Vorwort
von Wildor Hollmann, em. Direktor des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Köln
Das zerstörte Nachkriegs-Deutschland war durch Not und Elend gekennzeichnet. Hunger und dennoch schwere körperliche Räumungsarbeiten kennzeichneten das Bild der deutschen Bevölkerung. Der Wendetag war der 20. Juni 1948, die Stunde der Währungsreform. Sie schuf innerhalb weniger Jahre einen neuen Menschentypus: gesättigt, zum Teil Übergewicht entwickelnd, immer neue Methoden und Möglichkeiten ersinnend, den Leib vor körperlichen Anstrengungen zu schützen. Auto und Fahrstuhl enthoben mehr und mehr des Gehens und des Treppensteigens, Fließband und technische Automation verdrängten körperliche Anstrengungen aus der Industriearbeit; Staubsauger, Spülmaschinen und automatische Heizung übernahmen die Anstrengungen der Hausarbeit, motorisierte Rasenmäher die der Gartenpflege.
Die Wandlung des Lebensstils hat zwar unsere Umwelt verändert, aber nicht unser Erbgut. Wie vor Jahrtausenden gilt die Regel: Funktion und Beanspruchungsgröße bestimmen Gesundheitszustand und Leistungsfähigkeit der Organe. Der elementare Funktionsreiz zur Ausbildung und Kräftigung speziell von Herz, Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel sowie der Skelettmuskulatur ist körperliche Bewegung und Belastung. Bleiben sie in ihrer Intensität chronisch unterhalb einer kritischen Schwelle, resultieren Inaktivitätsatrophien und Leistungseinbußen. Sie bereiten den Weg für Krankheitszustände wie Arteriosklerose und daraus entstehend Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Durchblutungsstörungen, Diabetes, um nur einige zu nennen.
Dank der Fortschritte von Medizin und Hygiene erfährt heute die Personenzahl mittleren und hohen Alters ein starkes Anwachsen. Es gilt aber nicht, eine Rekordzahl von Jahresringen anzusetzen, aber senil dahinzuvegetieren, sondern es sollen hinzugewonnene Lebensjahre lebenswert gestaltet werden. Dazu gehört ein entsprechender Gesundheits- und Leistungszustand. Für jeden Einzelnen bedeutet das die Hinwendung zur Vorbeugung (Prävention).
Mit dem 2+2 und 4-Programm aus 2 Einheiten Ausdauersport + 2 Einheiten Krafttraining und 4 Tagen gesunder Ernährung kann man schon nach einer Woche feststellen, dass es einem "besser" geht. Man fühlt sich wohler. Die international ersten experimentell erhobenen Befunde über die Bedeutung von Minimal-Trainingsprogrammen publizierten wir 1965/66. Heute liegt eine Fülle von epidemiologischen Befunden, das heißt Jahrzehnte langen Längsschnittuntersuchungen zu diesen Fragestellungen vor und bestätigt die an kleinen Personenzahlen einstmals experimentell erhobenen Befunde. Dank der Kenntnis von Risikofaktoren für die Gesundheit und von Möglichkeiten zu ihrer Vermeidung beziehungsweise korrigierend wirkenden Behandlungen kann es heute mit etwas Glück gelingen, im hohen Alter jung zu sterben. Um einen Beitrag in dieser Hinsicht bemüht sich das vorliegende Buch.
Univ.-Prof. mult. Dr. med. Dr. h. c. mult. Wildor Hollmann