Vorwort
Der Titel Media Synaesthetics soll darauf aufmerksam machen, dass Medien und Sinne nicht voneinander getrennt werden können. Jedes Medium setzt die Wechselwirkung und das Zusammenspiel der Sinne voraus. Das Erkenntnisinteresse des vorliegenden Bandes richtet sich daher auf Zwischenräume und Passagen zwischen Medien und Sinnen.
Media Synaesthetics geht es sowohl um theoretisch reflektierte als auch um fiktional inszenierte Synästhesien, um intermodale Konstellationen, Inklusionen und Disjunktionen der Sinne. Wahrnehmungstheorien zur aisthesis und (Syn-)Ästhetik sind gerade durch die Auseinandersetzung mit Künsten und Kunstformen zu Reformulierungen ihrer Konzepte und Begriffe angeregt worden. Die künstlerische Phantasie, die kreative Einbildungskraft, hat synästhetische Dispositionen schon immer genutzt, indem sie die Medien der technischen Bilder und Töne, aber auch die "alten" Medien Schrift, Malerei und Bühnendarstellung für eine synästhetische ars combinatoria verwendet hat. Das Konzept Media Synaesthetics ist darauf angelegt, die medialen Koppelungen der Sinne, das heißt: Konturen einer physiologischen Medienästhetik, zu markieren. Nicht zufällig liegt der Schwerpunkt des Bandes daher auf den Ordnungen des Sichtbaren, insbesondere den Wechselbeziehungen von Bild und Ton - als ein Beitrag zur "Bild-Anthropologie" (Hans Belting), die derzeit interdisziplinär ausgearbeitet wird.
Wir verstehen Media Synaesthetics als offenes Forschungsgebiet, das Aspekte der medialen Interaktion und wechselseitigen Durchdringung von Sinneswahrnehmungen untersucht. Nicht anthropologische Konstanten oder fixe Definitionen stehen im Vordergrund, sondern
Inszenierungsweisen, Fusionen und Umbrüche der Sinne, sensuelle Überschneidungen und "Atmosphären" (Gernot Böhme). Im Zeitalter technisch reproduzierbarer Bilder und Töne - und bald wohl auch der Kodierung von Geruch, Geschmack und Gefühl - stellt sich die Frage nach der Technologisierung der Wahrnehmung, den medialen Anatomien, Dispositiven und Transpositionen der Einbildungskraft, den Schnittstellen zwischen Medien und Affekten. Mit der Publikation Media Synaesthetics ist das Ziel verbunden, die "Heteroästhesien" (Bernhard Waldenfels) zwischen der Sensualität und den Medienkonfiguration zu erfassen und zur Diskussion zu stellen.
Für das Zustandekommen unseres Projekts bedanken wir uns in erster Linie bei den Autorinnen und Autoren. Unser Dank gilt ferner dem Herbert von Halem Verlag, Köln, für die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit.
Die Herausgeber