Vorwort
Trilobiten aus der Gerolsteiner Kalkmulde- und wer sie wirklich findet!
Seit mehr als 250 Jahren ist der Fossilreichtum der Gerolsteiner Kalkmulde bekannt. In die Tausende zählen inzwischen die Forscher, Gelehrten und Studenten aus aller Welt, die in der Gerolsteiner Kalkmulde und in den weltberühmten Geeser Trilobitenfeldern nach Fossilien suchten. Kein geringerer als Alexander von Humboldt - als einer von vielen - machte sich schon 1845 auf den Weg nach Gerolstein, um die sagenhaften Fossilien zu finden,
Bei soviel Forscherpräsenz in den letzten Jahrhunderten ist es nur zu gut verständlich, dass die großen Museen und Universitäten der Welt Fossilien aus der Gerolsteiner Kalkmulde beherbergen. Was aber gerne vergessen oder einfach verdrängt wird, ist die Tatsache, dass es oft einheimische und auswärtige private Sammler, Besucher oder einfach Neugierige waren, die die besten Stücke fanden und präparierten. Hier müssen in Gerolstein stellvertretend für alle Stefan Dohm und Dr. Batti Dohm, Vater und Sohn, genannt werden, die Ende 19. bis zweite Hälfte 20. Jahrhundert geradezu legendär für ihre Kenntnis und vor allem den Besitz von meisterhaft präparierten Fossilien waren. Kein Wunder, dass Stefan Dohm schon 1903 den Grundstein für das »1. Geognostische Museum der linksrheinischen Rheinlande« in Gerolstein legte, zusammen mit dem Hotelbesitzer Heck. Das Museum befand sich in den Räumen des ehemaligen Hotels Heck, welches jedoch im Winter 1944/45 vollständig zerstört wurde. Eingedenk dieser Einrichtung eröffnete die Stadt Gerolstein am 9. Mai 1987 das heutige »Naturkundemuseum Gerolstein« in den altehrwürdigen Räumen des Alten Rathauses. Auch hier war das Gerolsteiner Naturkundemuseum wieder Trend setter, denn es war das erste moderne, interaktive Museum der Vulkaneifel, das sich den Themen Vulkanologie, Mineralogie und natürlich Paläontologie widmete. So feiert nun unser in der Eifel einzigartiges Naturkundemuseum heute seinen 20, Geburtstag!
Noch immer schlummern in manchen Kellern wahre Fossiiienschätze vor sich hin, aufgesammelt von den Altvorderen, die noch die Zeit, Muße und Geschicklichkeit für die Fossiliensuche und -präparation besaßen. Aus diesem Fundus schöpft auch das Gerolsteiner Naturkundemuseum. Die Sonderausstellung »Trilobiten - Schätze Gerolsteins« bezeugt eindrucksvoll, welchen Beitrag ganz besonders die Amateurforscher mit ihren exquisiten Fossilien zum Verständnis der Entwicklung des Lebens in längst vergangenen Zeiten leisten. Und so sollen an diesem besonderen Tag nicht nur das Museum, sondern auch all diejenigen gewürdigt werden, die ihre besten Stücke im Museum ausstellen. Es ist der Verdienst unseres Naturkundemuseums, das geologische Erbe unserer Region dem Einheimischen und dem Fremden, dem Laien und dem Profi anschaulich machen zu ien.
Auch die Autoren des vorliegenden Büchleins gehören zu diesen verdienstvollen Sammlern, Ihnen ist es zu verdanken, dass die spektakulären Gerolsteiner Trilobiten endlich wieder einmal explizit dar- und ausgestellt werden, An diesem bemerkenswerten Beispiel soll aber auch das Dilemma für heutige Sammler und Liebhaber aufgezeigt werden: Auf der einen Seite wird heute unter den Bannern von Natur- und Umweltschutz und zur Bewahrung des geologischen und kulturellen Erbes das wilde Graben nach Fossilien zu Recht untersagt. Auf der anderen Seite gibt es aber ohne die Leidenschaft gerade der privaten Sammler und Forscher keine exquisiten Stücke für die großen Sammlungen der Welt und für die kleinen aber feinen Museen der Eifel. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass das Sammein und Forschen ein Urtrieb des Menschen ist! Insofern ist das Büchlein zu Ehren des 20-jährigen Bestehens des Naturkundemuseums Gerolstein ein beredtes Zeugnis der verdienstvollen und erfolgreichen Sammei- und Forscherleidenschaft von privater Seite. Den Sammlern, Forschern und Autoren Andreas Rückert und Thomas Klever sei hiermit stellvertretend für viele gedankt!
Dr. Peter Bitschene
Naturkundemuseum Gerolstein, 1. Juni 2007