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Rückblende als Vorwort


FÜR EINE ZUKUNFT MIT ZUKUNFT
Thesen zum Einleitungsvortrag der ersten Toblacher Gespräche 1985 von Robert Jungk

Seit Ende der 1960er Jahre gewinnt eine neue - im Grunde aber uralte - Haltung im Umgang mit der Natur immer mehr an Boden. An die Stelle der bis zur Ausbeutung gehenden Nutzung tritt das Bemühen um Schonung, Hege und Verehrung.

Auf diesem neuen Weg zurück zur Natur können uns die sogenannten Naturvölker als Helfer dienen. Ihre aus jahrtausendealter Erfahrung gewonnene Weisheit im Umgang mit dem Lebendigen kann der nicht wiedergutzumachenden Zerstörung, der bereits Tausende von Tier- und Pflanzenarten zum Opfer gefallen sind, vielleicht noch Einhalt gebieten.

Bei diesen notwendigen weltweiten Anstrengung können neue Techniken der Beobachtung, der Mitteilung und der Heilung wichtige Dienste leisten. Satelliten, Sensoren, Infrarotphotographie, biologische und ökologische Erkenntnisse werden bedeutsame Instrumente beim "Wiederaufbau" der im Krieg gegen die Natur zerstörten Umwelt sein, wenn sie im Dienste einer radikal veränderten Mentalität stehen.

Nur wenn eine grundsätzliche Neubesinnung und ein auf ihr gründender entschiedener geistiger Kurswechsel gewagt wird, ist die zunehmende Verschlechterung der Bedingungen für alles Leben auf dem Planeten Erde noch zu verhindern.

Eine lebensfreundliche Zukunft kann nicht Rückkehr in die Vergangenheit bedeuten, sondern nur die Synthese von ursprünglicher und menschengeschaffener Natur.

Die von Menschen in Gang gesetzten Entwicklungen, die von ihnen in die Welt gebrachten Produkte müssen sich künftig den Lebensbedingungen der Schöpfung und ihrer Geschöpfe anpassen. Eine "sanfte Wissenschaft" und eine "sanfte Technik" sind die Voraussetzung für ein solches Zusammenleben zwischen Hervorbringungen der Natur und der Menschen.

Die Zukunft der unbekümmerten Natur- und Menschenzerstörung im Dienste kurzfristiger Interessen kann nicht von langer Dauer sein. Der Entwurf und die experimentelle Erprobung "humaner Zukünfte" ist eine bisher noch zu wenig geübte, aber immer notwendiger werdende Bemühung der heutigen von katastrophalen Entwicklungen überschatteten Generation.


Aus seinem Beitrag zu den Toblacher Gesprächen 1989
"Die ökologische Wende"

Immer vordringlicher wird es, der notwendig unablässigen Kritik am Unerträglichen Konzepte des Gewünschten an die Seite zu stellen. Vorstellungen von einem neuen Zeitalter sollten in grosser Fülle und von vielen Köpfen entworfen werden. Die Epoche der von zentralen Geistesgrössen erdachten Visionen geht zu Ende. Die Zukunft - wie die Sonne - kann und soll nicht monopolisiert werden. Sie gehört allen, die an ihrer Vorbereitung mitarbeiten.


PRO ZUKUNFT
ist der programmatische Titel einer auf die von Robert Jungk 1985 gegründete Stiftung zurückgehenden Zeitschrift. Darin schreibt er in seinem vorletzten Editorial (im Jahre 1992, nach dem UNCED-Gipfel in Rio de Janeiro):

In dieser Situation könnte kreatives zukunftsorientiertes Denken von grösster, ja vielleicht sogar entscheidender Bedeutung sein. Wenn es gelänge, die Zeitgenossen davon zu überzeugen, dass ihr Wohlstand durch freiwilligen Verzicht auf den nur noch durch Raubbau und Ausbeutung möglich werdenden Überkonsum nicht bedroht wäre, sondern eher zunähme, würde die Bereitschaft zu einem verantwortungsvolleren Verhalten gewiss steigen. Mögliche Gewinne an Gesundheit, Ruhe, Angstfreiheit, Vielfalt, Mobilität, Schönheit und menschlicher Zuwendung können aber bisher nicht so eindeutig gemessen werden wie das Wachstum von Einkommen und Besitz. Solche immateriellen Gewinne würden die Folge eines entschiedenen ökologischen und zukunftsorientierten Handelns sein.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Einführung einer neuen Masseinheit, mit der die Qualität des Lebens in Zahlen bewertet werden kann, helfen würde, den Erwerbs- und Erfolgsdrang vieler Menschen umzuorientieren. "Einnahmen" würden dann nicht mehr nur in Geldeinkünften gemessen werden, sondern auch in dieser neuen "Währung".


Die oben zitierten Sätze sind dem Editorial "Denn sie tun nicht, was sie wissen" in Pro Zukunft 6/4 (1992) 1-2 entnommen.




 
   


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