Vorwort
Wenn jemand etwas vom Kopf auf die Füße stellen will, dann tut er es im Glauben, Richtiges zu tun. Dann will er etwas erden, Hirngespinstiges überprüfen und schauen, was damit im echten Leben anzufangen ist. Was aber ist, wenn einer die Füße zum Kopf macht? Dann ist er Dieter Baumann.
Es wäre ein Leichtes für ihn zu erklären, wie man einen Fuß auf den andern folgen lässt, um diese Art der Fortbewegung zu verbessern. Das habe sogar ich verstanden, der in diesem Tätigsein stets nur Arbeit gesehen hat und nie den vermeintlichen Lustgewinn. Aber das Einfache war Baumanns Sache nie. Ihm ging es immer um mehr.
Laufend die Welt verstehen und erklären. Darunter war nichts zu machen. Man muss sich das wahrscheinlich so vorstellen, dass da einer in hohem Tempo die Schöpfung durchquert und dabei tausend Gedanken hat, die von den Sohlen ans Gehirn gemeldet werden. Sich die Wirklichkeit laufend neu aneignen - dieses Talent hat nur er.
Das Buch ist der Beweis. Ob in Neuseeland, Kenia, auf der Tübinger Platanenallee oder im Gießener Knast, der Lebensläufer Baumann bleibt nie auf der Bahn, die nur eine Linie zwischen Start und Ziel kennt. Er findet immer einen Seitenpfad, an dessen Rand vielleicht die gute Fee steht, die einen noch verwunscheren Weg weiß, an dessen Ende das Glück winkt, ein besserer Mensch zu werden.
Ja, träumen ist erlaubt. Auch lachen und lustig sein. Das Leben ist ernst genug, um es auch mal auf die Schippe zu nehmen. Dieter Baumann hat diesen Lauf absolviert, über Berg und Tal und nimmt den Leser mit auf diesem Weg, der ein Ziel nie verliert: die Zuversicht, es schaffen zu können. Insofern sind die "Laufenden Gedanken" auch ein Buch gegen die Resignation.
Josef-Otto Freudenreich