Vorwort
Offenkundig wächst das Interesse von Jugendlichen und erwachsenen Klavierlernenden, auch jazzbezogene Musik in den Klavierunterricht mit einzubeziehen. Viele Klavierlehrer/innen würden gerne diesem Wunsch entsprechen, sehen sich aber dazu nicht in der Lage, weil sie selbst keine Erfahrung mit Jazz und Jazzimprovisation haben. Bei der Suche nach Unterrichtsliteratur, die sich zum Selbststudium eignet, stellen sie bald fest, daß es kaum Lehrbücher gibt, die es klassisch ausgebildeten Klavierspieler/innen ermöglicht, einen Einstieg in das komplexe Gebilde des Jazz zu finden.
Das vorliegende Buch soll diese Lücke schließen helfen. Es möchte jazzinteressierten Lehrern und Lehrerinnen Gelegenheit geben, sich von Anfang an schrittweise anhand eines systematisch aufgebauten Lehrgangs mit dem Jazz und der Jazzimprovisation vertraut zu machen. Die Beschränkung auf einen Teilbereich des Jazz - den Jazz-Blues - erlaubt es, kleine Lernschritte und Übungen differenziert auszugestalten und methodische Hilfen einzuflechten.
Viele dieser Übungen eignen sich für partnerschaftliches Spielen zwischen Lehrer/in und Schüler/in im Unterricht und bieten zudem vielfältige Gelegenheiten, sich diesen Bereich im Sinne von "Learning by Doing" gemeinsam zu erschließen.
Notierung und theoretische Reflexion der Hörbeispiele sollen ein Lernen anregen, das durch die Verschränkung von "Hören-Spielen-Erleben-Erkennen" geprägt ist. Diese Art des Lernens dürfte einerseits dem Wesen des Jazz angemessen sein und erleichtert andererseits "notenfixierten" Klavierspieler/innen den Zugang zu einem anderen Weg des Musiklernens:
| hören, nachahmen, die innere Klangvorstellung entwickeln, und, darauf aufbauend, sich eine eigene Bluessprache aneignen. | |
Diese Lernschritte setzen voraus, daß die Jazz-Blues-Sequenzen vorrangig anhand der Hörbeispiele vermittelt werden. Die Notenbeispiele und Spielstücke sind keine starren Vorgaben, die "notengetreu" abzuspielen sind. Sie sollen helfen, die musikalischen Strukturen der Hörbeispiele am Klavier nachzuvollziehen, zu verändern und improvisatorisch damit umzugehen.
Herbert Wiedemann