt.
Ebenso, wie mein Horoskop meine Eltern, meine Beziehungen, meine äußeren Umstände usw. spiegelt, muss es also auch meine Wurzeln in meiner Sippe zeigen. Alle Energien, jedes Schicksal, das vor mir war, mündet über die Eltern in meinen Wesenskern ein. Also bin ich meine Herkunft, oder besser gesagt, meine Herkunft wirkt in mir weiter. Das Radixhoroskop ist Abbild meiner Gesamtpersönlichkeit mit allen Tücken und Fallen, in die mein »Ich« sich hineinverstrickt. Ebenso ist es ausgestattet mit allen Kraftfeldern und Möglichkeiten, mich dort heraus zu ent-wickeln. Einige Bereiche des Grundhoroskopes stehen also für den Teil meiner Herkunft, den ich von dort übernommen habe (auch wenn ich mir dessen nicht bewusst bin).
In meiner Arbeit hat es sich gezeigt, dass im Besonderen Pluto dafür zuständig ist. Doch Vorsicht: Eine mit Hilfe des Horoskopes ausgeführte Familienanalyse kann (und darf!) weder eine Therapie noch eine Familienaufstellung ersetzen. So wie eine Radixberatung im üblichen Sinn auch keinen therapeutischen Prozess ersetzt, sondern ihn einleitet, sehe ich die sich in den Planetenkonstellationen spiegelnden Familienstrukturen auch nur als Wegweiser und Hilfestellung, sich auf die Suche zu machen. Jede hier gemachte Aussage muss zuerst überprüft werden und im Herkunftssystem bestätigt sein. Erst dann dürfen die im Buch aufgeführten kleinen Rituale angewandt werden. Die Planetenprinzipien machen exakte Aussagen über Inhalte, nicht über äußere Formen. Finden wir z. B. das Prinzip Verstrickung (Pluto) im Zusammenhang mit dem Prinzip Mutter (Mond), so wissen wir sicher, dass es sich um »Übernommenes« von der Mutterseite her handelt. Wir wissen noch nicht, ob es sich um die Großmutter mütterlicher oder väterlicherseits, die Mutter oder jemand anderen aus der Sippe der Mutter handelt. Hier kommt der Lösungswunsch des Menschen mit ins Spiel. Nur er alleine kann sich auf die Suche machen und mit der Ent-bindungsarbeit beginnen. Das Horoskop gibt ihm »nur« Auskunft, wonach er zu suchen hat. Doch das ist schon so viel, dass es sich lohnt, dieses Buch zu schreiben.