Vorwort
Viele Menschen spüren, dass sie für ihre Gesundheit und für ihr Wohlergehen selbst verantwortlich sind. Dabei spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Obwohl wir ein Überangebot an Nahrungsmitteln vorfinden, werden viele der sogenannten Zivilisationskrankheiten in der Regel durch Mangelernährung ausgelöst. Leider ist der größte Teil unserer gewohnten Speisen nicht mehr vollwertig. Jeder weiß, dass die weitaus meisten Krankheiten ernährungsbedingte Ursachen haben und diese Krankheiten nehmen ständig zu. Dafür gibt es vielerlei Gründe.
Wir Menschen sind ein Teil der Natur. Die Stoffwechselvorgänge und Schutzmechanismen in unseren Körperzellen entsprechen weitgehend denen der Pflanzenwelt. Deshalb orientiert sich auch der Rohstoffbedarf unseres Organismus am Nahrungsangebot der Flora. Nach wie vor bestimmt und beherrscht die pflanzliche Kost unseren Stoffwechsel (Metabolismus). Obst und Gemüse, Beeren und Krauter sind Nahrung und Medizin.
Um unsere Gesundheit dauerhaft zu erhalten, sollte jede unserer 70 Billionen Körperzellen ausreichend mit Vitalstoffen versorgt werden. Nach neueren Schätzungen gibt es bis zu 10 000 dieser Bioaktivstoffe, die wir täglich mit einer ausgewogenen Ernährung aufnehmen sollten. Beunruhigend sind die Ergebnisse neuerer Untersuchungen, wonach sich allein in den letzten 10 Jahren der Nährstoffgehalt nahezu halbiert hat. Dabei steigt aber gerade der Bedarf an Vitalstoffen, denn die moderne Leistungs- und Stress-Gesellschaft fordert ihren Tribut. Der Körper verbraucht deshalb heute mehr Nährstoffe, als er mit der Nahrung aufnehmen kann und dies führt auf Dauer zu Mangelerscheinungen im Organismus.
Dem Getreide, Obst und Gemüse, das auf überdüngten und dennoch ausgelaugten Böden wächst, fehlen wertvolle, lebensnotwendige Mineralien und Spurenelemente; außerdem führt auch der "Saure Regen" zu Mineralmangel in den Feldern. Erschreckend ist die Verarmung der Böden und das Züchten auf schnelles Wachstum, so dass wesentlich weniger Vitamine und Mineralstoffe in Obst und Gemüse vorhanden sind. In Laboratoriumsversuchen wurde festgestellt, dass beispielsweise der Gehalt an Kalzium in Bohnen, Brokkoli und Kartoffeln sogar bis zu 70 Prozent abgenommen hat, der von Vitamin C in Äpfeln und Spinat bis zu 80 Prozent. So mangelt es vor allem an Kalzium, Magnesium, Eisen, Jod, Zink und an den Vitaminen A, C, E und den meisten B-Vitaminen.
Dr. György Irmey von der GBK fürchtet, dass mehr als zwei Drittel aller Deutschen über 50 Jahren zunehmend an Mangelzuständen und einem geschwächten Immunsystem leiden und dadurch anfällig für Krankheiten werden. Müdigkeit, Konzentrationsschwächen oder Schlafstörungen seien Anzeichen dafür.
Auf der zweiten gesundheitspolitischen Konferenz im Europaparlament in Brüssel erläuterte Dr. Irmgard Niestroj, stellvertretende Chefärztin der Schwarzwald Privatklinik Obertal, die Ursachen dieser gefährlichen Unterversorgung. "Obst und Gemüse werden heute oft unreif geerntet, lange gelagert und weit transportiert. Dazu kommen oft noch Zubereitungsfehler."
Natürlich können auch falsche Essgewohnheiten - nur Gekochtes, Gebratenes, Erhitztes oder Pasteurisiertes zusätzlich dazu beitragen, dass unserem Körper wesentliche Bausteine für einen geordneten Stoffwechsel fehlen. Professor Dr. Klaus Pietrzik (Bonn) äußerte sich sehr überzeugt, dass in der Bundesrepublik jährlich mindestens 15 000, wahrscheinlich sogar 20 000 Herzinfarkte verhindert werden könnten, wenn der Folsäure-Bedarf in der Bevölkerung gedeckt würde. Immer mehr Experten empfehlen daher, das Defizit an Bioaktivstoffen durch Nahrungsergänzung auszugleichen. Wenn wir auch in der Regel quantitativ bestens versorgt sind, gilt doch die Frage, wie steht es mit der Qualität?
Hier wird offensichtlich, wie notwendig es ist, dass Nährstoffberater aufklären und die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheit deutlich machen.
Dieses Handbuch will vor allem Tatsachen und Zusammenhänge ins Bewusstsein rücken und es will Orientierungshilfen und Anregungen geben, sich bewusst und aktiv mit der eigenen Ernährung auseinanderzusetzen, um die für jeden persönlich günstige und vor allem gesunderhaltende Ernährung zu erkennen. Die ideale Lösung ist sicher die Nahrungsform, die geeignet ist, unsere Gesundheit dauerhaft zu erhalten, beziehungsweise sie wiederherzustellen. Bewusst wird auf einen Hinweis spezieller Ernährungsformen verzichtet. Es soll lediglich ein Basiswissen vermittelt werden, auf dem jeder selbst aufbauen kann.
Jeder ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich. Wer seine Ernährung auf eine natürliche Basis stellt, wird schnell erkennen, was für den eigenen Körper richtig ist. Wenn auf kurzsichtige Weise aber nur der augenblickliche Genuss gesucht wird, ist man vielleicht gut "gefüttert", jedoch schlecht ernährt. Eine schlechte, vitalstoffarme Ernährung kann zu verschiedenen Krankheiten führen, die auch in diesem Handbuch besprochen werden.
Dieses Handbuch will Ihnen das Wissen übermitteln, das Sie als Ernährungs- und Nährstoffberater/in befähigen soll, in jeder Hinsicht gesundheitsfördernd zu beraten, die Gesundheitsprävention zu vertreten um praktische, positive Hinweise geben zu können.
Günter A. Ulmer