Vorwort zur 2. Auflage
Seit 10 Jahren gibt es neue Initiativen zur praktischen Philosophie. Der enge Rahmen der philosophischen Ethik wurde gesprengt, und die Idee der philosophischen Lebenskunst verbreitete sich auch in Deutschland, was sich in der Entstehung neuer Institutionen des Selberdenkens ausdrückt. So gibt es heute den niedergelassenen Philosophen, der philosophische Beratung und sokratische Gespräche anbietet. Viele philosophisch Interessierte organisieren philosophische Salons. In der Schule verbreitet sich langsam das Fach Philosophie. Ausgehend von Paris gibt es auch in Deutschland mehr und mehr philosophische Cafés. Neu am Philosophiemarkt sind das philosophische Radio auf WDR 5 und Ansätze zum philosophischen Fernsehen. Man kann von einem gewissen Philosophie-Boom reden, der den Psycho-Boom ablöst.
Alle diese neuen Institutionen versuchen zu Formen der Entakademisierung der Philosophie zu gelangen, zu der Rückgewinnung der Philosophie als Lebenskunst, wie sie in der Antike - bei Stoa, Epikur, Diogenes aus der Tonne, den Skeptikern - weit verbreitet war. Diese antike philosophische Lebenskunst hat die Übungen des Selberdenkens im Alltag ins Zentrum des Philosophierens gestellt. Das vorliegende Buch, das jetzt in zweiter Auflage vorliegt, versucht, die Geschichte der philosophischen Übungen des Selberdenkens von der Antike bis zu den Philosophen der Moderne darzustellen. Das Buch präsentiert aus 2500 Jahren abendländischer Philosophiegeschichte philosophische Methoden der Lebenshilfe, des Selbstgesprächs und des Lesens, der Prämeditation, der Selbstprüfung, der Meditation und der metaphysischen Erhellung als Basisübungen des Selberdenkens und der philosophischen Lebenskunst heute. Dieses neue methodische Verständnis einer Philosophie für den Alltagsmenschen ist in allen neuen Institutionen und auch für die Selbsthilfe praktizierbar. Ein neues Orientierungswissen wird so, methodisch fundiert, breite Kreise zum Selberdenken anregen. Damit ist der heutige Alltagsmensch besser auf die Herausforderungen der Globalisierung und der gesellschaftlichen Krise vorbereitet.
Seit der ersten Auflage hat das vorliegende Buch die Grundlage für die Arbeit des Autors in vielen philosophischen Cafés und im philosophischenRadio auf WDR 5 dargestellt. Die Resonanz breiter Hörer- und Teilnehmerschichten auf das Buch hat auch die Entstehung der Café-, Radio- und Salonzeitung der philosophischen Lebenskunst unter dem Titel "Selber denken" möglich gemacht.
Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der Verbreitung der philosophischen Lebenskunst ist diese 2. Auflage des Buches gewidmet.
| Berlin, im Mai 2006 | Lutz von Werder |