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Und wenn er es für mich getan hat, wird er es für jeden Menschen tun.
Wie auch immer, ich hoffe, dieses Buch berührt ihr Herz auf irgendeine Weise.
Vielen Dank für ihr Interesse.

HEAD

Prolog

Ich war zu Hause, als ich ihre Stimme hörte. Es war die Stimme meiner Tochter Jennea, die singend durch das Wohnzimmer hüpfte. Irgend etwas daran kam mir bekannt vor, aber auf Anhieb konnte ich es nicht einordnen, so fasziniert war ich von dem Anblick, wie sie da durchs Haus sprang und mit der süßen unschuldigen Stimme einer Fünfjährigen trällerte. Mit ihren krausen, hellbraunen Ringellocken sah sie aus wie eine moderne Reinkarnation von Shirley Temple. Ein paar Tage zuvor waren wir mit Korn von der Sommer-Tour 2004 heimgekommen. Jennea war nicht den ganzen Sommer bei mir gewesen, aber gegen Ende der Tour hatte sie uns ein paar Wochen begleitet. Jennea war (und ist) die Liebe meines Lebens. Sie ist von Anfang an ein glückliches Kind gewesen, und ihre Fröhlichkeit war auch diesmal sehr ansteckend. Dennoch: Sie auf Tour mitzunehmen, gestaltete sich ziemlich schwierig für mich. Nicht, weil ich sie nicht dabeihaben wollte, sondern weil ein fünfjähriges Mädchen generell nicht in den Tourtross einer der verrücktesten Rockbands der Welt gehört. Trotzdem war es immer wieder toll, sie um mich zu haben. Sie wurde von allen abgöttisch geliebt, und die Jungs versuchten auch, sich anständig zu benehmen. Unser Bassist Fieldy hatte zum Beispiel die Regel aufgestellt, dass man für jedes Schimpfwort in ihrer Gegenwart einen Dollar an die Kurze zahlen musste. Es war ein netter Versuch, um unsere losen Mundwerke unter Kontrolle zu bringen, aber schon ein paar Stunden nach Inkrafttreten der Regel hatte Jennea über fünfzig Dollar verdient, also brach ich das Experiment wieder ab. Ich wünschte, das ständige Gefluche wäre schon das Schlimmste gewesen, aber dummerweise war es nur die Spitze des Eisbergs. Ich wollte, dass mir Jennea jeden Abend beim Gitarrespielen zusehen konnte, also besorgte ich ihr besondere Schallschutzkopfhörer, wie sie auch auf Schießständen Verwendung finden. Während unseres Auftritts versuchte ich dann, ständig Augenkontakt mit ihr zu halten. Wenn sie mich bemerkte, schenkte sie mir ihr süßestes Lächeln und winkte. Manchmal starrte sie aber auch nur wie gebannt auf den Wahnsinn vor der Bühne und nahm mich gar nicht wahr. Normalerweise standen da nur ein paar verrückte Typen, die die Texte mitbrüllten, aber ab und zu blieb es nicht dabei. Immer wieder knutschten und fummelten Mädels vor unseren Augen in der ersten Reihe miteinander oder verschafften sich mit hochgezogenen T-Shirts die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der kompletten Band. Eine Fünfjährige gehörte da definitiv nicht hin. 2004 machte ich außerdem gerade das bisher schlimmste Jahr meines Lebens durch, was Jenneas Anwesenheit in diesem Sommer noch einmal stark verkomplizierte. Ich war endgültig in der Gosse angekommen. Ich, Gitarrist einer der größten Rockbands der Welt mit Million von Dollars auf der hohen Kante. Ich spielte riesige Konzerte rund um den Globus, aber ich fühlte mich beschissen. Ich konnte einfach nicht kapieren, wie jemand, der alles besaß, wovon er immer geträumt hatte, so unglücklich sein konnte. Die Gedanken daran trieben mich nicht nur immer weiter in die Depression, sondern auch in die tröstenden Arme der Drogensucht. Damals ernährte ich mich hauptsächlich von Bier, Pillen, Speed und Broten mit Erdnussbutter bzw. Marmelade. Ein Teil von mir wollte von den Drogen loskommen, keine Frage, aber ein anderer Teil wollte definitiv auch an einer Überdosis sterben. Ich fantasierte in diesem Sommer davon, wie es wäre, in Ohnmacht zu fallen und schlafend im Tourbus zu sterben. Alle würden mich danach vermissen und beweinen, genau wie all die anderen toten Rockstars. Irgendwann schreckte ich dann aus meinen düsteren Visionen auf und dachte an Jennea, für die ich trotz meines erbärmlichen Zustands das alleinige Sorgerecht besaß. Sie brauchte mich. Ich stellte mir ihre wunderschönen hellbraunen Locken vor und ihr Lächeln, das meine Todessehnsucht ganz leicht entmachten konnte. Eines wurde mir in solchen Momenten ziemlich klar: Ich war ein selbstmordgefährdeter, alleinstehender Rockstarvater, der dringend Hilfe brauchte. Natürlich versuchte ich, nach den Shows so normal wie möglich mit ihr umzugehen, aber meine Sucht machte das nicht gerade einfach. Vor ihren Augen keine Drogen zu nehmen, war schwierig, denn ich brauchte sie, um zu funktionieren. Entweder ich musste mir irgendwo heimlich auf die Schnelle eine Nase Meth (Methamphetamin/Speed - d. Übersetzer) schniefen, oder warten, bis sie eingeschlafen war. Ich steckte bis zum Hals im Drogensumpf. Das einzig Positive war: Wenn Jennea bei mir war, dachte ich nicht ans Sterben. Als ich an jenem Tag zu Hause saß und ihre Stimme hörte, dachte ich wieder einmal daran, dass sie das unglaublichste und niedlichste Geschöpf der Welt war. Mir wurde klar, wie schwer es sein würde, im Herbst wieder auf Tour zu gehen und sie einmal mehr zurücklassen zu müssen. Dann dämmerte mir, was sie da sang. Es war unser Song "A.D.I.D.A.S.", was die Abkürzung für "All Day I Dream About Sex" ("Ich denke den ganzen Tag nur an Sex" - d. Übers.) ist. In diesem Moment, als ich diese Worte aus dem Mund meines fünfjährigen Mädchens hörte, wusste ich, dass sich etwas ändern musste. An diesem Tag zog ich erstmals ernsthaft in Erwägung, bei Korn auszusteigen. Natürlich würde das ein äußerst schwieriges Unterfangen werden, denn in meinem tiefsten Innern wollte ich ja gar nicht aussteigen. Schon als Kind hatte ich davon geträumt, ein berühmter Rockstar zu sein, und der Ausstieg bei Korn hätte dementsprechend auch bedeutet, meinen Kindheitstraum zu Grabe tragen zu müssen. Aber konnte ich guten Gewissens in der Band bleiben, wenn ich mich die meiste Zeit elend und erbärmlich fühlte? Was also sollte ich tun? Ich wusste, dass sich etwas ändern musste. Vor allem, dass es sich schnell ändern musste. Doch die Drogen hatten schon so stark an mir genagt, dass keine rationalen Entscheidungen mehr möglich waren. Als ich dann im Herbst wieder in den Tourbus stieg, schmiss ich mehr Drogen als jemals zuvor, und auch die Todessehnsucht war stärker denn je. "Du bist wirklich ein echter Versager", schoss es mir durch den Kopf. "Du wirst nie von den Drogen loskommen. Jennea wird es ohne dich besser haben." Irgendwann fing ich an, meinen eigenen Hirngespinsten zu glauben. Ich hörte Geschichten über Leute, die nach einer Mixtur von Aufputschmitteln und Schlafmitteln gestorben waren. Ich nahm fast täglich Upper und Downer zu mir. Tagsüber warf ich mir Speed ein, abends nahm ich Xanax (Schlafmittel - d. Übers.). Es gab Nächte, in denen ich mit dem Wunsch einschlief, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen. In anderen Nächten wiederum hatte ich so große Angst vor dem Tod, dass ich erst gar nicht einschlafen konnte. Ich war komplett verrückt. Was war bloß falsch mit mir gelaufen? Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Und wie habe ich das alles überleben können? Die Antworten darauf erfahren sie auf der nun folgenden Achterbahnfahrt: Einmal durch die Hölle und zurück!

 
   


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