Vorwort zum 610ten Tausend
Die "Abenteuer des Fliegers von Tsingtau": die Worte klingen hell und lockend. Damals, als das Buch zum erstenmal erschien, hatte es einen Widerhall, den nichts seitdem erreichte. Europa war im Krieg, in Ost und West starrten die Schützengräben, und man wußte schon, daß dieser Zustand fast endlos sein werde. Da kam, mitten in der niederdrückenden Einförmigkeit der Generalstabsberichte, ein kleiner Band heraus, gezeichnet mit dem Namen eines deutschen Kapitänleutnants, der, wie da und dort gemeldet worden war, sich fern an der chinesischen Küste, in dem von den Japanern belagerten Tsingtau durch verwegene Erkundungsflüge hervorgetan hatte; und es hieß auch, er sei wieder in der Heimat, zurück aus englischer Gefangenschaft. In dem Buch erzählte er von seinen Erlebnissen. Sie waren viel, viel wechselvoller, als die kurzen Zeitungsnotizen ahnen ließen. Eine Odyssee über das Weltmeer dahin, von den Schlammfeldern Chinas und den Palästen der Mandarine über Amerika und den Atlantischen Ozean in die Bollwerke Gibraltars und in den Londoner Hafen, das letzte Asyl eines vor den Spähern sich rettenden Flüchtlings, der statt des Offiziers Jacketts die schmutzigen Lumpen des Arbeitslosen trug. Und so sachlich dieser Gunther Plüschow schrieb, mit dokumentarischer Echtheit, so spannend in ihrer frischen Natürlichkeit las sich seine Wiedergabe dessen, was ein oft verzweifelter Kampf um die Freiheit gewesen war. Da war Mut und Freude an der Gefahr, strahlende, unerschrockene Jugend, ritterliche Sportgesinnung, die auch im Feind den ebenbürtigen Gegner sah.
Das kleine Buch ist in wenigen Jahren in 600.000 Exemplaren verbreitet worden. Man fand es überall, es begeisterte die junge Generation, und es drang ins Ausland, in japanischer Sprache bis nach Japan, das sich sehr gut erinnerte, welche Streiche der blonde deutsche Marineflieger den Belagerern von Kiautschou gespielt hatte. Es wurde ins Englische übersetzt, in demselben London, dessen Presse sich lange von ihrem Staunen über das rätselhafte Verschwinden des "Hunnen" nicht erholte. Einige Zeit war es vergriffen; aber unablässig wurde nach dem "Flieger von Tsingtau" gefragt. Jetzt soll das Buch in neuer Gestalt hinausziehen, erwartet von denen, die ihm treu geblieben sind, und um seine zahllose, dankbare Anhängerschaft noch zu vermehren. Nicht als Kriegsbuch, sondern als ein erlebter Roman, der jede Phantasie überbietet, und der auch unserer Jugend gibt, was sie immer wieder am heißesten ersehnt: aufregende Abenteuer voll unmittelbarster Wirklichkeit.
Berlin 1927