Vorwort
Man sollte annehmen, daß in Aquarien kultivierte Pflanzen nur Wasserpflanzen sein können; also Pflanzen die ständig im Wasser wachsen. Diesen Arten fehlt gegenüber den Landpflanzen das wegen des Wasserauftriebs nicht benötigte Stützgewebe. Blätter und Stengel sind deshalb außerhalb des Wassers sehr zart und zerbrechlich. Beispielhaft seien hier die Wasserähren, Aponogeton spp., genannt, die lediglich zur geschlechtlichen Vermehrung ihre Blüten über die Wasseroberfläche erheben.
Die überwiegende Zahl der in Aquarien gepflegten Arten sind tatsächlich jedoch Sumpfpflanzen, die in der Natur amphibisch leben, d. h. sie wachsen in feuchten Gebieten über Wasser, können allerdings auch kurzfristig oder auf Dauer untergetaucht leben. Aufgrund dieses Milieus, an das sie ursprünglich nicht gewöhnt sind, nehmen viele Sumpfpflanzen unter Wasser ein anderes Aussehen an. So entwickelt beispielsweise der Riesensumpffreund, Limnophila aquatica, mit seinen über Wasser vorhandenen einfachen lanzettlichen Blättern unter Wasser komplizierte, vielfach gefiederte Unterwasserblätter. Er vergrößert damit die Blattoberfläche und versucht dadurch, sich den veränderten Bedingungen unter Wasser anzupassen. Vergleicht man die Sprosse der Überwasser- bzw. Unterwasserform, ist nicht zu erkennen, daß es sich um die gleiche Art handelt, würden diese Zusammenhänge nicht bekannt sein.
Die Bestimmung der Pflanzennamen nehmen Wissenschaftler nach dem "Internationalen Code der Botanischen Nomenklatur" (ICBN) vor. Da die Unterwasserformen eigentlich nicht den "normalen" Bedingungen der Sumpfpflanzen entsprechen, sondern die seltene Ausnahme sind, werden die Beschreibungen und die namentliche Einordnung nach dem Wachstum der Pflanzen über Wasser vorgenommen. Beschreibungen der Merkmale unter Wasser sind selten oder fehlen vollkommen. Nach derartigen Beschreibungen kann der Fachhandel und der Aquarianer seine Aquarienpflanzen nur schwierig auswählen. Diesem Mangel trägt dieses Buch Rechnung und legt den Schwerpunkt der Pflanzenbeschreibungen auf die Unterwassermerkmale.
Hierzu bestehen die einzelnen Pflanzenbeschreibungen aus einer ganzseitigen Skizze der Aquarienpflanze mit ihren typischen Merkmalen, die durch eingesetzte Fotografien vervollständigt werden. Ergänzt werden diese Darstellungen stichwortartig durch Angaben über Merkmale, Pflegehinweise und Verwendung der Pflanzen im Aquarium. Sowohl die Skizze als auch die ergänzenden Informationen sind jeweils zu einer Doppelseite in der Form eines Steckbriefes zusammengefaßt, so daß ein Nachschlagesystem entsteht.
Den Beschreibungen der einzelnen Arten ist ein leicht verständlicher Text über die wichtigsten Pflegehinweise, wie Bodengrund, Düngung, Beleuchtung, Heizung und Filterung, vorangestellt. Der Bekämpfung der immer wieder im Aquarium auftretenden Algen ist ein besonderes Kapitel gewidmet. In einem Literaturverzeichnis sind im Anschluß daran empfehlenswerte Bücher über Aquarienpflanzen genannt, die auch als Arbeitsunterlagen zu der vorliegenden Veröffentlichung dienten. Hier werden auch entsprechende Kataloge von Aquarienpflanzen-Zuchtbetrieben vorgestellt.
Dieses Buch hätte ohne die jahrelangen Freundschaften mit anderen Pflanzenliebhabern, Berufsgärtnern und Wissenschaftlern nicht entstehen können. So erhielt ich besonders wichtige und nützliche Informationen von der Familie Barth in Dessau, Herrn Prof. Dr. Grohmann, Bundesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene, Rainer Dietz, Heiko Schlichting und Josef Wyrwis aus Berlin, Firma Ludwig Dennerle, Vinningen, Dr. Ryszard Kaminski aus Breslau sowie Heinz Schöpfel aus Waltershausen. Ihnen allen gilt mein ganz besonderer Dank.
Berlin, im Januar 1998