Vorwort
Eberhard Syring
Der Zusammenhang zwischen Pädagogik und Baukultur ist so bedeutsam, dass ein Baukulturzentrum gut daran tut, ihn immer wieder in den Vordergrund zu stellen. Mit der Initiative »Architektur macht Schule« hat sich das b.zb das Ziel gesetzt, das Bewusstsein für baukulturelle Fragen bei Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern zu wecken. Eine zusammen mit anderen Partnern geplante Ausstellung über die Entwicklung des Schulbaus in Bremen von der Einführung der allgemeinen Schulpflicht Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Perspektiven des Schulbaus heute ist ein weiteres Projekt, an dem das b.zb zurzeit arbeitet. Der Arbeitstitel des Projektes, »Der dritte Lehrer«, ist als Hinweis darauf zu verstehen, wie wichtig eine gute, angemessene, anregende Architektur für eine erfolgreiche Pädagogik ist. Das geflügelte Wort stellt die Architektur - was das Lernklima anbelangt, dem das einzelne lernende Subjekt ausgesetzt ist - auf die gleiche Rangstufe wie die Mitschüler und die Lehrer.
Diesen Gedanken ernst genommen hat die »Kinderschule« in Bremen, eine »staatliche Modellschule im Grundschulbereich«. Sie hatte ihren Standort in einem Pavillon der Schule an der Lothringer Straße in Schwachhausen, die 1955 als erste Bremer Pavillonschule in einer Ära erfolgreichen Bremer Schulbaus entstanden war, sich in den 1990er Jahren aber, weil zum Abriss bestimmt, baulich in keinem guten Zustand mehr befand. Der notwendige Umzug in das Schulgebäude Auf der Hohwisch in Hastedt, 1904 eingeweiht, war verbunden mit größeren
Umbaumaßnahmen, die auf die speziellen Bedürfnisse der Kinderschule zugeschnitten waren. Doch es wurde kein gewöhnlicher Umbau. Das Besondere lag darin, dass das Resultat des Umbaus aus einem Beteiligungsprozess heraus entstanden ist. »Wir machen Schule« lautete die Devise, unter der sich die Akteure - Lehrerinnenteam, Eltern und Schüler - mit der Architektin Antje Waterholter daran machten, eine, von den üblichen einschränkenden Bedingungen abgesehen, ideale Schule zu konzipieren und zu verwirklichen - oder, wenn »ideale Schule« zu hochtrabend klingt: eine »kreative Lern- und Lebensumwelt Schule«.
Wie das geschah, schildert die Architektin Antje Waterholter im Hauptteil dieses Buchs, reich illustriert mit Plänen und Architekturfotos sowie Fotos aus dem Planungsprozess. Ergänzt wird der Bericht durch ein paar Nachfragen des Herausgebers in einem Interview mit der Architektin. Einleitend stellt der Leiter der Kinderschule, Detlef Papke, das pädagogische Konzept dieser Schule vor und wirft einen Blick auf ihre rund dreißigjährige Geschichte.
Das Bremer Zentrum für Baukultur freut sich, mit der Veröffentlichung der Dokumentation dieses vorbildlichen Projektes in seiner Schriftenreihe einen weiteren kleinen, aber anregenden Beitrag zur Thematisierung des Beziehungsfeldes von Pädagogik und Baukultur leisten zu können.