Vorwort zur deutschen Ausgabe
Bartagamen haben sich ohne jede Frage zu einem der beliebtesten Terrarientiere überhaupt entwickelt. Dazu trug neben ihrer hervorragenden Haltbarkeit, der Tatsache, dass sie ohne größere Schwierigkeiten gezüchtet werden können und ihrem bizarren Aussehen sicherlich ganz besonders auch ihr neugieriges, zutrauliches Wesen bei. Diese Echsen werden regelrecht zahm, und nicht wenige Halter schließen sie aufgrund dessen so sehr ins Herz, wie wir es bislang nur bei Hunden, Katzen und Kaninchen kennen. Die große Zutraulichkeit der Bartagamen gegenüber dem Menschen liegt zum einen in ihrer Natur: Zwar sind frei lebende Tiere alles andere als zahm und verfügen mit dem namensgebenden Bart und dem Aufreißen des Mauls auch über ein durchaus spektakuläres und wirkungsvolles Droh-Repertoire, doch gewöhnen sie sich im Terrarium sehr schnell ein und legen jede Furcht ab. Im Gegensatz zu den meisten anderen Reptilien beschränkt sich diese Eingewöhnung bei Bartagamen aber nicht auf das Tolerieren (was bei den meisten Reptilien bedeutet: Ignorieren) des Menschen, sondern sie bauen aktiv eine positive Beziehung zu ihm auf. Hinzu kommt, dass sie bereits seit vielen Generationen nachgezüchtet werden und es schon seit vielen Jahren quasi überhaupt keine Wildfänge mehr gibt. Sicherlich ist es noch zu früh, von einer Domestikation zu sprechen, jedoch sind wirkliche Selektionszuchten bei Bartagamen längst Realität. So werden inzwischen gezielt allerlei Farbformen gezüchtet, die vielen Menschen besonders gefallen.
In den USA hat das "Bartagamenfieber" längst Dimensionen jenseits der klassischen Terraristik erreicht. Bartagamen werden dort schon lange als regelrechte Haustiere gepflegt. Während die klassische Terraristik sich eher bemüht, "wilde" Tiere unter möglichst artgerechten Bedingungen sozusagen so "natürlich" wie möglich zu erhalten und sich die Terrarianer daran erfreuen, eben auch die natürlichen Verhaltensweisen zu beobachten, ist dieser Aspekt bei der "Haustierhaltung" von Reptilien nebensächlich geworden bis ganz verschwunden. Das mag vielen aus ideologischen Gründen nicht gefallen, aber dieser Trend ist längst auch in Europa und Deutschland zu beobachten. Wer die zahlreichen Internet-Foren und Homepages aufgeschlossen zur Kenntnis nimmt und mit offenen Augen und Ohren über Terraristikbörsen und Reptilienausstellungen geht, kommt nicht umhin, dies fest zustellen. Und was spricht denn auch im Fall der Bartagamen (und einiger weniger anderer Reptilien) dagegen? Die Tiere seihst scheinen auch unter "vermenschlichter" Pflege exzellent zu gedeihen, man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass sie selbst den direkten Kontakt zu ihrem Pfleger wirklich genießen.
Dieses Buch geht für den deutschen Terraristik-Markt neue Wege. Es ist das erste Werk, in dem Bartagamen konsequent unter dem Aspekt des Heimtiers betrachtet werden. Im Vordergrund stehen neben der richtigen Pflege, dem Wohlbefinden und der Gesunderhaltung der Tiere nicht Systematik, Ökologie und Farbformen, sondern Fragen wie die nach der Zähmung, dem Verhältnis zwischen Tier und Mensch und ganz praktische Aspekte vom Tierarzt über den Transport bis hin zum Umgang mit Alter und Tod des geliebten Tiers. Biologisches und ökologisches Hintergrundwissen wird nur so weit vermittelt, als zum richtigen Umgang und zur Pflege nötig ist. Bei Hunden, Katzen und Kleinsäugern eine Selbstverständlichkeit - bei Reptilien noch völlig ungewohnt. Dabei muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass dieser Trend sich nicht aufhalten lassen wird. Die Terraristik steht nicht nur an einem Scheideweg, sie hat sich längst in zwei grundsätzliche Richtungen aufgespalten. Neben der klassischen Sichtweise, die das unveränderte Tier und seine natürlichen Verhaltensweisen in den Mittelpunkt stellt, hat sich längst ein Zweig etabliert, der Reptilien und Amphibien unter dem Gesichtspunkt betrachtet, dass diese dem Menschen und seinen Wünschen möglichst weit entgegenkommen. Die schon weit verbreiteten gezielten Farbzuchten von zahlreichen Arten sind hier sicherlich das augenfälligste Beispiel.
Die preisgekrönte amerikanische Autorin Liz Palika ist wohl die prominenteste Vertreterin des "Heimtier-Zweiges" der Terraristik. Sie hat nicht nur zahlreiche Hundebücher verfasst, sondern eben auch Werke über Reptilien als Haustiere, von denen das dieser deutschen, für den europäischen Markt leicht angepassten Ausgabe zugrunde liegende Buch "Your Bearded Dragon's Life" wohl das bekannteste ist. Es richtet sich gezielt an eine Leserschaft, die sich einfach nur an den sympathischen "Drachen" erfreuen und ihnen ein möglichst gutes Leben in menschlicher Obhut garantieren möchte, ohne über biologisches oder terraristisches Vorwissen zu verfügen. Und dennoch bemüht sich die Autorin, von dieser sehr menschlichen Perspektive aus den Blick auf die leider immer ernster werdenden Probleme der wild lebenden Tiere zu lenken. Wir hoffen, dass dieser Ratgeber den zahlreichen "Haus-Bartagamen" und ihren Pflegerinnen und Pflegern ein treuer und nützlicher Begleiter sein wird.