Vorwort
Nicht erst seit der Pisa-Studie ist bekannt, dass eine gut ausgebildete Sprache einen ganz wesentlichen Faktor für den schulischen Erfolg darstellt. Sprache bzw. sprachliche Defizite von Vorschulkindern rücken zu Recht wieder verstärkt in den Fokus von Bildungsplanern. So haben beispielsweise Programme zur "Phonologischen Bewusstheit" in den Kindergärten Eingang gefunden und werden in den oftmals engen Zeitfenstern des Kindergartenalltags platziert.
Die Umsetzung des hier vorliegenden Handbuches lässt sich ungekünstelt in den Ablauf des Kindergartentages einbauen, da die Themen äußerst kindgerecht und sehr ansprechend aufbereitet sind. Auch interessierte Eltern können erheblichen Gewinn für ihre Kinder aus dem Handbuch ziehen; dies gilt auch dann, wenn kein sprachlicher Förderbedarf bestehen sollte, denn durch den ganzheitlichen Ansatz der Autorin wird die Gefühls- und Erfahrungswelt des Kindes in motivierender Weise angesprochen. Das Handbuch enthält jedoch auch Elemente und Übungen, die isoliert für sprachliche Therapiesituationen aufgegriffen werden können.
Die Autorin zielt auf ein aktives Erleben der Kinder von elementaren Wahrnehmungen unter Einbeziehung musisch-ästhetischer Faktoren, die zweifelsfrei einen eminenten Einfluss auf eine positive Sprachentwicklung haben. In vielen praktischen Beispielen wird das Wahrnehmen der auditiven, kinästhetischen und der rhythmisch-melodischen Seite der Sprache mit einbezogen.
Ein besonderes Anliegen ist der Autorin die Verknüpfung von konkreten sprachlichen Fördermaßnahmen mit der Gefühls- und Erlebniswelt von Kindern. Durch die gut strukturierten, kindgemäßen Vorhaben wird auch ein Gegengewicht zur nüchternen und versachlichten Umwelt angelegt; es entstehen wieder kindliche Räume, ohne dass das angestrebte, konkrete Fördervorhaben vernachlässigt wird. Dies ist unter dem Aspekt einer meist nur auf das rein Kognitive abzielenden Förderung im Schatten der Pisa-Studie besonders wichtig.
Die vorgestellte Geschichte, die Lieder, Fingerspiele, die Spielanregungen und das sprachheilpädagogische Bilderbuch zeigen, dass die Autorin über ein fundiertes Praxiswissen verfügt, und weiß, wie Kinder zu begeistern und sprachliche Erfolge zu erzielen sind.
Die dem Praxisteil vorangestellte theoretische Grundlegung gibt auch einer bislang wenig erfahrenen Leserschaft einen fundierten sprachheilpädagogischen Einblick in die therapeutischen Grundlagen und Zusammenhänge.
Fazit: Ein Handbuch für Erzieher/innen und interessierte Eltern, die eine praxisnahe, ganzheitliche Sprachförderung für wichtig halten und vor allem kindgerecht umsetzen wollen.
Thomas Vogler, Leiter eines Sonderpädagogischen Förderzentrums, Sprachheillehrer und langjähriger Dozent in der Logopäden-Ausbildung.
Einleitung
Die Zeit der letzten Jahre brachte viele Veränderungen mit sich: veränderte Umweltbedingungen, veränderte familiäre Lebenssituationen und Einflüsse aus Umwelt, Technik und Medien brachten für die kindliche Entwicklung ebenfalls entscheidende Veränderungen. Der Lebensraum unserer Kinder hat sich in mancher Hinsicht erweitert, doch in bestimmten Bereichen hat er sich reduziert. Dadurch ist die Aufgabe des Kindergartens eine andere geworden. Kindergärten müssen heute teilweise das auffangen, was in der elterlichen Obhut, in der Familie nicht mehr gewährleistet ist und nicht mehr getragen werden kann. Auch für die Kindergartensituation gibt es neue Rahmenbedingungen. Das neue Finanzierungsmodell mit der Aufnahmemöglichkeit von immer jüngeren, aber auch förderbedürftigen, entwicklungsverzögerten Kindern und die stetig zunehmende Sprachproblematik erfordern von Erziehern/innen und pädagogischen Fachkräften, aber auch von Eltern immer mehr Einblick und Sensibilität für Entwicklungsprozesse. Die Sprachdefizite im Vorschulalter sind in der Tendenz steigend und haben vielerlei Ursachen.
Mit diesem Handbuch sollen Erzieher/innen, pädagogische Fachkräfte und interessierte Eltern die Möglichkeit haben, Kindern mit einem Sprachdefizit in der Artikulation des Phonems "SCH" eine Förderung in ihrem vertrauten Umfeld anzubieten. Es ist mir wichtig, eine kindgerechte und lebendige Förderung anzubieten, die dem Entwicklungsraum des Kindes entspricht und ihm zusätzlich Seelennahrung bietet. Aus dieser Zielsetzung entstand die Geschichte, das Handbuch und das sprachheilpädagogische Bilderbuch "Simon und die Schlange".
Das Kind soll in der Förderung die Möglichkeit haben, in eine Geschichte einzutauchen, die seinem Spielraum, seinen Interessen und seiner Faszination gerecht wird. Sinnvolle Spielinhalte verbunden mit gezielter Förderung, bieten dem Kind nicht nur das Erlernen des Lautes und die Erweiterung seiner sprachlichen Kompetenzen, sondern auch noch Nahrung für seine kindliche Seele. Je achtsamer und liebevoller wir spielerisch das Kind auf seinem Weg begleiten und führen, desto nachhaltiger und erfolgreicher wird sich seine Entwicklung vollziehen.
Liebevoll hergestellte Handpuppen bereichern den Prozess der Förderung und lassen dem Kind den zu erlernenden Laut erlebbar und begreifbar machen. So erhält das Kind Nahrung für Seele, Geist und Körper.
Weiterführende Arbeitsmaterialien wie Bildkarten, Mundbilder, Fingerspiele, Würfelspiele, Lieder und das im gleichen Verlag erschienene sprachheilpädagogische Bilderbuch "Simon und die Schlange" können Eltern zusätzlich an die Hand gegeben werden, um sie aktiv in den sprachfördernden Prozess mit einzubeziehen.
Die Veranschaulichung der Entwicklungs- und Förderprozesse, dargestellt in den Abbildungen der Bäume, sollen Ihnen zusätzlich eine Grundlage für vertiefende Elterngespräche und Elternberatung bieten.
Alles aus diesem Handbuch ist aus der Praxis für die Praxis entstanden und wurde aus der Arbeit mit Kindern entwickelt. An dieser Stelle möchte ich allen Kindern danken, für die Erfahrungen und das Wissen, das ich durch sie erlernen und erwerben durfte.
Meinem Mann Wolfgang und meinen Töchtern Anke und Ina danke ich für ihre Unterstützung und ihre Geduld von ganzem Herzen.
Ein großer Dank geht an die kleine Laura, die durch ihre Fotos eine Veranschaulichung möglich machte.
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit der Geschichte "Simon und die Schlange" und dass Sie vielen Kindern in ihrem vertrauten Umfeld spielerisch und schnell zum Erwerb des Phonems "SCH" verhelfen können.