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János Stekovics, 1959 in der west-ungarischen Stadt Sárvár geboren, studierte zunächst Chemie in Veszprém, dann bis 1983 Betriebswirtschaft in Merseburg (DDR). Nach dem Studium war er Isolierer in der DDR. 1984 kehrte er nach Ungarn zurück und wurde Wirtschaftsredakteur bei einer lokalen Zeitung. Ab April 1985 arbeitete er als Fotoreporter der ungarischen Nachrichtenagentur "MTI" in Szeged. Im Januar 1989 verließ er Ungarn, lebte in Vilsbiburg, Passau und München. Er war zunächst Tellerwäscher, Kurierfahrer, Bote; dann für verschiedene Verlage tätig. 1992 gründete er in Halle an der Saale einen eigenen Verlag.


Matthias Rüb, 1962 als jüngstes von sieben Pfarrerskindern in Zavelstein bei Calw geboren, studierte Philosophie, Theologie, Politik und Geschichte in Berlin und Paris. Seit März 1989 arbeitet er bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", zunächst in der Literatur- und Feuilletonredaktion, von April 1993 an in der politischen Nachrichtenredaktion in Frankfurt. Seit Anfang 1994 lebt er als Korrespondent der F.A.Z. für Südosteuropa in Budapest. 1992 erschien der Text-Bildband "Bilder aus Ungarn", 1998 das Buch "Balkan-Transit - Das Erbe Jugoslawiens".

ISBN 3-929330-97-0


Als Fotograf unterwegs ...

In Südungarn gab es noch vor einigen Jahrzehnten Tausende von Einödhöfen. Das waren Anwesen von Bauernfamilien, die vor langer Zeit aus den Dörfern ausgezogen sind und eine neue Existenz gegründet haben. In den fünfziger Jahren hieß es, sie sollten ihre Höfe aufgeben, zurück ins Dorf gehen, in die Kollektivierung. Doch diese Umsiedlung ist nicht überall gelungen. Viele blieben lieber auf ihrem Hof.

Es war ein eher zufälliger Anfang, als ich das erste Bild auf einem verlassenen Bauernhof in der Puszta gemacht habe. Ich war noch neu in der Gegend von Szeged und neugierig. Die Fotografen-Kollegen gaben mir den Rat, dieses Thema liegenzulassen: Es sei am Leben der Bauern nichts Interessantes. Sie stammten alle von hier, kannten jedes Dorf, und wer täglich an etwas vorbeigeht, bemerkt es nicht mehr.

So war in der Gegend von Székkutas seit fast neunzig Jahren kein Fotograf mehr unterwegs, um neben den archaischen Bauten des Tieflandes auch die Spuren der Menschen zu verfolgen.

Ich nahm eine schwere Plattenkamera mit, und das war für die Leute sehr beeindruckend. Damit war ich nicht mehr einer von den "Knipsern" - ich habe mir beim Fotografieren Zeit genommen. Diese Zeit wurde mit den Jahren immer länger, das Erzählen immer ausgedehnter - und eines Tages waren wir alle befreundet, das Verhältnis wurde familiär. Inzwischen konnten keine Hochzeiten, Schlachtefeste, ja sogar Beerdigungen stattfinden, wo der "Fotograf" nicht dabei sein sollte.

So entstanden in den Jahren 1985 bis 1989 Tausende von Bildern, und die Auswahl wurde immer schwieriger. Zahlreiche Mittelformat- und Kleinbildstudien fielen durch das Sieb, übriggeblieben sind lediglich einige Großformat-Aufnahmen.

J. S.




 
   


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