Vorwort
Frau Christine Förster beschäftigt sich in Ihrer sehr fundierten Arbeit mit dem Thema Gewalt in stationären Altenpflegeeinrichtungen, das bislang immer noch sehr selten systematisch erforscht worden ist. Es geht ihr nicht darum, alle Aspekte des komplexen Problemfeldes zu beleuchten, sondern insbesondere die Personen in den Blickpunkt zu nehmen, welche die Betreuung und Pflege von Hochaltrigen durchführen. Dabei betont sie, dass es ihr nicht um Schuldzuweisungen geht oder gar Pflegepersonal angeklagt werden soll; im Gegenteil: aus eigener Erfahrung weiß die Verfasserin um das große Engagement der in der Altenpflege Tätigen. Umso spannender, dass nun diese selbst im Fokus stehen. Die ethische Problematik erfährt so eine brisante Zuspitzung.
Differenziert untersucht die Verfasserin die Zusammenhänge von Gewalt auf der Makroebene (Altenpflege in unserer Gesellschaft), auf der Mesoebene (Altenpflege in Institutionen) und auf der Mikroebene (in der Altenpflege tätige Personen). Machtasymmetrien spielen eine wesentliche Rolle: Diejenigen - Bewohner wie Pflegekräfte -, gegen die sich Machtmissbrauch richtet, werden ihrer Autonomie beraubt - und sie neigen zu Machtmissbrauch bzw. Gewalt gegen Schwächere. Insbesondere die fehlende gesellschaftliche Anerkennung, aber auch Arbeitsbedingungen und Belastungen können zu Gewalt führen. Welche Bedeutung dabei biographischen Erlebnissen in Kindheit und Jugend zukommen, gehört zu den besonders wichtigen Erkenntnissen der Arbeit. Frau Förster ist es gelungen, mit Hilfe einer ausgefeilten Methodologie qualitativer Sozialforschung sehr brisante Ergebnisse über ein Tabuthema zu gewinnen.
Die Arbeit wurde 2007 an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen mit dem ersten Preis der Schröter-Stiftung für herausragende Diplomarbeiten ausgezeichnet. Ich wünsche der Arbeit eine möglichst große Verbreitung.
Ludwigshafen, im August 2008
Prof. Dr. Karl-Heinz Sahmel