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Mittelalterliche Sakristeien im deutschsprachigen Gebiet
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VORWORT

Die Sakristei ist ein guter Ort, um sich ein Bild von der fremden Welt des mittelalterlichen Kirchengebäudes zu machen. Die meisten mittelalterlichen Kirchenkomplexe umfassen viele Nebenräume, die manchmal über Jahrhunderte gewachsen sind, aber die Erkenntnis, dass sie zum Gebäude gehören wie die Haupträume - etwa Chor, Schiffe und Westwerk - ist genauso jung wie das Bemühen, das Geschehen in den Kirchen im Zusammenhang mit der Architektur und der Ausstattung zu begreifen. Dazu gehört ein erweiterter Ausstattungsbegrif Bewegliche Bildwerke, Paramente und Gerätschaften schmückten nur zeitweise den Kirchenraum, bestimmten ihn jedoch genauso wie scheinbar feststehendes Mobiliar, und selbstverständlich gehören hierzu auch die performativen Aspekte wie Musik, Düfte, Schauspiele und Predigten. Eine vage Vorstellung der Ereignisse in den Kirchen kann sich nur machen, wer all dies im Zusammenhang betrachtet. In der Sakristei liefen die Handlungsstränge des Geschehens zusammen. Hier wurden vor dem Gottesdienst die Gewänder zurechtgelegt, die vasa sacra et non sacra und Bücher bereitgestellt und die Kerzen entzündet. Priester vollzogen die liturgische Waschung. Diakone lernten ihre Texte und stellten sich zum feierlichen Einzug in der geforderten Reihenfolge auf. Während der Messe wurden in der Sakristei Paramente gewechselt und Reliquien geholt, im Anschluß daran wurden Paramente und Geräte gereinigt und fortgeräumt. Aber auch zwischen den liturgischen Zeiten diente die Sakristei als Ort der Verwahrung, zur Pflege der Geräte, Kleider und Schuhe, als Ruhe- und Andachtsraum; hier wurden Erfrischungen gereicht und auch Messen gehalten und Totengebete gesprochen. Die immer wieder geforderte Ordnung in der Sakristei spiegelt nicht nur die Notwendigkeit, die Gerätschaften und Gewänder der vielen Geistlichen und Altarstellen in angemessener Weise zu verwahren, sondern auch den Ordo-Gedanken der Institution Kirche insgesamt: die Vorbereitung zum Dienst am Herrn bindet den Menschen in diese höhere Ordnung ein.

Angesichts einer solche Fülle an Einblicken in die mittelalterliche Liturgie, Realienkunde und Frömmigkeitsgeschichte in der Sakristei ist es kein Wunder, dass mich dieser vermeintlich abseitige Ort seit meinem Hauptstudium nicht losließ - mir schien, als sei in diesem von der Forschung vergessenen Raum ein direkter Zugang in das faszinierende Mittelalter verborgen.

Dass diese Faszination nicht nachließ, liegt zunächst am Gegenstand selbst, der sich auch nach jahrelanger Beschäftigung mit seiner Kunst- und Geistesgeschichte stets zu entziehen, dessen eigenartige Fremdheit gar noch zu wachsen scheint. Mein Doktorvater Henrik Karge hat diesen durchaus emotionalen Zugang verstanden, mich seit den gemeinsamen Tagen in Kiel zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit Sakristeien angeregt und die Arbeit jahrelang begleitet. Uwe Albrecht hat mich indessen gelehrt, immer exakt und nah am Gegenstand zu arbeiten. Viele Unterhaltungen und Diskussionen mit den Kollegen und Freunden Antje Heling, Jutta Wortmann, Jutta Meyer, Bruno Börner, Katrin Zimmermann, Clemens Kosch, Thomas Packeiser und Anja Preiß haben dazu beigetragen, dass ich an meinem Vorhaben festhielt, eine Doktorarbeit über mittelalterliche Sakristeien zu schreiben. Heiko K. L. Schulze hat nicht nur das Lektorat der Arbeit übernommen, sondern auch hilfreiche Hinweise zur Schleswiger Domsakristei geliefert.

Sakristeien sind, wie im Mittelalter, noch heute verschlossene Orte. Ihre Türen wurden mir bei vielen Reisen und Ortsterminen von Küstern und Pfarrern geöffnet, für deren Entgegenkommen und Hilfe ich dankbar bin. Dazu zählen auch die Mitarbeiter von Bibliotheken und Archiven. Darüber hinaus danke ich Christine Korb für Fotografien der Sakristei von St. Godehard in Hildesheim und Ariane Bürkner für viel Geduld und Betreuung beim Ausdrucken der Texte. Meine Eltern haben durch die Hinführung an geisteswissenschaftliches Denken und die Liebe zur Sprache den Grundstein für mein Studium gelegt und mich darüber hinaus unermüdlich finanziell und ideell unterstützt. Ihnen widme ich diese Arbeit.

Dresden, im Herbst 2008


 
   


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